Predigt vom 8.10.2017 – Ican Friedensnobelpreis

2017-10-08_27_ So._im J._Predigt
Mt 21,33-44
Ican – Friedensnobelpreis

Liebe Schwestern und Brüder

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr an ICAN gegangen, an die
„Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen“.
Diese Organisation weist leidenschaftlich darauf hin, dass nicht nur
Nordkorea atomar aufrüstet. In den anderen acht Atomstaaten wie den
USA, Russland oder China werden die Atomprogramme im großen Stil
modernisiert. Hochrangige Politiker, darunter Wolfgang Schäuble,
warnen davor, dass es unter diesen Bedingungen nur eine Frage der
Zeit sei, bis die nächste Atombombe in irgendeine Großstadt der Welt
fällt.

Was hat das alles mit unserem christlichen Glauben und dem heutigen
Evangelium zu tun? Weiterlesen

Predigt vom 10.09.2017 – Menschen am Rande

2017-09-10_23.So.i._J. Predigt Menschen am Rande Mt 18, 15-20

Liebe Schwestern und Brüder,

in dem ziemlich durchwachsenen Sommer dieses Jahres war Mittwoch, der 23. August, ein ausgesprochen schöner sonniger Tag. Ich war an diesem Tag eingeladen in eine mittelgroße Stadt am Rande des Ruhrgebiets.

Dort gibt es im Zentrum eine große Freitreppe, auf der sich regelmäßig Menschen am Rande aufhalten: Nichtsesshafte, Drogensüchtige, Alkoholabhängige, viele Obdachlose. Sie leben auf dieser Treppe, manche schlafen da, sie essen da, trinken, und trinken und trinken da, sie streiten da, und manchmal haut einer dem anderen eine Bierflasche auf den Kopf.

Uwe, der Streetworker und Sozialarbeiter, der sich um diese Menschen kümmert, wollte, dass wir dort einen Gottesdienst halten. Warum?

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Predigt vom 13.8.2017 – Gesegnet statt erfolgreich

2017-08-13
19. Sonntag im Jahreskreis
Gesegnet statt erfolgreich
Zu Mt 14,23-33

Liebe Schwestern und Brüder,

angesprochen hat mich in dieser Woche ein Gebet, in dem es heißt:
„Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen überlasse ich Dir, Gott, ich
brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein, wenn ich nur ein gesegneter
Mensch bin.“ (Jörg Zink)

Kennen Sie das, liebe Mitchristen, die Furcht zu versagen? Kürzlich erzählte mir Sebastian, ein Mann von inzwischen Mitte 40, seine Lebensgeschichte. Die Eltern hatten den Anspruch,
wenigstens er sollte das Gymnasium besuchen, Abitur machen, dann nach Möglichkeit studieren und einen akademischen Beruf mit gutem Einkommen ergreifen.

Aber Sebastian fühlte sich nicht wohl auf dem Gymnasium. Die Eltern waren enttäuscht. Sebastian empfand sich deshalb als Schwächling. Je mehr dieses zermürbende Gefühl des Versagens an ihm nagte, desto schlechter wurden seine Leistungen. Er landete schließlich auf der Hauptschule und schaffte mit Ach und Krach den Abschluss, der ihm
eine Gärtnerlehre ermöglichte.
Als Gärtner fühlt sich Sebastian jetzt pudelwohl. Er ist eben kein Typ für die Schulbank, sondern einer zum Anpacken.
Sebastian hat sein Leben gefunden, aber das Gefühl, in den Augen seiner Eltern nicht gut genug gewesen zu sein, hat ihn nie verlassen.

„Ich brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein, wenn ich nur ein gesegneter Mensch bin.“ Segen heißt im Lateinischen: Benedicere; wörtlich übersetzt bedeutet das „Gut sprechen.“

Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder heute „Gut sprechen“, dass sie ihnen das Gefühl geben: Du bist o.k. so wie Du bist.

Ich gebe Dir meinen Segen zu deinem Leben. Du musst mir keine großen Leistungsnachweise bringen, damit ich dich mag. Ich liebe dich schon aus dem einzigen Grund, weil Du in meine Familie hinein geboren bist….

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Predigt vom 9.7.2017 – Wer regiert

2017-07-09 – 16. So im Jahreskreis – Mt 11,25-30

Wer regiert ?

 Liebe Schwestern und Brüder,

Jetzt ist wieder G20-Gipfel. Nach dem letzten Gipfel in Chin, 2016, als Obama noch dabei war, erzählte man sich folgende Anekdote:
„Am Schluss des Gipfels bittet der liebe Gott Angela Merkel, Barak Obama und den chinesischen Generalsekretär Xi Jinping zu sich und eröffnet ihnen: „Ist ja alles schön und gut, was Ihr da auf Eurem Gipfel verhandelt habt, aber ich muss Euch leider mitteilen, schon morgen geht die Welt unter. Bitte teilen Sie das Ihren Völkern zu Hause mit.“

Xi Jinping tritt vor seine kommunistischen Kader und sagt: “ Also ich habe zwei schlechte Nachrichten für euch. Die eine, es gibt Gott wirklich und die andere, schon morgen lässt er die Welt untergehen.“

Obama stellt sich vor die Amerikaner und sagt: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch“: Die gute: Gott existiert wirklich und die andere, leider lässt er schon morgen die Welt untergehen.“

Angela Merkel tritt im Deutschen Fernsehen auf und erläutert: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Ich habe zwei gute Botschaften für Euch: die erste heißt „Es gibt Gott tatsächlich, und die zweite lautet: Ich regiere euch bis an das Ende der Welt.“

Wer regiert die Welt? Das ist die große Frage beim G-20-Gipfel. Oder soll ich besser sagen: Welche Lebenseinstellung regiert die Welt? …

