Predigt vom 9.2.2025 – Scheitern

2025-02-09-5.So.i.J. Lukas 5,1-11

Scheitern

Liebe Schwestern und Brüder,

„Immer versucht. Immer gescheitert. Egal. Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.“ Diese Worte des Nobelpreisträgers Samuel Becket mögen einem einfallen bei der Erfahrung des heutigen Evangeliums: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ Klagt Petrus.

An der westafrikanischen Küste in Ghana gibt es ein kleines Fischerdorf. Eikwe heißt es und liegt im Bezirk Takoradi. Da leben die Menschen vom Fischfang. In kleinen Holzbooten fahren sie hinaus, Boote, die aus der Ferne wie Nusschalen wirken.

Oft kommen sie nach harter Nachtarbeit erst am anderen Morgen zurück und bringen nur einen kleinen Eimer voll Fische nach Hause. Früher, so erzählte mir ein alter Fischer, waren die Fischgründe hier so reichhaltig, dass die Fische fast von selbst auf unsere Tische marschierten. Aber seit den 90er Jahren sind die Fangflotten draußen auf dem Meer so zahlreich geworden und haben ihre Netze so engmaschig gemacht, dass für uns nicht mal die kleinen Fische übrig bleiben. Da draußen dringen Trawler immer wieder illegal in die 12-Meilen-Zone ein. 80 % der so gefangenen Fische werden in die EU exportiert. Für uns bleibt so gut wie nichts mehr. Jeden Tag, jede Nacht neu versucht. Immer gescheitert… Weiterlesen

Predigt vom 2.2.2025 – Darstellung des Herrn

2025-02-02-Darstellung des Herrn Lukas 1,1-4;4,14-21

Schrei an der Grenze

Crying girl on the border“. So hieß das Pressefoto des Jahres 2019. Es zeigt ein weinendes Mädchen an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Eine Szene bei Nacht. Ein Scheinwerfer erleuchtet diese Szene. Ein Grenzpolizist untersucht eine Frau. Sie muss mit gespreizten Beinen am Polizeiauto stehen und die offenen Hände auf die Autotür legen. Sie ist dem Polizisten völlig ausgeliefert. Zu ihren Füßen zittert ein zweijähriges Kind. Es weint herzzerreißend. In panischer Verzweiflung fürchtet das Mädchen wohl, dass ihm die Mutter und damit jede Lebenssicherheit genommen wird. Denn Präsident Trump hatte 2018 verfügt, dass die Kindern von den Eltern zu trennen sind, wenn man die Eltern verhaftet.

Einen Monat lang war dieses Kind mit der Mutter unterwegs von Honduras bis zur amerikanischen Grenze. Jetzt ist Feierabend! Verhaftung! Ausweisung! Abschiebung! Was geschieht mit der Mutter, was, mit dem Kind. Die Abschiebenden interessiert das nicht. Weiterlesen

Predigt vom 26.1.2025 – Bleib gesund

2025-01-26-3.Sonntag i.J. Bleib gesund

Lk 1,1-4;4,14-21

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Sie heute von der Fastenoase nach Hause fahren, wie verabschieden Sie sich dann? Leb wohl, auf Wiedersehen, bis demnächst, Tschüss…? Vor drei oder vier Jahren in der Coronazeit wurde allgemein zum Abschied gesagt: Bleib gesund!

Das höchste Gut ist die Gesundheit!? Dieser Satz wird auf der Feier hoher Geburtstage heutzutage ständig kolportiert.

Der Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz weist darauf hin, dass der Gesundheitskult in unserer Gesellschaft geradezu religiösen Status angenommen hat. Er schreibt, auch schon vor Corona sei der Wert der Gesundheit weitaus wichtiger gewesen als der der Religion. In seinem Buch Lebenslust bringt er dazu folgende Beispiele:

Unsere Vorfahren bauten Kathedralen, wir bauen Kliniken.

Unsere Vorfahren machten Kniebeugen, wir machen Rumpfbeugen. Unsere Vorfahren retteten ihre Seelen, wir retten unsere Figur.

