Predigt vom 2.2.2023 – Mariä Lichtmess

2023-02-02 – Mariä Lichtmess

Rede des Simeon (gehalten mit verbundenen Augen)

Lk 2,22-40

Gestatten, Simeon mein  Name. Ich bin alt, unwahrscheinlich alt, hoch in die 85. Und ich kann euch sagen: Alt sein ist nichts für Feiglinge. Die Knie schmerzen, der Gang müde und schleppend. So lange Jahre gehe ich schon in diesem Tempel ein und aus. Aber ich verliere langsam meine Sinne. Und was noch schlimmer ist: Den Sinn meines Lebens. Was soll ich noch auf dieser Welt?  Ich kann kaum noch hören, die wesentlichen Töne nicht mehr unterscheiden vom dummen Geschwätz. Und meine Augen sind blind geworden. Ich kann nicht mehr sehen… Weiterlesen

Predigt vom 29.1.2023 – Seligpreisungen

2023-01-29-4.So.i.J.

Seligpreisungen

Mt 5, 1-12a

Liebe Schwestern und Brüder,

die Worte der Seligpreisungen sind wie ein fein geschliffener Diamant inmitten des Neuen Testaments. Was für das Alte Testament die Exodus Geschichte ist, also die Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus, dem Konzentrationslager Ägypten, sind diese Worte der Bergpredigt für das Christentum heute, eine Erlösung, eine Befreiung aus Angst, Menschenfurcht, Abhängigkeit an die eigenen inneren Zwänge. Weiterlesen

Auf-Atmen

Die trostbedürftige Seele gleicht einer ausgetrockneten Landschaft in den Dürresommern der letzten Jahre. Beide haben sie den Kontakt zum Grund ihres Lebens verloren.
Als Grundwasser unserer Seele können Tränen wie eine neu sprudelnde Quelle sein. Sie sind neben unserer Sprache der Beginn des Trostes, der zu uns kommt, wenn wir es wagen, der Traurigkeit oder dem Schrecken ins Auge zu schauen, Ängste und Trauer sprechen und „fließen“ zu lassen.

Ullrich Auffenberg erzählt von Verlusten, die Trauer und Trostbedürftigkeit auslösten. Es geht um Abschiede von lieben und wertvollen Menschen durch die Endgültigkeitdes Todes, aber auch um das Verlassenwerden von lebenden Menschen durch Erfahrungen tiefgehender Enttäuschung und Kränkung. Auch Brüche im  Lebensentwurf, das Verfehlen von Zielen oder verlorene Visionen sind Thema dieses Buches.

Erschienen am 16.08.2023

Meditationsseminar auf der HEGGE

Der geerdete Himmel – Tage der Meditation vom 17. bis 21. Mai 2023

„Halt an, wo läufst Du hin,
der Himmel ist in dir,

suchst Du ihn anderswo,

du fehlst ihn für und für.“

Angelus Silesius

Die Rede von der Himmelfahrt Christi meint keinen Raketenstart in die Wolken,
sondern bedeutet: Gott hat Platz im Menschen, und der Mensch hat Platz in Gott.

(J. Ratzinger) Um Gott zu begegnen, müssen wir ihm also nur bis zu uns selbst
entgegengehen.

Meditation ist ein Weg, auf dem wir uns ihm und damit uns selbst nähern können.
Durch meditative Präsenz ist es möglich, Ruhe zu finden, den Stresspegel zu
senken, die Ängste und das ständige Kopfkino zu beruhigen.

Beginnend mit dem Himmelfahrtstag laden wir Sie ein, „das Himmelsauge zu öffnen“
durch verschiedene Formen der Meditation.
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Predigt vom 22.1.2023 – Todsünden der zivilen Menschheit

2023-01-22-3._So._i._J.- Mt 4, 12-17

Thema: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit

Liebe Schwestern und Brüder,

Wir begehen in diesem Neuen Jahr ein nachdenkliches Jubiläum. Vor 50 Jahren, im Jahre 1973, war ich noch im Studium. Wir Studenten waren damals wie vom Donner gerührt, als der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz sein Werk: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit, veröffentlichte. Darin präsentiert er Forschungsergebnisse, die Vorgänge untersuchen, die seiner Meinung nach zur Dehumanisierung der Menschheit und zur Verwüstung des Planeten Erde führen.

