Predigt vom 20.9.2020 – Bedürftig

2020-09-20- 25.- So.i.J. – Bedürftig

Mt 18, 21-35

Liebe Schwestern und Brüder,

in seinem Roman Schuld und Sühne, der in Russland des 19. Jahrhunderts spielt, hat der Dichter Dostojewskij das heutige Evangelium in folgende Geschichte übersetzt.

„In St. Petersburg“, so heißt es da, „lebte ein Mann namens Marmeldow, ein hoffnungsloser Trinker. Er hatte elf hungernde Kinder und seine Frau, Katharina Iwanowna, war bis auf den Tod  an Tuberkulose erkrankt. Die älteste Tochter, Sonja mit Namen, hatte den gelben Schein. Alle Dirnen im damaligen St. Petersburg hatten den gelben Schein. Für Sonja war Prostitution die einzige Möglichkeit, genügend Geld zu verdienen, um die Familie wenigstens vor dem Schlimmsten zu bewahren. Manchmal nahm ihr der Vater auch dieses Geld noch ab, um es zu vertrinken. Weiterlesen

Predigt vom 13.9.2020 – Leben im Einklang

2020-09-13-24.-So.J. – Leben im Einklang

Mt 18, 21-35

Liebe Schwestern und Brüder,

jeder von uns, der älter ist als 25 Jahre, weiß wahrscheinlich genau, was er gestern vor 19 Jahren ungefähr um diese Zeit gemacht hat.

Am 11. September 2001 waren insgesamt vier Flugzeuge von Terroristen überwältigt worden, zwei trafen das World Trade Center in New York, eins das Pentagon in Washington. Das war nach amerikanischer Zeit ca. 08.30 Uhr, nach unserer Zeit 14.30 Uhr. Was geschah mit dem vierten Flugzeug? Es sollte den Regierungssitz des Präsidenten in Washington, das Weiße Haus zerstören. Warum kam es nicht dazu? Weiterlesen

Predigt vom 23.8.2020 – Jesus für Dich

2020-08-23_21._So._i._J.

Jesus für dich

Mt 16,13-20

Liebe Schwestern und Brüder,

stellen Sie sich vor, Jesus käme in diese Kirche, würde sich in den Mittelgang stellen und Sie fragen: Wer bin ich? Wer bin ich für dich ganz persönlich?

Wenn ich in den Seminaren, die ich ab und zu im Bergkloster Bestwig leite, diese Frage stelle, dann ernte ich oft Schweigen. Anders ist das, wenn ich frage: Wer ist Kirche für Sie? Dann bekomme ich jede Menge Antworten, die aber in der Regel fast alle negativ gefärbt sind. Weiterlesen

Predigt vom 9.8.2020 – Was trägt im Leben

2020_08_09_19._So._i._J.

Was-trägt-im-Leben

Mt 14,22-33

Liebe Schwestern und Brüder,

können Menschen übers Wasser gehen, wie Petrus?  Eine Schriftstellerin sagt: Dies sei eine Symbolgeschichte.  Manche Menschen müssen über ein Meer von Schmerz und Leid gehen. Und viele drohen in den Abgründen des Lebens  zu versinken.  Manchmal sehen wir Bilder von solchen Abgründen wie jetzt aus Beirut im Libanon oder von den Gedenktagen dieser Woche, am 6. August 75 Jahre Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima, oder am 9. August auf Nagasaki. Symbol für diese Gedenktage ist in Japan der Kranich. Weiterlesen

Predigt vom 2.8.2020 Ergriffen sein

2020_08_02_18._So._i._J.

Ergriffen sein von Gott

Mt 14,13-21

Liebe Schwestern und Brüder,

Vor fast genau 76 Jahren, am 31. Juli 1944, wurde durch einen deutschen Piloten in einem  Düsenjäger der französische Fliegerdichter Antoine de Saint Exupèry vom Himmel geholt, gestorben mit 44 Jahren. Exupery hat das nach der Bibel meist gedruckte Buch der Literaturgeschichte geschrieben, das Buch vom „Kleinen Prinzen“. Die  zentrale Botschaft dieses Buches: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ In seinen anderen Büchern wie „Wind, Sand und Sterne“ oder die „Stadt in der Wüste“ kommt ein großes religiöses Ringen zum Ausdruck. Weiterlesen

Predigt vom 28.06.2020 – Kreuzigung der Schöpfung

2020-06-28-13._So._i._J.

Kreuzigung der Schöpfung

Liebe Schwestern und Brüder,

jeder Freitag ist nach unserem christlichen Glauben ein kleiner Bruder des Karfreitags und jeder Sonntag ein kleiner Bruder des Ostersonntags.

Theologen sagen, dass es heute einen permanenten Karfreitag gibt in dreifacher Hinsicht: Einen Karfreitag der Tiere, einen Karfreitag der Menschen, einen Karfreitag der Pflanzen.

Der Karfreitag der Tiere: Als Kind habe ich einmal gesehen, wie ein Pferdegespann eine schwere Holzfuhre aus dem Wald ziehen musste. Weiterlesen

Predigt vom 21.6.2020 – Patronats- und Schützenfest

2020-06-21_ Patronats-_ und_ Schützenfest

Stützmauern

Schrifttext: Mt 5, 22 ff

Liebe Schwestern und Brüder,

Siddinghausen ist an einen Hang gebaut. Das hat zur Folge, dass man an vielen Stellen Stützmauern braucht, um die Gebäude zu schützen vor Erdrutschen. In Siddinghausen dienen die Mauern also nicht der Abgrenzung – wie sie dem derzeitigen Präsidenten der USA immer wieder vorschwebt, sondern dem Schutz und der Stützung. So auch die Mauer im Norden der Kirche. Es hat mich sehr beeindruckt, wie liebevoll in den letzten Monaten Steinmetzarbeiter und Arbeiterinnen die Mauer wieder aufgebaut haben, allen voran Schiea, der gebürtig aus Syrien stammt. Gestern war Weltflüchtlingstag. Das muss man sich mal vorstellen, da kommt jemand aus den Trümmern eines Bürgerkriegslandes und baut hier die Kirchenmauer auf. Weiterlesen