Predigt vom 12.06.2016 – Vergebung

Predigt zum 11. So. im Jahreskreis 05.06. 2016
Lk 7, 36-8,3
Thema: Vergebung

Liebe Schwestern und Brüder,
Es ist Fußballeuropameisterschaft in Frankreich.
Meine Gedanken gehen zurück auf die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, keine rühmliche Weltmeisterschaft für die deutsche Mannschaft, die schon früh gegen Kroatien ausgeschieden war.
Geblieben ist von dieser Meisterschaft ein schlimmes Ereignis.
Nach dem Vorrundenspiel Deutschland – Jugoslawien kam es in Marseilles zu Ausschreitungen. Der Polizist Daniel Neville wurde von deutschen Hooligans zusammengeprügelt und so schwer verletzt, dass er monatelang im Koma lag.
Als Hauptverdächtiger wurde ein Schalke-Fan mit Vornamen Frank festgenommen, und später zu 5 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Urteil verliess ihn seine Frau. Im Mai 2001 lief im deutschen Fernsehen ein Bericht über Daniel Nivelle. Es wurde deutlich, dass der niemals wieder richtig laufen und sprechen kann. Er bleibt schwerst behindert und ist äußerst verbittert. Man fragte ihn, ob er verzeihen könne. Mühsam brachte er nur ein Wort heraus: “Niemals.“
Was soll der verurteilte Frank jetzt machen? …

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Predigt vom 5.6.2016 – Nutze die Zeit

Predigt zum 10. Sonntag im Jahreskreis 2016-06-05
Lk 7, 11-17
Thema: Nutze die Zeit

Liebe Schwestern und Brüder,
„Gott existiert. Er lebt in Brüssel.“ So heißt ein Film, der im letzten Jahr in unseren Kinos erschien.
In diesem Film ist der Almmächtige kein weiser Weltenlenker, sondern ein übellauniger Tyrann, der frustriert im Bademantel durch die Wohnung schlurft und seine Frau und Tochter Éa schlecht und despotisch behandelt. Er sitzt vor seinem Riesen-Welt-Computer und tüftelt mit diebischer Freude immer neue, fiese Gebote aus. Dass immer dann, wenn gerade einer in der Badewanne sitzt, das Telefon klingelt oder ein Marmeladenbrot, wenn es runter fällt, immer auf die Marmelade aufschlägt, sind noch die harmlosesten dieser Gebote. Nein dieser Gott hat auch Spaß daran, Züge aufeinander prallen, Autos verunglücken zu lassen, Erdbeben zu schicken oder Terroristen, die wild um sich schießen. Überall verbreitet er Angst und Schrecken.
Seine Tochter Éa will das nicht länger mit ansehen. Sie hackt sich in seinen Computer ein und öffnet die Datei mit den Sterbedaten aller Menschen. Per SMS schickt sie jedem Menschen sein Sterbedatum auf das Handy. Jeder weiß also jetzt genau, wie lange er noch zu leben hat. Einer erfährt, dass er nur noch 54 Tage, ein anderer noch 30 Jahre hat. Eine Ehefrau bekommt die Mitteilung, sie habe nur 3 ½ Jahre, während der Mann noch 36 Jahre leben darf. Die Frau ist äußerst erbost und zerknittert, als sie daraufhin in den Augen ihres Mannes ein süffisantes Lächeln entdeckt.
Liebe Mitchristen, was würden Sie tun, wenn sie erführen, wie lange sie noch leben dürften? …

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Predigt vom 29.5.2015

Predigt zum 9. Sonntag im Jahreskreis 2016-05-29
Text: Lk 7,1-10
Thema: Ich glaub an nix