Als solche Todsünden nennt er die Überbevölkerung, die Verwüstung des Lebensraums, die Indoktrination durch die Werbung, die Medien oder Autokraten, den genetischen Verfall, den Wärmetod des Gefühls, das Abreißen der Tradition, den Wettlauf des Menschen mit sich selbst, die nukleare atomare Vernichtungsindustrie.

Es war uns damals, als käme Mose mit den zehn Geboten erneut vom Sinai und riefe in das Volk hinein: Hört endlich auf mit eurem Tanz um das goldene Kalb, mit diesem grenzenlosen Wirtschaftswachstum und dem sich ständig steigernden Konsumrauch. Kehrt endlich um, sagt Jesus im heutigen Evangelium, das Himmelreich ist nahe. Das heißt doch: Es reicht, Neuorientierung ist nötig. Weiterlesen

Predigt vom 24.12.2022 Heilig Abend

Jenseits von Betlehem

Liebe Schwestern und Brüder,

Jenseits von Betlehem, so überschreibt eine führende europäische Wochenzeitung ihre Adventsausgabe 2022, die Neue Züricher Zeitung.

2000 Jahre lang sind die Sinnantworten in unserem Teil der Welt von der Menschwerdung von Betlehem ausgegangen. Heute verblassen sie, weil die Christen jährlich weniger werden. In Deutschland machen sie nicht mal  50 % aus und die Austritts-Zahl steigt in diesem Jahr wohl dramatisch. Und auch diese 50 % leben jenseits von Betlehem, sind weitgehend säkularisiert. Prognosen sagen, dass in 20 Jahren eine neue Glaubens-Inbrunst auch in den katholischen Ländern die Führung übernehmen wird, der Islam.

Wo bleiben wir dann mit unseren existentiellen Fragen, die da lauten: Wozu das ganze Leben? Woher kommen wir als Menschen? Wer will, dass wir leben? Wohin gehen wir, wenn wir sterben? In meiner Kindheit waren die  Antworten noch sonnenklar. Vom Himmel hoch, da komm ich her und dahin kehre ich eines Tages  zurück. Und dazwischen habe ich auf dieser Erde den Willen Gottes zu tun.

Und heute? Da scheint der Himmel verschlossen. Vom Himmel hoch, da kommt nichts mehr. Ein Wort Gottes scheint die Menschen kaum noch zu erreichen, wie es in der Samuelgeschichte heißt. Weiterlesen

Predigt vom 18.09.2022 – Kreuzerhöhung

2022-09-18-Kreuzerhöhung

Predigt zum Fest Kreuzerhöhung Klus Eddesen bei Borgholz

Berg der Kreuze in Litauen – Joh, 3,13-17

Liebe Schwestern und Brüder,

dass man die Sehnsucht nach Himmel, Horizont, Weite, nach Ewigkeit und Gott nicht einfach wegbaggern, wegbulldozern oder mit der Artillerie wegschießen kann, dafür steht der sog. Berg der Kreuze in Litauen, ein Hügel mit Tausenden und Abertausenden von Kreuzen. Wahrscheinlich schon im 19. Jahrhundert hatten in den polnisch-baltisch-russischen Kriegen Menschen, die nicht wussten, wo die Gräber ihrer gefallenen Angehörigen waren, auf einem bestimmten Hügel für sie Gedächtnis-kreuze aufgestellt. Große Bedeutung erfuhr dieser Berg der Kreuze während der Sowjetzeit, als Stalin von 1945 bis 1953 über 100.000 litauische Bürger in Straflager nach Sibirien deportieren ließ. Als nach der Stalinzeit, überlebende Häftlinge zurückkamen, stellten sie für ihre Kameraden, die nicht überlebt hatten, auf dem Berg der Kreuze Gedenkkreuze auf. Viele andere litauische Bürger schlossen sich mit eigenen Gedenkkreuzen an, so dass da plötzlich der ganze Hügel von Kreuzen übersät war. Weiterlesen