Predigt vom 24.03.2016 – Gründonnerstag

Predigt zu Gründonnerstag 2016-03-24 (Steinh.)
1 Kor11,23-26
Mitte suchen

Liebe Schwestern und Brüder,
um zu erklären, was der Sinn einer christlichen Gemeinschaft ist, kann man sich gut ein Speichenrad anschauen:
“Dieses Rad besteht aus Felge, Speichen und Nabe. Die Felge ist nur die außen haltende Mauer. Von ihr laufen die Speichen in der Mitte des Rades zusammen und werden von der Nabe gehalten. Die Speichen sind wir selbst, jeder einzelner dieser Gemeinschaft. Die Nabe ist Jesus Christus. Aus dieser Mitte leben wir. Sie hält uns alle zusammen.
Aber beachte: Je mehr sich die Speichen der Mitte nähern, desto näher kommen sie auch selbst zusammen. Im konkreten Leben heißt das: Wenn wir uns Jesus, der Mitte unserer Gemeinschaft nähern, dann kommen wir auch einander näher, erst dann können wir füreinander, miteinander und zueinander leben.”
Jede Gemeinde, jede Schule, jede politische Kommune, jede Partei, jeder Verein, alle brauchen sie einen innersten Punkt, der sie zusammenhält. Der jüdische Philosoph Martin Buber hat schon vor Jahrzehnten befürchtet, dass die Menschen fleißig dabei sind, den innersten Punkt ihres Lebens herauszureißen. Dann dreht sich das Rad immer weiter und weiter, aber der zentrale Halt fehlt.
Das Rad des Lebens dreht sich auch heute weiter, immer schneller, so schnell, dass man kaum noch mitkommt…

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Predigt vom 13.03.2016 – Misereor

Predigt zum 5. Fastensonntag 2016-03-13
MISEREOR
Am 5,24

Liebe Schwestern und Brüder,
stellen Sie sich vor, unser Vater im Himmel hätte auf seine Schöpfung ein Patent angemeldet. Er hätte also auf seine ersten Blumen und Tiere so etwas wie ein Urheberrecht erhoben. Jeder, der anpflanzt oder Tiere züchtet, müsste also ab sofort Lizenzgebühren an den lieben Gott bezahlen. Ich denke, unser so ersehntes Frühjahr könnte gar nicht stattfinden. Da würden keine Küken aus den Eiern schlüpfen, keine Rosen sich entfalten, keine Kälbchen auf die Welt kommen. Ganz schlecht sähe es aus mit den Osterhasen, und die Kinder suchten vergeblich nach Ostereiern. Alles viel zu teuer wegen der zahlreichen Patente, der Frühling ist unerschwinglich.
Was Gott sich nicht traute, das maßen sich im Zuge der Globalisierung heutzutage Großkonzerne an. Sie durchkämmen die Länder der Dritten Welt nach wertvollen Pflanzen, die Urwälder die Regenwälder nach den schönsten Bäumen und erheben darauf Patente. Der Multikonzern Pioneer hat das Monopol auf Saatgut an sich gerissen. Die Folge ist, dass Millionen von Kleinbauern keinen Reis und Mais mehr anbauen können, weil sie die Lizenzen für das Saatgut nicht bezahlen können. Die bischöfliche Fastenaktion MISEREOR deckt diesen Missstand auf.
Wem gehört die Erde? Gott erhebt kein Patent…

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Predigt vom 6.03.2016 – Ein mieses Blatt im Spiel des Lebens

Predigt zum 4. Fastensonntag 2016-03-06
Thema: Ein mieses Blatt im Spiel Lebens
Schriftstelle: Lk 15,1-3.11-24

Liebe Schwestern und Brüder,
„das Leben ist wie ein Kartenspiel, und ich habe ein ganz mieses Blatt bekommen.“
So sagte Luisa.
Luisa war eins von 15 Mio verlorenen Kindern in Südamerika. Sie lebte in Nova Iguazu, einer Stadt in Südbrasilien. Die Mutter war schon früh verstorben. Der Vater hatte sie weggeschickt. Sie landete auf der Straße, zum Abschuss und zur Prostitution freigegeben. Luisa bekam mit 14 Jahren ein Kind, Raffael. Luisa wurde geschlagen, gedemütigt von Zuhältern, Kriminellen, sogar von der Polizei.
Lisette Eicher, eine Krankenschwester aus Paderborn, die in Nova Iguazu ein Heim für aidsinfizierte Mädchen gegründet hatte, fand Luisa in der Gosse, ihr totes Kind in den Armen, sie selbst völlig am Ende.
Lisette brachte Luisa in die Terra Promissa, in das Gelobte Land. So heißt ihr Heim für verlorene Mädchen. Zum ersten Mal in ihrem Leben schlief Luisa im sauberen Bett mit weißen Kissen. Jetzt sagt sie, habe ich ein Trumpf-Ass gezogen. Auch wenn ich bald sterben muss wegen Aids, wenigstens sterbe ich in weißen Kissen.
„Das Leben ist wie ein Kartenspiel.“

Was haben Sie, liebe Mitchristen, „für ein Blatt bekommen im Spiel des Lebens“ ? …

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Predigt vom 28.02.2016 – Nie allein

