Predigt vom 06.05.2018 Ostersonntag

2018-05-06_6._Ostersonntag

Bayrischer Kreuzeserlass

Evangelium: Joh 15, 9-17

Liebe Schwestern und Brüder,

Durch den Erlass der bayrischen Staatsregierung, in allen öffentlichen Gebäuden, Kreuze aufzuhängen, ist das Kreuz als christliches Symbol wieder sehr in die Diskussion gekommen. Das Kreuz, so wird argumentiert, sei Bestandteil der christlich abendländischen Kultur. Aber Jesus, auf den doch das Kreuz zurückgeht, war kein Mensch des Abendlands, sondern des Morgenlands. Er war Orientale, Jude. Und für die Kultur ist er nicht so grausam am Kreuz gestorben, sondern für jeden von uns persönlich, um uns die Angst zu nehmen vor Schuld, Leid und Tod.

Das Kreuz ist aber nicht nur das Leidenssymbol Christi, sondern auch das der absoluten Liebe, Weiterlesen

Predigt vom 8.04.2018 – Erstkommunion

2018-04-08 Erstkommunion : Gott Smartphone

Liebe Erstkommunionkinder, liebe Familien, liebe Schwestern und Brüder,

Vier Jugendliche einer Konfirmandenfreizeit, Anna, Felicitas, Fabienne, Lara,  haben ein altes Gebet aus der Bibel umgeschrieben und nennen es „Gott Smartphone“

 Smartphone, du bist mein Gott,  du bist bei mir, du kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe, ich trag dich bei mir.

Selbst von fern erkennst Du meine Gedanken.

Ob ich wache oder schlafe, es ist dir bekannt,

dir sind vertraut all meine Beziehungen.

Noch liegt die Nachricht ungeschrieben vor mir,

du kennst sie bereits. Weiterlesen

Predigt vom 1.4.2018 – Ostern

2018-04-01_Osternacht – Mk 16, 1-7

Mit dem Rücken an der Wand

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie die „Mit- dem- Rücken-an-der-Wand-Stehen-Situation“, jenes Erleben also, da Du nicht mehr weiter weißt und buchstäblich mit dem Rücken an der Wand stehst. Mir ist dieser Begriff begegnet, als ich neulich im Radio eine Frau von einem Besuch bei Samuel Koch erzählen hörte. Samuel Koch ist jener junge Mann, der im Dezember 2010 in der Sendung „Wetten Dass“  versuchte, mit Sprungfedern an den Füßen über 5 fahrende  Autos zu springen. Ein Sprung ging schief. Millionen haben es gesehen. Weiterlesen

Predigt vom 29.3.2018 – Gründonnerstag

2018-03-29 Gründonnerstag – Joh 13, 1-5

Die Schürze

Liebe Schwestern und Brüder,

ich kannte meine Mutter kaum ohne Schürze. Früher trugen die Hausfrauen immer Schürzen. Die Schürze war Ausweisschild einer tüchtigen Hausfrau.  Die jungen Frauen tun das heute nicht mehr. Manche finden Schürzen sogar peinlich. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie sich  doch einmal eine Schürze umgebunden hätte. Prompt habe sie da von ihrer pubertierenden Tochter den Spruch bekommen: „Mama, Du siehst ja aus wie eine Hausfrau.“ Hausfrau sein, das wollte sie nicht. Sie war doch schließlich Sekretärin. Weiterlesen

Predigt vom 18.3.2018 – Fastenpredigt

2018-03-18 Fastenpredigt zum 5. Fastensonntag

Alte Konflikte beerdigen

Joh 12, 2033

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Theologin Dorothee Sölle erzählt folgende Erfahrung:

Wir waren einmal auf einer Beerdigung. Ein Freund war gestorben, ganz plötzlich. Am Tage zuvor hatten wir noch zusammengesessen und die gemeinsame Arbeit geplant. Dieser Freund war ein gebildeter Atheist, ebenso seine Frau. Beide waren aus der Kirche ausgetreten. Nun waren wir bei seiner Beerdigung. Stumm saßen wir in der Leichenhalle, zehn Minuten, eine Viertelstunde vielleicht. Dann hoben die Träger den Sarg auf den Wagen. Wir gingen zum Grab. Wir standen noch einige Minuten schweigend dort. Dann gingen wir nach Hause.

Am nächsten Tag war eine Versammlung. Der Versammlungsleiter kam noch einmal auf den Verstorbenen zu sprechen und sagte: „Wir wollen keine großen Worte machen. Ich bitte Sie, sich von den Plätzen zu erheben für eine Schweigeminute.“ Ratlos standen alle da. Keiner wusste so richtig, wohin mit meinen Händen?! Weiterlesen

Predigt vom 11.3.2018 – Lichtblickgottesdienst

2018-03-11_Lichtblickgottesdienst

Erinnerung

Liebe Schwestern und Brüder,

Sie alle verbindet:

Ein geliebter Mensch ist gestorben: der Ehemann? Die Ehefrau? Der Vater, die Mutter? Eine Tochter, der Sohn, der Bruder, die Schwester….wer auch immer…ein Einschnitt in Ihrem Leben, der in manchen Zeiten nicht begreifbar, nicht tragbar, nicht aushaltbar erscheint. Manchmal denken Sie vielleicht: Wär ich nur mitgestorben. Ich will auch nicht mehr leben. Und doch schaffen Sie es? Sie schaffen es, jeden Tag aufs Neue am Leben zu bleiben, oder besser im Leben zu bleiben. Aber was ist das für ein  Leben, in dem Sie vielleicht von einer Leere in die andere stürzen, von einem sinnlosen Tag in den anderen? Ich wünsche Ihnen Menschen, die mit ihnen sprechen  und Sie fragen: Wie schaffst Du das mit deiner Trauer? Und Sie spüren vielleicht: Die Antwort liegt in Ihnen selbst, in ihrem Innern. Und Er-Innern ist ein Paradies, aus dem Sie niemand mehr vertreibt. Denn von dem Menschen, den Sie verloren haben, ist auch etwas in Ihnen geblieben. Weiterlesen

Predigt vom 11.3.2018 – Schwer in Ordnung

2018-03-11_4._Fa._So.
Schwer in Ordnung ,Joh 3,14-21

Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht.

„Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, hat sein Leben einen Sinn gehabt.“  Dieser Spruch ist auf vielen Todesanzeigen zu lesen. Ich frage mich manchmal: Kann man das von Dir sagen, wenn Du an des Lebens Rand trittst. Durch dich war ein bischen mehr Licht in der Welt? Oder war da mehr Schatten? Habe ich mehr Ärger, Streit, schlechte Laune in die Welt gebracht?

Dann wieder tröstet mich die Erfahrung, dass ich in meinem Leben schon weit über tausend Beerdigungen begleitet habe und eigentlich feststellen muss: Etwas Licht war durch jeden dieser Verstorbenen in der Welt, manchmal spärlich, aber immerhin. Weiterlesen