Predigt vom 08.06.2025 Pfingsten – Geburtstag der Kirche

Liebe Schwestern und Brüder,

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. In der letzten Woche haben wir den Todestag von Winfried Bonifatius gefeiert, der vor 1300 Jahren wesentlich von England aus Deutschland missioniert hat. Vor mehr als 80 Jahren schrieb der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp mit gefesselten Händen aus den Kerkern der Gestapo: „Deutschland ist wieder Missionsland geworden.“

Passend dazu ist 2024 ein Buch erschienen von Tobias Haberl, einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung. Es heißt: „Unter Heiden.“ Er beschreibt darin, dass er immer noch seinen Glauben als katholischer Christ praktiziert, nicht immer, aber doch meistens sonntags in die Kirche geht. Er wird dafür verspottet von vielen seiner KollegInnen. Er sagt, ich bin umringt von Menschen, die, wenn es um Glauben geht, nur noch an Missbrauch, Vertuschung, Kreuzzüge und Hexenverbrennung denken. Sie sprechen von Kirche „nur als dem Verein da.“ Moderne Heiden nennt er diese Menschen. Weiterlesen

Predigt vom 18.05.2025 – Die Kraft des Löwen

5.So.-i.J. Joh 13,34f

Liebe Schwestern und Brüder

Ein Kind besuchte jeden Tag einen Steinmetz in seiner Werkstatt. Der war dabei, aus einem großen Stein eine Skulptur zu schaffen. Das Kind fragte den Steinmetz: Was machst Du da? Der antwortete: Das ist mein Geheimnis. Am nächsten Tag kam der Junge wieder und sah, dass der Stein schon sehr bearbeitet war und fragte den Künstler. Warum machst den Felsen denn kaputt? Ich mache ihn nicht kaputt, ich hole aus dem Stein nur heraus, was in ihm steckt, antwortete der. So ging das viele Tage und Wochen weiter. Das Kind verstand den Steinmetz nicht und der berief sich immer wieder auf sein Geheimnis. Am Ende war die Skulptur fertig, und in der Werkstatt stand majestätisch die Figur eines Löwen. Da kam das Kind wieder, stand vor der Skulptur und fragte den Künstler: „Woher wusstest Du denn, dass da ein Löwe drin steckte.“ Und der Bildhauer erklärte: Ich habe mich einfach in den Stein hineinversetzt, ich habe mit ihm gearbeitet und ihn lieben gelernt und irgendwann entdeckt: Dieser Stein ist ein Löwe.

Liebe Mitchristen, am Donnerstag, dem 8. Mai starrten Millionen von Menschen auf den Schornstein in Rom, aus dem weißer Rauch aufstieg. Weiterlesen

Predigt vom 20.04.2025 – Ostersonntag

Aus dem Osten das Licht – aus dem Westen der Luxus

Liebe Schwestern und Brüder,

das Geheimnis von Ostern drückt sich aus in drei großen Symbolen, dem Licht, dem Wasser und dem neuen Lied, dem Halleluja.

Zuerst das Licht, entzündet an der Osterkerze. Der ehemalige Erzbischof von Paderborn, Kardinal Jäger, hat mal den Satz geprägt: Ex oriente lux, ex occidente Luxus. Aus dem Osten kam das Licht, aus dem Westen kam der Luxus. Wird dieses ursprüngliche Licht des Glaubens, das Licht der Wärme, der Menschlichkeit, dieser Seelenfunken, von dem Meister Eckhard spricht, heute durch den Luxus erstickt? Das ist Auferstehung: Unter allen Trümmern dieser Welt ist dieser letzte Seelenfunken nicht erloschen, auch wenn er nur ganz klein glüht. Für diesen Glauben haben Menschen ihr Leben gegeben. Bonhoeffer schlägt deshalb vor, am Ende des Lebens nicht mehr von Sterben zu sprechen, sondern von Lichtwerdung. Sein Gedicht dazu klingt so: Weiterlesen

Predigt vom 17.04.2025 – Gründonnerstag

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen Tagen, da wir uns daran erinnern, dass vor 80 Jahren der 2. Weltkrieg zu Ende ging, fällt mir ein alter Mann ein, dem ich vor einigen Jahren in meiner Gemeinde jeden Monat die Kommunion gebracht habe. Der Mann hatte auf dem Tisch neben der Kerze und dem Kreuz einen Holzlöffel liegen, der sehr grob geschnitzt war. Ich fragte ihn, was dieser Löffel zu bedeuten habe. Da erzählte er mir, dass er einige Jahre in russischer Gefangenschaft in Sibirien verbracht hatte. Er erzählte mir, dass er dort ständig Hunger hatte. Morgens Hunger, mittags Hunger, abends Hunger, immer Hunger. Aber wenn es etwas zu essen gab, erzählte er, dann musste man einen Löffel haben, sonst bekam man nichts mit. Darum habe er sich damals diesen Löffel geschnitzt und er habe ihn immer bei sich getragen. Als er 1949 nach Hause kam, habe er es geschafft, den Löffel mitzunehmen und darum liegt er immer noch da. Weiterlesen