Liebe Schwestern und Brüder,
In einem Forum des Katholikentags in Leipzig sagte einer der Teilnehmer: Ich glaub an nichts, mir fehlt auch nichts.
Wenn ohne Glaube nichts fehlt, dann frage ich mich, warum in mehr als 50 Ländern dieser Erde, Menschen sich für ihren christlichen Glauben schlagen, foltern, einsperren und sogar töten lassen. Nach einer Schätzung der Menschenrechtsorganisation open doors stehen zur Zeit über 100 Millionen Christen unter Verfolgungsdruck, vom Irak bis nach Ägypten, von China bis nach Myanmar. Open doors vermutet, dass es z.B. in Nordkorea 400.000 Christen gibt, von denen zur Zeit 75.000 im Gefängnis sitzen, weil sie an Gottesdiensten in irgendeiner Wohnung oder einem Kellerloch teilgenommen hatten und in der Regel von Nachbarn verraten wurden. Auf den Besitz einer Bibel steht dort die Todesstrafe. Trotzdem haben viele eine und verstecken sie. Warum riskieren sie ihr Leben, wenn doch ohne Bibel, ohne Glaube nichts fehlt? …

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Predigt vom 15.5.2016 – Pfingsten

Predigt zu Pfingsten 2016-05-15
Joh 7,37-39
Welcher Geist regiert mein Leben?

Liebe Schwestern und Brüder,
einmal hatte ich in einer Grundschule einen Kindergottesdienst zum Thema Gebet und Beten gestaltet. Da kam nach dem Gottesdienst ein 8-jähriger Junge zu mir und sagte: „Ich bete jeden Tag ganz feste zu Gott, dass der neue Freund von meiner Mama die Nelly nicht mehr so schlägt. Aber der liebe Gott hilft einfach nicht.“ Ich fragte: „Wer ist den Nelly?“ „Nelly ist doch mein Hund.“ Schoß die Antwort aus dem Jungen heraus.
Ich sagte: „Der liebe Gott kann nicht einfach bei euch in die Küche stürmen und dem Freund Deiner Mutter befehlen: Hör endlich auf damit. Er kann der Nelly nur durch dich helfen. Bitte ihn, dass er Dir ganz viel Mut gibt und Du dir ein Herz fassen kannst und zu Deiner Mutter gehst und ihr sagst, dass es dich ganz traurig macht, wenn die Nelly weiter so geschlagen wird.
Sechs Wochen später, beim nächsten Schulgottesdienst, kam der Junge wieder und strahlte: „Ich hab`s meiner Mutter gesagt. Und die hat dafür gesorgt, dass der die Nelly jetzt nicht mehr schlägt.“
Diese Kindererfahrung kann uns zeigen, wie der Hl. Geist wirkt. In der Lesung heißt es, alle sind ausgestattet mit den Gaben des Hl. Geistes. Dieser Junge hat in sich die Gabe des Mutes, der Stärke erfahren…

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Predigt vom 5.5.2016 – Christi Himmelfahrt

Predigt zu Christi Himmelfahrt 2016-05-05
Text: Lk 24,46-53
Der Kondor fliegt vorbei

Liebe Schwestern und Brüder!
(Eingespielt wird die Melodie von El Condor pasa)

Erkennen Sie die Melodie? Dies ist die Geschichte von Häuptling Tupac Amaru. Vor vierhundert Jahren lebte er im südamerikanischen Land Peru, und war Häuptling des großen Volkes der Inka. Die Spanier hatten diese Indianer getötet oder sie in die Silberbergwerke geschickt, wo sie starben wie die Fliegen, hunderttausende, vielleicht Millionen…
Häuptling Tupac Amaru wagte den Aufstand mit wenigen Getreuen. Aber er wurde von den Eroberern bestialisch gefoltert und getötet. Doch seine Seele verwandelte sich in einen Kondor, den großen weißen Seelenvogel, der der Sonne entgegenflog…Seitdem erzählen sich die Indianer Südamerikas: Die Weißen haben zwar unsere Väter, unsere Häuptlinge getötet, sie haben unsere ganze blühende Kultur vernichtet, aber die Seele unseres Volkes lebt weiter, und
immer, wenn ein großer weißer Vogel vorbeifliegt,

