2018-03-29 Gründonnerstag – Joh 13, 1-5
Die Schürze
Liebe Schwestern und Brüder,
ich kannte meine Mutter kaum ohne Schürze. Früher trugen die Hausfrauen immer Schürzen. Die Schürze war Ausweisschild einer tüchtigen Hausfrau. Die jungen Frauen tun das heute nicht mehr. Manche finden Schürzen sogar peinlich. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie sich doch einmal eine Schürze umgebunden hätte. Prompt habe sie da von ihrer pubertierenden Tochter den Spruch bekommen: „Mama, Du siehst ja aus wie eine Hausfrau.“ Hausfrau sein, das wollte sie nicht. Sie war doch schließlich Sekretärin.
Moderne Frauen tragen keine Schürzen mehr, sie haben einen Beruf. Männer tragen Schürzen nur im Sommer an Wochenende, beim Grillen. Denn Grillen ist Männersache. Ansonsten sind Männer eher Schürzenjäger als Schürzenträger.
Die Schürze ist das älteste Kleidungstück der Welt. Adam und Eva trugen nichts als eine Schürze aus Feigenblättern. Zur Zeit Jesu war die Schürze ein Symbol der Verächtlichkeit. Nur Sklaven und Sklavinnen trugen sie. Wer eine Schürze trug, den durfte man demütigen, in den Dreck treten.
Die Abendmahlsgeschichte erzählt, dass dieser Jesus sich ganz und gar in die Lebensweise der untersten Menschen hineinversetzte. Er legte sein Festgewand ab und band sich eine Schürze um. Damit wollte er sagen: Ihr Menschen, ich kenne eure Nöte, eure Probleme. Wenn ihr euch manchmal so klein, so gedemütigt fühlt, so kaputt und am Ende, so unfassbar unten, ich bin immer noch unter euch.
Das Gleiche hat fast 2000 Jahre später in Indien Mahatma Gandhi getan. In Indien gibt es vier Kasten, vier Klassen der Gesellschaft. Die unterste Kaste ist die der Unberührbaren. Mit diesem Abschaum der Menschheit verkehrte keiner der oberen Kasten. Anders Gandhi. Er band sich eine Schürze um, tat das Niedrigste, schrubbte wie die Unberührbaren es mussten, die entsetzlich aussehenden Latrinen und Klos. Da wussten Millionen der ärmsten Menschen Indiens. Der ist einer von uns, dem folgen wir.
So auch Jesus. Durch ihn wissen wir: Gott ist einer von uns. Er ist noch unter all unseren Nöten und Problemen. Das ist der Sinn dieser Gründonnerstagsnacht. Alles, was uns auf dem Herzen liegt, können wir bei ihm abladen, z.B. gleich auch in den Betstunden.