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Predigt vom 25.6.2017 – Gelobte Prozession

2017-06-25 – 12. Sonntag im Jahreskreis
Mt 10, 26 – 33
Gelobte Prozession


Liebe Schwestern und Brüder,

vor 113 Jahren, 1904, ging auf Siddinghausen ein schweres
Hagelunwetter hernieder, das fast die gesamte Ernte vernichtete. Da
nahezu noch die ganze Bevölkerung von der Landwirtschaft abhing,
führte das zu einer großen Not. Aufgrund dieser Not und um künftige
Katastrophen zu vermeiden, versprach man deshalb, die schon
wahrscheinlich seit mindestens 1677 bestehende Hagelprozession
jährlich als Gelobte, als versprochene Prozession zu gehen. Sind wir
heute, fast 5 Generationen danach, noch an solche Versprechen
gebunden? Not müssen wir nicht befürchten. Heute gibt es
Hagelversicherungen und andere Vorsorgeprogramme.
Also sind gelobte Prozessionen heute überflüssig?
Oder könnte ein solches Versprechen einen neuen Sinn bekommen, als
Demonstration für die Umwelt, die Schöpfung? …

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Predigt vom 11.6.2017 – Dreifaltigkeitssonntag

2017-06-11 Dreifaltigkeitssonntag
Schrifttext Joh 3,16-18
Niemand soll zugrunde gehen

Liebe Schwestern und Brüder,

das Geheimnis Gottes ist, dass er keinen Menschen, der zu ihm kommt, zu Grunde gehen lässt. So behauptet das Evangelium dieses Sonntags.

Kennen Sie Menschen, deren Leben schon in jungen Jahren am Boden liegt, ein Leben, das vor die Hunde ging, Menschen, die sich auf dem Abstellgleis ihrer Lebensgeschichte befinden? Kann ein solcher Mensch durch den Glauben an Gott gerettet werden, oder ist das reine Spinnerei, was die Bibel da berichtet?

Bei einer Selbsthilfegruppe von anonymen Alkoholikern traf ich vor einigen Wochen einen Menschen, der viele Jahre alkohol- und drogenabhängig war und insgesamt sieben Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hatte. Er war ein wüster Schläger und hatte einige Menschen schwer verletzt. Im Gefängnis gab es auch einen Gefängnis-pfarrer. Immer wenn der ihn besuchte oder ihm auf dem Gang begegnete, hatte er nur diese Frage an ihn: Haste mal `ne Zigarette, einen Joint oder ein paar Euro für Schnaps. Irgendwann sagte der Pfarrer zu ihm: Der Mensch lebt nicht allein vom Brot, nicht allein von der Kippe, vom Alkohol, vom Rausch, der Mensch lebt auch hiervon. Und gab ihm eine Bibel in die Hand. Der Knastbewohner hatte die Bibel wochenlang auf seinem Tisch in der Zelle liegen, ohne sie anzurühren. Weil es aber im Gefängnis unendlich langweilig sein kann, schaute er irgendwann in die Bibel hinein und las darin. Er stieß auf die Geschichte vom verlorenen Sohn, der das gesamte Erbe seines Vaters im Rotlicht-milieu, im Saus und Braus der Großstadt verschleudert hatte und am Ende armselig zum Vater zurückkehrt.
Der Vater macht ihm nicht einen Vorwurf, sondern nimmt ihn einfach in seine Arme. Beim nächsten Besuch des Pfarrers fragt der Knastbewohner ihn:

Können Sie mir mal erklären, was diese Geschichte soll? …

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Predigt vom 25.5.2017 Christi Himmelfahrt

2017-05-25_Christi_Himmelfahrt
Mt 28,16-20
Von Kranichen lernen

Liebe Schwestern und Brüder,
zu Christi-Himmelfahrt können uns Lebewesen, die sich ständig zwischen Himmel und Erde bewegen, einiges für unser Leben und unseren Glauben sagen, z.B. durch folgendes Gedicht:

„Die Kraniche fliegen im Keil, so trotzen sie
besser den Winden, so teilen sie besser die
Kräfte, weil die Stärkeren fliegen im vorderen
Teil, und die Schwachen, die fliegen hinten.
Und kommen die Kraniche an am Ziel ihrer
Reise, dann haben die Stärkeren größere
Arbeit getan und loben die Schwächeren
hinten an, die doch auch ihr Bestes gaben.
Dann essen die Kraniche Fisch, soviel wie
die Mägen verlangen. Die Starken haben
nicht mehr für den Tisch als die Schwachen
vom guten, silbernen Fisch in den Teichen
am Ziel sich gefangen.
Laßt uns wie Kraniche sein, daß wir unser
Möglichstes geben: Die Starken in Groß und
die Schwachen in Klein und trinken am
Abend den gleich teuren Wein auf ein noch
viel besseres Leben.

Wie fliegen die Kraniche? Im Keil, im Formationsflug; der eine schützt den anderen. Aber die Schwachen dürfen immer im Windschutz hinten fliegen und bekommen genauso viel Essen wie die Starken. Kraniche leben uns vor, was eine Solidargemeinschaft ist.
Woher aber wissen die Kraniche, wo sie hin wollen? Ein inneres Navigationsinstrument lässt sie über mehr als 5000 Kilometer das Ziel im Süden finden; das ist besser als es vor 90 Jahren Charles Lindbergh bei seinem Transatlantikflug vermochte.
Christliches Abendland ist von Jesus Christus als eine Kranich-, als eine Solidargemeinschaft gedacht. Da schützen die Starken die Schwachen. Das ist eingeflossen in unsere sozialen Sicherungssysteme, in das Grundgesetz. …

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