Predigt vom 4.6.2023 – Dreifaltigkeit

2023-06-04

Dreifaltigkeit

Joh 3,16-18

Sind der Löffel drei, hat doch jeder zwei.  Selbst Gott ist in sich nicht einsam, er ist Beziehungsgeschehen. Er kann ohne den anderen nicht sein. Unser Glaube behauptet sogar: Gott kann ohne den Menschen nicht sein.  Er will nicht, dass jemand zugrunde geht, er will, dass die Menschen gerettet werden, heißt es im heutigen Evangelium.

Aber stimmt das? Kümmert sich Gott um uns Menschen?

Was sagen Sie den Leuten, Herr Pastor, wenn ein Kind stirbt, fragte mich neulich etwas provozierend eine junge Frau. Ich kann mir Gott nicht als einen Marionettenspieler vorstellen, der irgendwo da oben die Fäden zieht und nach Gutdünken die Puppen tanzen lässt, der Glück und Unglück nach Gutsherrenart verteilt. Jesus von Nazareth hat uns auch nicht mit einem Gott bekannt gemacht, der uns durch Schicksalsschläge strafen will, wie manche fundamentalistische Glaubensrichtungen es heute noch deuten. Nein Jesus sagt: Er will nicht richten, er will retten. Weiterlesen

Predigt vom 29..4.2023 – Vierter Ostersonntag

2023-04-29-Vierter Ostersonntag

Künstliche Intelligenz

Joh 10,1-10

Liebe Schwestern und Brüder,

am letzten Sonntag wurde auf der Landesgartenschau in Höxter der interreligiöse Schöpfungsgarten eröffnet. Schirmherr des Schöpfungsgartens ist Prof. Klaus Töpfer, der frühere Bundesumweltminister und spätere Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi. In seinem Grußwort sprach Töpfer von den Erdzeitaltern. Früher dauerten die Erdzeitalter, z.B. das Pliozän oder das Pleistozän, ca. 2,5 Mio Jahre. Seit etwa 11.000 Jahren gibt es jetzt das Holozän, unsere Jetztzeit, unsere Warmzeit, die die letzte Kaltzeit abgelöst hat. Töpfer beklagte, es gäbe jetzt schon, und nicht erst nach Millionen von Jahren, ein neues Zeitalter. Das Anthropzän, also das Zeitalter, des Menschen habe das Holozän abgelöst. Der Mensch greift derart stark in die natürlichen Abläufe ein, dass Veränderungen z.B. die Dynamisierung der Warmzeiten des Klimas einseitig auf sein Konto gehen. Weiterlesen

Predigt vom 23.4.2023 – Dritter Ostersonntag

2023-04-23_3._Ostersonntag

Das brennende Herz

Lk 24, 13-35

 

Liebe Schwestern und Brüder,

bei der Amtseinführung des jetzigen amerikanischen Präsidenten am 20. Jan. 2021 trat eine junge farbige Frau mit einem heißen und brennenden Herzen auf,  Amanda Gorman, eine 22-jährige afroamerikanische Poetin. Mit einem Gedicht hat sie an diesem Tag den größten Eindruck hinterlassen. Es ging in dieser ergreifenden Rede darum, dass Amerika und all die anderen Staaten dieser Welt zu Gesellschaften des Herzens werden müssen, also der Barmherzigkeit und des Erbarmens. Sie sagte darin unter anderem:

 

Mr. President, Bürger Amerikas und der ganzen Welt,

Wenn es Tag wird, fragen wir uns,

wo wir Licht zu finden vermögen,

in diesem niemals endenden Schatten?

Den Verlust, den wir tragen,

ein Meer, das wir durchwaten müssen.

Wir haben dem Bauch der Bestie getrotzt.

Wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet.