Predigt vom 09.03.2025 – Versuchungen widerstehen

Lukas 4,1-13

Liebe Schwestern und Brüder,

diese Rassel habe ich vor etlichen Jahren einem vielleicht 12-jährigen Jungen in Ghana abgekauft. Dort gibt es wie in vielen Ländern Afrikas das Problem, dass Eltern ihren Kindern sagen: „Wir können dich nicht mehr ernähren, schlag dich allein durchs Leben.“ Mädchen landen dann oft in der Prostitution, Jungen in Straßenbanden, oder – wenn sie klug sind – entwickeln sie wie der Hersteller dieser Rassel kreative Fantasie. Dieser Junge stand an einer der ehemaligen Sklavenburgen, die heute an der Westküste Afrikas touristische Attraktionen sind, sammelte dort die Kronkorken von den Flaschen der Touristen auf und bastelte solche Rasseln davon. Ich habe ihm diese abgekauft. Ich wunderte mich, als ich sah ich, dass da Bibelstellen drauf standen, z.B. Johannes 14,6. Ich fragte den Jungen: Weißt Du denn, was da steht? Klar antwortete er: „Da steht, dass Jesus sagt, `Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.´“ Die zweite Stelle lautet: Exodus 14,14. „Und was steht da?“ fragte ich. Er antwortete: „Als das Volk Israel vor dem Roten Meer stand und große Angst hatte unterzugehen, hat Mose ihm Mut gemacht mit dem Satz: „Gott kämpft mit uns.“ Der Junge erzählte mir, dass er die Bibel so gut kannte, weil sie das einzige Buch war, mit dem er in der Schule Lesen gelernt hatte. Und was bedeuten ihm gerade diese beiden Stellen? Er sagt: „Ich habe keine Freunde mehr. Sie haben mich in der Bnde verprügelt und rausgeworfen. Jesus ist mein einziger Freund, und Gott kämpft doch auch mit mir. Wenn ich bete, dann merke ich das.“ Weiterlesen

Predigt vom 23.02.2025 – Stunde des Mutes heute

2025-02-23-7.- So.-i.-J. Lk 6, 27-38 Wahlsonntag 2025

Liebe Schwestern und Brüder,

was ist das für ein Satz im heutigen Evangelium: „Segnet, die euch verfluchen, betet für die, die euch beschimpfen.“

Davon war in den letzten Wochen unendlich viel in diesem Land zu spüren: Von Beschimpfung, Verfluchung, Hass und Gehässigkeit.

Diese Zeit, da u.a. von der Regierung in Amerika so viel Hass und Demütigung ausgeht, erinnert mich an die Jahre vor der Machtergreifung der Nazis und an eine Frau, die ganz hier in der Nähe geboren wurde, an Elisabeth Freifrau von Spiegel von und zu Peckelsheim. Nach einem bewegten Lebensweg wurde sie 1925 zur Äbtissin von einem der wichtigsten Frauenklöster gewählt, von St. Walburg in Eichstätt. Als Nonne hieß sie Sr. Benedicta von Spiegel. Unter ihrem Schutz hat sich ab 1930 im Kloster ein Freundeskreis gebildet, der vor allem den Nationalsozialismus verhindern wollte. Man hat genau gesehen: Da kommt auf uns ein autokratischer totalitärer Staat zu. Zu diesem Kreis gehörten unter anderem der renommierte Journalist Fritz Gerlich, einst Gründer der heutigen süddeutschen Zeitung, und der Kapuzinerpater Ingbert Naab. Als alle in Deutschland sagten, so schlimm wird es schon nicht werden, gründeten sie die Zeitschrift „Der gerade Weg“, in der sie das Rassenprogramm und die Machenschaften der Nazis gnadenlos anprangerten. Weiterlesen

Buchveröffentlichung

Hervorgehoben

Wie können wir in einer Welt voller Krisen und Unsicherheiten Gelassenheit finden? Ullrich Auffenberg gibt in 36 kurzen Kapiteln Antworten, die berühren und zum Nachdenken anregen. Mit Geschichten aus dem Leben, spirituellen Einsichten und praktischen Impulsen lädt er ein, Gelassenheit als Lebenskunst zu entdecken – nicht als passive Haltung, sondern als aktive Kraft, die uns trägt und befreit.

Gelassenheit als Lebenskunst

„Gelassenheit ist die Sehnsucht des Menschen, zum inneren Punkt des seelischen Gleichgewichts zu gelangen. ‚Lassen‘ zu können, bedeutet nicht, sich zurückzulehnen, um endlich das Leben genießen zu können. Es ist eine Haltung, auf die wir Menschen in jeder Lebensphase existenziell angewiesen sind.“