Predigt zum 3. Fastensonntag 2016-02-28 zu Lk 23, 43 ff
Thema: Nie allein

Liebe Schwestern und Brüder,
Filippo war Schüler der vierten Klasse. Er wurde ein Leben lang gequält und gepiesackt. Sie drängten ihn an den Rand des Wahnsinns.
Sein ganzes Leben bestand aus einem einzigen Test; denn alles wurde ständig auf die Probe gestellt: seine Geduld, seine Nerven, seine Gefühle. Pausenlos hackten sie auf ihn rum. Die Schüler, die Lehrer, sogar der Schulleiter, alle schikanierten ihn, schmierten ihn an, machten ihn ständig fertig.
Eines Tages gab die Religionslehrerin, Frau Melchior, den Schülern den Auftrag, Kreuze zu malen. Ricardo, der Banknachbar von Filippo, sprang plötzlich auf und rief: „Ha, ha, ha, guckt euch mal den Filippo an. Der hat wieder nichts kapiert. Der malt doch tatsächlich ein Kreuz mit zwei Köpfen. So ein Schwachsinn.“
Frau Melchior schaute sich das Bild an und fragte Filippo: „Was hast Du dir denn dabei gedacht?“ Da sagte Filippo: “Genau wie ich.“ „Wer ist genau wie du?“ fragte Frau Melchior zurück. Der Jesus, genau wie ich! Genauso behandelt wie ich. Genauso rumgeschubst, angepöbelt, ausgeschimpft und angespuckt wie ich. Darum zwei Köpfe: Ein Kopf für Jesus, ein Kopf für mich.“ …

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Predigt vom 17.01.2016 – Familie

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis 2016
Schrifttext: Joh 2,1-11
Thema: Familie

Liebe Schwestern und Brüder,
Wenn Dein Kind dich morgen fragt, wozu ist der Glaube gut, was würden Sie antworten? Vielleicht denken Sie jetzt: Hoffentlich fragt mich mein Kind oder Enkelkind nicht. Oder Gott sei Dank, dass mich mein Kind nie danach gefragt hat. Ich hätte ganz schön auf dem Schlauch gestanden.
Wenn Dein Kind dich morgen fragt, wozu ist der Glaube gut, was würden Sie antworten? Ich würde diesem Kind antworten: Der Glaube ist da, damit Du in deiner Seele stark wirst. Wie aber wird ein Mensch in seiner Seele stark? …

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Predigt vom 10.01.2016 – Gott kämpft mit Dir

Predigt zum Fest der Taufe Christi, 10.01. 2016
Schrifttext: Lk 3, 15-16.21-22
Gott kämpft mit Dir

Liebe Schwestern und Brüder,
weil ich in Ghana mit verschiedenen Projektgruppen ein Buschhospital und Schulen unterstütze, bin ich einige Male in diesem westafrikanischen Land gewesen. Einmal haben wir auch die ehemalige Sklavenburg Elmina besichtigt, wo auch immer einige Touristen vorzufinden sind. Dort traf ich einen Jungen von vielleicht 12 Jahren, ein Straßenjunge, den seine Eltern verstoßen hatten, weil sie ihn in ihrer v Hütte nicht mehr ernähren konnten. Der Junge hatte Kronkorken von Cola-oder Fantaflaschen gesammelt und daraus solche Rasseln gefertigt, die er jetzt an die Touristen verkaufte. Ich habe ihm diese hier abgekauft. Zu meinem Erstaunen fand ich plötzlich fromme Sprüche auf dieser Rassel und Bibelstellen, z.B. Johannes 14, 6. Ich fragte den Jungen: Was steht denn da? Er antwortete: Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und dann steht da Exodus, also 2. Buch Mose:14,8. Da steht, sagte der Junge: „Gott kämpft mit mir.“ Woher hatte der Junge, der sich Obadja nannte, dieses Bibelwissen? In den wenigen Jahren, in denen er in die Schule gegangen war, hatte er mit der Bibel lesen gelernt, weil es kein anderes Buch gab.
Gott kämpft mit mir? Jetzt war sein Leben ein einziger Kampf …

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Predigt vom 3.01.2016 – Suche nach dem Menschen

Predigt zum 2. Sonntag nach Weihnachten 03.01.2016
Schrifttext Joh 1,1-14
Thema: Suche nach dem Menschen ist Suche nach Gott

Liebe Schwestern und Brüder,
der griechische Philosoph Diogenes pflegte im 4. Jhdt. V. Chr. bisweilen mit einer Laterne über den Markt von Athen zu gehen, leuchtete den Anwesenden ins Gesicht und sagte: „Ich suche Menschen.“ Man nannte diese Philosophen, die die Lehre von der Selbstgenügsamkeit vertraten, die Kyniker. Das kommt von griechischen Wort Kyon, Hund. Sie lebten buchstäblich wie die Hunde auf der Straße, Diogenes z.B. in einer Tonne. Weil die bürgerliche Schicht diese Lebensweise verächtlich fand, nannte man die Kyniker später die Zyniker, was mit dem ursprünglichen Anliegen dieser Philosophen nichts mehr zu tun hat, das hieß, nicht Reichtum, sondern Genügsamkeit macht glücklich.
Menschen, die mit ihrem Leben durch bestimmte Umstände auf den Hund gekommen sind, begegne ich manchmal auch. …

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