El Kondor pasa (das Lied El Condor Pasa wird eingespielt…)

dann wissen wir, „Unser Glaube wird nie untergehen“….
Wie sich doch manchmal die Religionen gleichen… Da erzählt die Geschichte dieses Feiertages, Jesus Christus habe sich in den Himmel erhoben, und was ließ er uns zurück, den Heiligen Geist, und der wird doch auch in Gestalt eines weißen Vogels dargestellt, nicht ganz so groß wie der Kondor, als weiße Taube. Will sagen, die Helden des Lebens haben sich nicht einfach aus dem Staub gemacht, el Kondor pasa, sie leben weiter, sie berühren mit ihren Idealen, ihren Glaubensüberzeugungen immer noch unser Leben, wenn sie selbst auch weit entfernt im Himmel sind.
Aber was ist das für ein Raum, wo die ausgewanderte Liebe ihren Leben niederlegt? Wohin ist Tupac Amaru, wohin ist Christus entschwunden? Wo sind sie alle geblieben, unsere Verstorben? …

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Predigt vom 1.5.2016 – Frieden hinterlasse ich Euch

Predigt zum 6. Ostersonntag 2016-05-01
Joh 14,23-29
Frieden hinterlasse ich euch

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist der 11.11.2011. Ein gerade vermähltes Paar kommt aus dem Standesamt. Ein Reporter tritt auf die Frau zu und fragt sie: „Warum war es für sie so wichtig, gerade heute, am 11.11.2011 zu heiraten?“ Da antwortete die Frau: „Als ich das erste Mal geheiratet habe, da war das am 9.9.1999. Ich fand das damals schon ganz lustig und kam deshalb darauf, bei meiner zweiten Ehe auch das Datum einer Schnapszahl zu wählen.
Manchmal scheint es mir, es gibt in unserer Gesellschaft so eine heimliche Norm, die lautet: Du musst immer lustig, spaßig, gut drauf sein. Bleib locker. Das ist das Gesetz der Zeit. „War ganz witzig“, das ist die höchste Form der Anerkennung bei Jugendlichen. Mama, jetzt entspann dich, werd doch mal locker, wirft die 15-jährige ihrer Mutter entgegen, als die sich aufregte, weil die Tochter die ganze Nacht nicht nach Hause gekommen war.
Was aber ist mit denen, die nicht locker bleiben können, die das Leben gar nicht lustig finden?
Was in den zwölf Jahren zwischen 1999 und 2011 in ihrem Leben geschehen ist, erzählt die Frau nicht. Wieviele Tränen mag sie vergossen haben, als sie merkte, dass ihre erste Ehe scheiterte. Darüber spricht man nicht. Hauptsache lustig, spaßig…. Wir amüsieren uns zu Tode, und das manchmal trotz allem.
Bettina Wegener singt in einem ihrer Lieder:
„Manchmal sagen mir die Leute
man darf sein Gefühl nicht zeigen
denn die andern wünschten heute
lächelndes Geschwätz und Schweigen.
Und wer dieses Spiel nicht spielt
wird daran zugrunde gehen
weil man auf die Schwächen zielt
dürfen andre sie nicht sehn.
„Cool“ ist eins der Lieblingsworte
Gut getarnt scheint halb gewonnen
Eisgesicht aus der Retorte
Produktion hat schon begonnen…“

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Predigt vom 24.04.2016 – Liebet einander

Predigt zum 5. Ostersonntag 2016-04-24 Liebet einander
Joh 13,34f

Liebe Schwestern und Brüder, …

Ist das so, hat die Welt einen bösen Hang? Klar fällt uns sofort ein: In Palmyra, Aleppo, in Bagdad, Eritrea, da, wo sie nicht nur wertvolle Kunstschätze und ganze Städte, sondern sogar tausendfach Menschenleben zerstören, da hat die Welt einen bösen Hang.
Aber macht sich so ein böser Hang auch in unserem privaten Leben bemerkbar? Gibt es so eine Ansteckung zum Negativen zwischen uns Menschen? Wer von uns könnte schon sagen, dass er nur gut ist? Wer müsste nicht auch zugeben, dass er sich sein Glück nicht auf Kosten anderer erkauft hat, dass bei aller Liebe nicht immer auch ein gutes Stück Egoismus im Spiel. Und der Satz lautet dann: das machen doch alle so. Und was alle machen, das muss richtig sein. Ist das so? …

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