Predigt vom 6.6.2021 – Kirche am toten Punkt?

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Kirche am toten Punkt? Rücktritt Kardinal Marx

Liebe Schwestern und Brüder,
Die Kirche ist an einen toten Punkt gekommen. So hat Kardinal Marx gesagt, als er in Rom seinen Rücktritt eingereicht hat. Ich kenne Reinhard Marx noch von früher. Wir haben während des Studiums zeitweise auf dem gleichen Flur gewohnt. Später, als er Weihbischof in Paderborn war, haben wir im Vorstand des Priesterrats zusammengearbeitet. Theologisch war er damals immer ziemlich konservativ, aber trotzdem stets ein lebensfroher optimistischer Typ. Ein Standardspruch von ihm lautete: Die Kirche hat 2000 Jahre überstanden, sie übersteht auch diese Krise. Wenn der jetzt sagt, die Kirche sei an einem toten Punkt angelangt, und die Brocken hinwirft, dann ist es wirklich ernst. Weiterlesen

Predigt vom 28.3.2021 Palmsonntag – Eselspredigt

2021-03-28_Palmsonntag
Eselspredigt
Schrifttext Mk 11,1-10

Heute predigt der Esel:
„Gestatten, mein Name ist Esel. Ich gebe zu, mein Ruf ist nicht sehr gut. Ständig höre ich Sätze wie diese: Du bist vielleicht ein Esel! Was ist denn das jetzt wieder für eine Eselei. Warum bist Du nur so stur wie ein Esel. Du dummer Esel! Viele dieser Worte verletzen mich ganz schön.
Natürlich bin ich kein Pferd, das stolz seinen Kopf in den Nacken wirft. Ich schaue lieber bescheiden zur Erde. Ich bin auch kein Kamel, das würdig durch die Wüste schreitet. Ich mache nur ganz kleine Schritte, bin sehr anspruchlosl. Weiterlesen

Predigt vom 21.3.2021 – Es geht anders

2021-03-21-5._Fastensonntag_Misereor
Es geht anders!
Joh 12,20-33

Liebe Schwestern und Brüder,
im Jahre 1985 war ich Diözesanpräses der KLJB, der Landjugend. Mit einer Gruppe von vier Landjugendleuten besuchten wir damals Lateinamerika, die Länder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Bolivien, um Projekte für die Aktion Minibrot zu erkunden.

Einmal saßen wir zu zweit auf einer Bank in der südbrasilianischen Stadt Novo Iguazu und schrieben Tagebuch. Da kam ein völlig verdreckter Junge auf uns zu und wollte betteln. Ein paar Peso waren ihm nicht genug. Darum trat er, schrie, spuckte kratzte er uns so lange, bis meinem Freund die Hand ausrutschte und ihm so eine scheuerte, dass er im Graben landete und sich vom Acker machte. Aber wenige Minuten später kam er zurück als der freundlichste Mensch von der Welt. Er erzählte uns, dass er Alberto hieß, 12 Jahre alt und von zu Hause weggelaufen war und als Straßenjunge sein Leben fristete. Weiterlesen

Predigt vom 14.3.2021 – Bleib gesund

2021-03-14- 4._Fa._So.
Bleib gesund
Joh 3,14-21

Liebe Schwestern und Brüder,
der häufigste Satz, den Menschen in diesen Zeiten hören, lautet: „Bleib gesund!“ Das höchste Gut ist die Gesundheit!? Das ist Konsens bei den meisten Menschen.
Der Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz weist darauf hin, dass der Gesundheitskult in unserer Gesellschaft geradezu religiösen Status angenommen hat. Er schreibt, auch schon vor Corona sei der Wert der Gesundheit weitaus wichtiger gewesen als der der Religion. In seinem Buch Lebenslust bringt er dazu folgende Beispiele: Weiterlesen

Predigt vom 6.2.2021 – Gleichstellung der Frauen

2021-02-06_5._So._i._J. – Patronat der Frauengemeinschaft

Gleichstellung der Frauen im Sorgerecht der Familie

Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe meine Kinder- und Jugendzeit in den 50er und 60er Jahren mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof verbracht. Es gab bei uns zu Hause eine Frage, die stand in jeder Tür, die lief die Treppen rauf und runter, rannte über den Hof, schaute aus fast allen Fenstern. Jede und jeder von uns Geschwistern führte sie fast täglich im Mund. Drei Worte nur hatte diese Frage, aber für uns waren sie lebensnotwendig. Und diese allgegenwärtige Frage lautete: „Wo ist Mama?“ Wenn wir aus der Schule kamen und den Tornister in die Ecke warfen: „Wo ist Mama?“ Hatten wir uns gestritten und manchmal richtig gefetzt, dass die Tränen in die Augen stiegen, dann liefen wir nach Hause: „Wo ist Mama?“ Gab es eine gute Nachricht, freuten wir uns über eine besondere Leistung, gute Noten in der Schule, dann musste sie es zuerst erfahren: „Wo ist Mama?“ Weiterlesen

Impfe mich

Impfe mich, Gott

Impfe mich Gott mit dem Serum des Urvertrauens,

das meine Angst überwindet, alt zu werden,

allein da zu stehen und verlassen zu sein,

Impfe mich Gott mit dem Stoff des Selbstvertrauens,

damit ich meinen Aufgaben gewachsen bin

und sehe, wer mich braucht und wen ich brauche,

Impfe mich Gott mit Heiterkeit und Gelassenheit,

damit ich in Traurigkeit tröste und getröstet werde,

Impfe mich Gott mit Ehrfurcht vor dem Leben,

damit ich unsere Geschwister, die Tiere und Pflanzen achte,

Impfe mich Gott mit dem Atem der Liebe,

damit ich mich bergen kann im Spiel der Geschöpfe,

Impfe mich Gott mit Tapferkeit und Courage,

damit ich der Ausrottung der Lebensräume widerspreche,

Unrecht benenne und Wege der Wahrheit weise,

Impfe mich Gott mit dem Geist der Ewigkeit,

damit ich das Licht am Ende meines Daseins erkenne,

und deine Hand finde am anderen Ufer des Lebens.

Ullrich Auffenberg


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