Und dass die Normen und Vorstellungen von dem, was gerade ist,

nicht immer Gerechtigkeit sind. (Trumpjahre)

Und doch gehört die Morgendämmerung uns,

noch ehe wir es wussten. Weiterlesen

Predigt vom 26.3.2023 – Fünfter Fastensonntag

2023-03-26_5.Fa.-So.

Misereor

Joh 11,1-45

Liebe Schwestern und Brüder,

Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?“ fragte die Tannenmeise die Wildtaube an einem schönen Wintertag. „Nicht mehr als nichts!“ gab die Taube zur Antwort. „Dann muss ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen“, sagte die Meise. „Ich saß auf  dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es anfing zu schneien. Nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, lautlos und ohne Schwere, wie im Traum. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und Nadeln meines Astes fielen und darauf hängenblieben. Genau 3.741.952 waren es. Als die 3.741.953.  Flocke niederfiel – nichts mehr als ein Nichts wie du sagst-, brach der Ast.“ Damit flog sie davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte sich nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht fehlt ja nur eines Menschen Liebe zum Frieden in der Welt.“ Weiterlesen

Predigt vom 19.3.2023 – Vierter Fastensonntag

2023-03-19_4._Fa.So.

Das Wesentliche sehen

Joh 9,1.6-9.13.34-38

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Das Stück „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller, spielt in der Schweiz vor 600 Jahren während der Freiheitskriege. Wir kennen zumeist die Szene, wie der Landvogt Gessler von Wilhelm Tell verlangt, seinem Sohn mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf zu schießen. Der Schuss gelingt, der Pfeil trifft den Apfel. Aber in dem Stück gibt es auch den blinden Heinrich, der im Krieg sein Augenlicht verloren hat. Über ihn dichtet Schiller:

„O eine edle Himmelsgabe ist

Das Licht des Auges – Alle Wesen leben

Vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf –

Die Pflanze kehrt freudig sich zum Lichte,

Und er, der Blinde, muss sitzen,

fühlend in der Nacht, in seiner Finsternis

denn leben und nicht sehen

Das ist ein Unglück.“

Die jetzt bald im Frühling explodierenden Farben, wenn das Auge sie nicht sehen könnte, was würde uns entgehen. „Leben und nicht sehen, das ist ein Unglück.“ Weiterlesen

Predigt vom 5.3.2023 – Zweiter Fastensonntag

2023-03-05 2. Fasten-So

Ein Glanzaugenblick – Berg der Verklärung

Mt 17, 1-9

Liebe Schwestern und Brüder,

Rose Ausländer, die jüdische Schriftstellerin, die in den 30-er und 40-er Jahre, in der Bukowina sowohl von dem russischen NKWD wie auch von den Schergen der Nazis verfolgt wurde, scheint mir dieses Evangelium von der Verklärung auf dem Berg sehr genau verstanden zu haben. Diese mutige tapfere Frau schreibt in einem kleinen Gedicht:

„Vergiß Dein Nein

Ich weiß

es sind nur Augenblicke aus Apfelglanz,

die Jahre sind finster.

Aber der Glanzaugenblick

lebt länger als ein Jahr. Weiterlesen

Predigt vom 26.2.2023 – Erster Fastensonntag

2023-02-26_1. Fastensonntag

Hab Fleisch und Brot und leid doch Hungersnot

Mt 4,1-11

„Fasten heißt lernen, genügsam zu sein; sich weigern in Materie zu ersticken, sich von allem Überflüssigen lächelnd zu verabschieden.“ Phil Bosmann

Liebe Schwestern und Brüder!

Jesus sagt es heute so:“ Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…“

Also nicht von Käsehäppchen, Lachsfilets, nicht von Gourmetspeisen oder Pommes frites, Currywurst allein, auch nicht allein vom Eigenheim oder dem neuen Modell der A-Klasse. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er stirbt sogar am Brot allein, ergänzt die Theologin Dorothee Sölle. Er stirbt den fürchterlichen Tod der Beziehungslosigkeit. Weiterlesen