Predigt vom 29.11.2020 1.Advent – Wachet auf

2020-11-29 – 1. Advent

Wachet auf

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Aufschrei ging im Juni 2020 durch den Kreis Gütersloh, als bekannt wurde, dass in Deutschlands größten Schlachtbetrieb, der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, fast 2000 Werksvertragsarbeiter*nnen aus Osteuropa mit dem Virus Covid 19 infiziert worden waren. Ins grelle Licht der Medien kamen unwürdige Wohn- und Arbeitsbedingungen in diesem Konzern, der allein in Deutschland täglich mehr als 16 Millionen Schweine schlachtet unter höchster Beanspruchung seiner Arbeiter-Innen.

Manch einer fragte sich: „Haben denn die Menschen in der Stadt und im Umfeld des Betriebes nichts von diesen Missständen bemerkt?“ Weiterlesen

Predigt vom 22.11.2020 Christkönig – Die Welt im Argen

2020-11-22._Christkönig

Die Welt liegt im Argen

Liebe Schwestern und Brüder,

Friedrich der Große, König von Preußen, genannt ‚der alte Fritz‘, fragt bei einer Schulinspektion einen Jungen: „Wo liegt Potsdam?“ – „In Preußen, Majestät!“ – „Und Preußen?“ – „In Deutschland, Majestät!“ -“Und Deutschland?“ – „In Europa, Majestät!“ – „Und Europa?“ – „In der Welt, Majestät!“ – „Und die Welt?“ – Der Junge stutzt einen Augenblick und sagt dann: „Die Welt, die Welt liegt im Argen!“ Weiterlesen

Predigt vom 25.10.2020 – Gottesliebe-Nächstenliebe

2020-10-25_30.So.i.J._ Gottesliebe-Nächstenliebe

Mt 22, 34-40

Liebe Schwestern und Brüder,

hören Sie diesen Text, den Sie in der Hand halten:

„Gottes Reich ist mitten unter uns?

Tatsache ist,

Dass die Kirche in der Gesellschaft nichts mehr zu sagen hat,

Dass unsere Gemeinden erst älter und dann kleiner werden.

Ich glaube nicht,

dass sich das Blatt noch wenden wird.

Die Wahrheit ist:

Die Kirche in Deutschland steht kurz vor dem Aus.

Ich weigere mich zu glauben,

dass ich als Mitglied meiner Kirche etwas tun kann.

Ich bin überzeugt,

man kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten.

Es wäre eine Lüge, würde ich sagen:

Gott kümmert sich um uns“ Weiterlesen

Predigt vom 18.10.2020 – Steuern zahlen

2020-10- 18-29._So._J. – Steuern zahlen

Mt 22.15-21

Liebe Schwestern und Brüder,

Einmal fuhr mir auf einem Parkplatz jemand eine Schramme in die Beifahrertür meines Autos. Der Verursacher hinterließ seinen Namen und die Adresse auf der Windschutzscheibe. Drei Tage später fuhr ich mir auf der anderen Seite selbst eine größere Schramme an meiner Garage. Als ich nach der Reparatur den Wagen wieder abholte, sagte der Werkstattleiter: Wir schreiben dann beide Schäden auf die Rechnung für den Mann, der den einen Schaden verursacht hat, dann bezahlt dessen Haftpflicht-Versicherung alles. Ich antwortete: „Das möchte ich aber  nicht.“ „Warum denn nicht?“, lautete die Gegenfrage. „Weil das nicht der Wahrheit entspricht,“ entgegnete ich.  Da schaute  mich der Werkstattleiter ganz verduzt an und sagte den denkwürdigen Satz: „Aber das machen doch alle so.“ Weiterlesen

Predigt vom 11.10.2020 – Selbstbestimmter Tod

2020-10-11-28. So. i.J.  – Selbstbestimmter Tod

Mt 22,1-14

Liebe Schwestern und Brüder,

Dieses Buch mit dem Titel „Gott“ von Ferdinand v. Schirach stürmt im Augenblick die Bestsellerlisten. Es stellt die Fragen: Wem gehört unser Leben und darf ich über meinen Tod selbst entscheiden? Ein alter Mann von 78 Jahren will nicht mehr weiter leben, nachdem er seine Frau verloren hat. Er verlangt nach einem Medikament, das ihn tötet. Eine Ethikkommission, bestehend aus Medizinern, Juristen, Pfarrern, Ethikern und Politikern diskutiert den Fall. Nachdem man in unserem Lande im Febr. 2020 das Strafrecht geändert hat und geschäftsmäßige Beihilfe zum Suicid nicht mehr unter Strafe steht, sind viele der Meinung: Mein Ende gehört mir. Umfragen weisen aus, dass 81 Prozent der Deutschen für aktive Sterbehilfe sind und meinen, Ärzte sollten schwerkranken Patienten beim Suicid helfen. Weiterlesen

Predigt vom 20.9.2020 – Bedürftig

2020-09-20- 25.- So.i.J. – Bedürftig

Mt 18, 21-35

Liebe Schwestern und Brüder,

in seinem Roman Schuld und Sühne, der in Russland des 19. Jahrhunderts spielt, hat der Dichter Dostojewskij das heutige Evangelium in folgende Geschichte übersetzt.

„In St. Petersburg“, so heißt es da, „lebte ein Mann namens Marmeldow, ein hoffnungsloser Trinker. Er hatte elf hungernde Kinder und seine Frau, Katharina Iwanowna, war bis auf den Tod  an Tuberkulose erkrankt. Die älteste Tochter, Sonja mit Namen, hatte den gelben Schein. Alle Dirnen im damaligen St. Petersburg hatten den gelben Schein. Für Sonja war Prostitution die einzige Möglichkeit, genügend Geld zu verdienen, um die Familie wenigstens vor dem Schlimmsten zu bewahren. Manchmal nahm ihr der Vater auch dieses Geld noch ab, um es zu vertrinken. Weiterlesen

Predigt vom 13.9.2020 – Leben im Einklang

2020-09-13-24.-So.J. – Leben im Einklang

Mt 18, 21-35

Liebe Schwestern und Brüder,

jeder von uns, der älter ist als 25 Jahre, weiß wahrscheinlich genau, was er gestern vor 19 Jahren ungefähr um diese Zeit gemacht hat.

Am 11. September 2001 waren insgesamt vier Flugzeuge von Terroristen überwältigt worden, zwei trafen das World Trade Center in New York, eins das Pentagon in Washington. Das war nach amerikanischer Zeit ca. 08.30 Uhr, nach unserer Zeit 14.30 Uhr. Was geschah mit dem vierten Flugzeug? Es sollte den Regierungssitz des Präsidenten in Washington, das Weiße Haus zerstören. Warum kam es nicht dazu? Weiterlesen