Unsere Vorfahren warteten im Advent auf die Ankunft des Herren Jesus. Patienten in der Uni-Klinik warten auf die Ankunft des Herrn Chefarztes, der mit einer Heerschar von Engeln in Weiß zur Visite kommt.“ Weiterlesen

Predigt vom 19.1.2025 – Überflutung durch KI

2025-01-19.-2.Sonntag i.J. Schrifttext: Joh 2,1-11

Überflutung durch KI

Liebe Schwestern und Brüder,

Was ist das für eine merkwürdige Geschichte? Da flutet Jesus eine Hochzeitsgesellschaft mit Wein und das zu später Stunde. Sechs Krüge zu je 100 Liter, 600 Liter Wein. Alkohol im Überfluss! Man fragt sich ja, wie die Gäste anschließend noch nach Hause gekommen sind.

An anderer Stelle flutet er eine riesige Menschenmenge mit Brot. Wunderbare Brotvermehrung. Allein 5000 Männer waren da, noch mal so viele Frauen und noch mehr Kinder. An die 20.000 Menschen werden satt und dann noch 12 Körbe, die übrig sind, für den Abfall? Das alles in einem damaligen bitter armen Land, in einer Mangelgesellschaft.

Was soll dieser Überfluss in diesen beiden Geschichten? Weiterlesen

Predigt vom 6.1.2025 – Dreikönige

2025-01-06-Dreikönige – Matthäus 2,1-12

Die niedergelegten Kronen

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Kapelle Hillige Seele bei Paderborn, wo ich in der Silvesternacht um 24.00 Uhr Gottesdienst gefeiert habe, gibt es in der Krippendarstellung keine Figuren der Heiligen Drei Könige. Da liegen nur ihre Kronen. Es sieht so aus, als hätten die Könige die Kronen vor dem Kind abgelegt und seien dann verschwunden. Ich finde das ein starkes Symbol. Welche Kronen haben die Könige abgelegt? Die schwere Krone des Wissens, der Wissenschaften, mit denen sich diese Magier befasst hatten? Die Krone der grenzenlosen Macht der Politik und des Geldes? Die Krone von Prestige, Renommee, Ansehen mit einer Portion Eitelkeit? All diese Kronen haben ihren Glanz und ihre Energie verloren, müssen sich beugen vor der Erbärmlichkeit eines Stalles und dem im Elend geborenen Kindes, der nackten Menschlichkeit. Weiterlesen

Predigt vom 25.12.2024 – Weihnachten

2024-12-25-Weihnachten Joh 1,1-18

Wo ist Gott heute Mensch?

Liebe Schwestern und Brüder,

Weihnachten 2024 stellt sich diese Frage: Wo war eigentlich Gott, als am letzten Freitag, dem 20.12., ein Irrsinniger in den Magdeburger Weihnachtsmarkt raste, 5 Menschen in den Tod riss und 200 Verletzte zurückließ? Wo ist Gott, wenn in völlig sinnlosen Kriegen zurzeit jeden Tag Tausende von Menschen brutal verheizt werden?

Gibt es eine Antwort? Sie erinnern sich vielleicht, dass im März des Jahres 2009 in dem kleinen Ort Winnenden nördlich von Stuttgart ein siebzehnjähriger an einer Realschule Amok lief und 15 Schüler tötete. Damals hat ein Mitschüler im Internet gepostet: „Gott, wo warst Du, als meine Freunde ermordet wurden?“ Gleich darauf hat eine andere Mitschülerin mit folgendem Post geantwortet:

„Ich glaube, Gott ist zutiefst traurig über das, was geschehen ist,
genauso wie wir;

aber seit so vielen Jahren sagen wir,
dass Gott aus unseren Schulen verschwinden soll,
aus unserer Regierung verschwinden soll

Aus unserer Verfassung, aus den Parlamenten
und aus unserem Leben verschwinden soll.

Und ich glaube: weil Gott ein Gentleman ist,
hat Er sich still und leise zurückgezogen.
Wie können wir von Gott erwarten,
dass Er uns Seinen Segen gibt
und uns Seinen Schutz gewährt,
wenn wir von Ihm verlangen,
dass er uns in Ruhe lässt?“ Weiterlesen

Predigt vom 8.12.2024 – 2.Advent

2024-12-08-2. Advent Lukas 3,1-6

M-L-King – Du bist jemand

Liebe Schwestern und Brüder,

wörtlich hat am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington Martin Luther King in seiner berühmten Traumrede diese Worte des Jesaja zitiert im heutigen Evangelium nach Lukas aufgegriffen. Vor 250.000 Menschen sagte er damals:

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt werden. Die unebenen Plätze werden flach und die gewundenen Plätze gerade, und die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden. Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Brüderlichkeit gemeinsam niedersetzen können… Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.“ Weiterlesen