Predigt vom 07.07.2018 Insektensterben

2018-07-07_14. So.i.J._Heimathaus in Siddinghausen

Schrifttext Mt 6,24 ff

Insektensterben

Liebe Schwestern und Brüder,

der große Dalai Lama hat folgenden denkwürdigen Satz geprägt: „Wenn Du denkst, Du wärest zu klein oder zu schwach, um etwas zu bewirken, dann versuch mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum herumschwirrt.“ Das kennen wir alle, die Mücke im Schlafzimmer. Aber der Dalei Lama meint: Alles ist wichtig. Auch der kleinste Mensch kann Großes bewirken, und die winzigsten Lebewesen tragen zum Gesamthaushalt der Schöpfung bei. Was wären wir ohne den Fleiß der Ameisen, der Würmer, die unentwegt Humus produzieren. Was wären die Vögel ohne die Mücken, die großen Pflanzen ohne die Kleinen. Die Erde braucht nicht nur wunderbare Orchideen, sondern auch Gänseblümchen. Und das Kleine hat oft die größte Widerstandskraft, kämpft am zähestens ums Überleben. Erich Kästner hat schon gefragt: „Wer widersteht den donnernden Zügen, wenn sie heranrauschen. Es sind die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen.“

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Predigt vom 17.06.2018 Rede am Ehrenmal

2018-06-17_Rede_am Ehrenmal_zum Schützenfest

 Fragt uns, wir sind die letzten, wir sind zu ständig

vor hundert Jahren ging der erste Weltkrieg zu Ende, vor 73 der 2. Weltkrieg. Die letzte Generation, die das Grauen noch persönlich miterlebt hat, ist hoch betagt und stirbt langsam aus. Sie fordert uns auf:

Fragt uns, wir sind die letzten, wir sind zuständig

wir tragen die Todesschreie unserer Freunde in uns,

sie haben sich eingebrannt in unser Gehirn,

und wandern durch unsere Albträume

in jenen endlos schlaflosen Nächten. Weiterlesen

Predigt vom 15.06.2018 Schützenfest

2018-06-17_11. So.im J.

Schrifttext Mk 4,26-43

Schützenfest

Liebe Schützenbrüder, liebe Schwestern und Brüder,

es geschah am letzten Samstag, 20. Mai 2018 in einem Vorort von Paris. Im vierten Stock eines Hochhauses war ein vierjähriges Kind über das Geländer eines Balkons geklettert und hing lebensgefährlich an diesem Geländer in der Luft. Ein Nachbar, durch eine Trennwand behindert, konnte das Kind nicht hochziehen. Da kletterte plötzlich ein 22-jähriger Flüchtling aus Mali in Westafrika  in Windeseile die Fassade Stockwerk um Stockwerk empor, um das Kind zu retten. Oben angekommen schnappte er sich das Kind und brachte es in Sicherheit.

Als man ihn später fragte, wie er denn auf die Idee gekommen sei, so schnell und so riskant zu reagieren, da antwortete er: „Ich weiß auch nicht, ich mußte es einfach tun. Beim dritten Stockwerk merkte ich plötzlich, wie gefährlich das war. Aber da wollte ich nicht mehr zurück.“ Weiterlesen

Predigt vom 06.05.2018 Ostersonntag

2018-05-06_6._Ostersonntag

Bayrischer Kreuzeserlass

Evangelium: Joh 15, 9-17

Liebe Schwestern und Brüder,

Durch den Erlass der bayrischen Staatsregierung, in allen öffentlichen Gebäuden, Kreuze aufzuhängen, ist das Kreuz als christliches Symbol wieder sehr in die Diskussion gekommen. Das Kreuz, so wird argumentiert, sei Bestandteil der christlich abendländischen Kultur. Aber Jesus, auf den doch das Kreuz zurückgeht, war kein Mensch des Abendlands, sondern des Morgenlands. Er war Orientale, Jude. Und für die Kultur ist er nicht so grausam am Kreuz gestorben, sondern für jeden von uns persönlich, um uns die Angst zu nehmen vor Schuld, Leid und Tod.

Das Kreuz ist aber nicht nur das Leidenssymbol Christi, sondern auch das der absoluten Liebe, Weiterlesen

Predigt vom 8.04.2018 – Erstkommunion

2018-04-08 Erstkommunion : Gott Smartphone

Liebe Erstkommunionkinder, liebe Familien, liebe Schwestern und Brüder,

Vier Jugendliche einer Konfirmandenfreizeit, Anna, Felicitas, Fabienne, Lara,  haben ein altes Gebet aus der Bibel umgeschrieben und nennen es „Gott Smartphone“

 Smartphone, du bist mein Gott,  du bist bei mir, du kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe, ich trag dich bei mir.

Selbst von fern erkennst Du meine Gedanken.

Ob ich wache oder schlafe, es ist dir bekannt,

dir sind vertraut all meine Beziehungen.

Noch liegt die Nachricht ungeschrieben vor mir,

du kennst sie bereits. Weiterlesen

Predigt vom 29.3.2018 – Gründonnerstag

2018-03-29 Gründonnerstag – Joh 13, 1-5

Die Schürze

Liebe Schwestern und Brüder,

ich kannte meine Mutter kaum ohne Schürze. Früher trugen die Hausfrauen immer Schürzen. Die Schürze war Ausweisschild einer tüchtigen Hausfrau.  Die jungen Frauen tun das heute nicht mehr. Manche finden Schürzen sogar peinlich. Eine junge Frau erzählte mir, dass sie sich  doch einmal eine Schürze umgebunden hätte. Prompt habe sie da von ihrer pubertierenden Tochter den Spruch bekommen: „Mama, Du siehst ja aus wie eine Hausfrau.“ Hausfrau sein, das wollte sie nicht. Sie war doch schließlich Sekretärin. Weiterlesen