Predigt vom 12.04.2015 – Verletzt sein

Predigt zum 2. Ostersonntag 12.04.2015
Verletzt sein – Joh 20, 19-31

Liebe Schwestern und Brüder,
in einem Gruppengottesdienst sollten einmal die Teilnehmer einen Brief
an Gott schreiben, in dem sie ihm Wünsche, Ängste und Sehnsüchte
ihres Lebens mitteilten. Unter den Teilnehmenden war auch eine junge
Frau, die ohne Hände und Arme auf die Welt gekommen war. Sie
schrieb ihren Brief mit den Füßen. Der Inhalt dieses Briefes war ungefähr
wie folgt:
„o Gott, wenn ich in den Spiegel schaue, dann weiß ich, dass ich ein
hübsches Mädchen bin. Und wenn ich meine Zeugnisnoten betrachte,
dann ist klar, dass ich intelligent bin. Ich kann mit meinen Füßen auf der
Tastatur meines Computers schneller schreiben als andere mit den
Händen. Sogar Autofahren kann ich nur mit den Füßen. Aber o Gott, ich
habe keine Arme und keine Hände. Niemals konnte ich meine Mutter,
meinen Vater umarmen. Meine Freund, ich kann ihn nicht in die Arme
nehmen. Das ist es, was mich manchmal an den Rand der Verzweiflung
bringt. Warum, lieber Gott, hast Du mich so geschaffen, wie ich bin?“ …

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Predigt vom 8.03.2015 – 3.Fastensonntag

Predigt zum 3. Fastensonntag 2015

Liebe Schwestern und Brüder,
man nennt sie die moderne Anne Frank. Ihr Tagebuch begann sie am
25. März 1994 mit folgenden Sätzen: „Sei gegrüßt, liebes Tagebuch. Ich
lebe in der Stadt Grosny in der Zawjety-Iljitscha-Straße. Ich heiße Polina
Scherebzowa und bin neun Jahre alt.“ Das war vier Wochen vor Beginn
des ersten Tschetschenienkrieges.
Kriege werden ja heutzutage nicht mehr beendet. Sie werden einfach
eingefroren und können jederzeit wieder ausbrechen wie in der Ukraine,
wie in Tschetschenien. Putins dreckigen Krieg nennt man ihn, den man
2009 eingefroren hat. Polina Scherebzowa hat über zehn Jahre aus der
Sicht eines Kindes und einer Jugendlichen Tagebuch geführt über
diesen dreckigen Krieg in Tschetschenien. …

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Predigt vom 1.03.2015 – 2.Fastensonntag

Predigt zum 2. Fastensonntag 2015

Liebe Schwestern und Brüder,
der große Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner erzählte
einmal in einer Talkshow von einer seiner Himalaya-Expeditionen. Er
hatte im Schneetreiben völlig die Orientierung verloren. Der Kontakt zu
seinen Kameraden war abgebrochen. Tagelang irrte er umher. Überall
nur Schnee, Eis, Geröll und Nebel, dichtester Nebel. Völlig erschöpft
sank er in den Schnee. Nichts ging mehr. Sein Gehirn rettete sich schon
in den Zustand jenes Wohlfühlens hinüber, der den Menschen auf den
Tod vorbereitet. Da plötzlich an der Grenzlinie zum Koma, spürte er, wie
sein Auge von einem ganz leichten Strahl von Licht und Wärme gestreift
wurde. Mühsam öffnete er die Augen und fand sich in strahlendem
Sonnenschein wieder. Er war gerettet, konnte sein Position bestimmen
und den Abstieg wagen.
Da fragte ihn die Moderatorin: „War das Zufall?“ Darauf Messner: “Nein,
das war kein Zufall, das war Gnade.“
Liebe Schwestern und Brüder, müssen wir erst in solch gefährliche
Situationen geraten, – ob in den Bergen, auf der Intensivstation, im
Flugzeug, auf der Autobahn, wo auch immer -, um zu begreifen, dass
das ganze Leben Gnade ist? …

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Predigt vom 14.02.2015 – Valentinstag

Predigt zum 06. Sonntag im Jahreskreis 2015 / Valentinstag

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist normal, am Valentinstag von der Euphorie der Liebe zu sprechen.
Und doch dürfen wir gerade in einem Gottesdienst die nicht
verschweigen, deren Liebe brüchig geworden ist oder die sich im Sinne
des Evangelium ausgesetzt, ausgegrenzt, außerhalb der Norm befinden. …

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Predigt vom 8.02.2015

Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis 2015

Liebe Schwestern und Brüder,
Wie kommt der Petrus eigentlich dazu eine Schwiegermutter zu haben?
Als erster Papst der Kirchengeschichte hat er doch schließlich den
Zölibat, die Ehelosigkeit, zu leben.Was ist das für ein merkwürdiges
Fieber, das diese Frau plötzlich befällt, als sie hört, dieser Jesus wolle
sie besuchen mit seinem ganzen Anhang.
Ist das eine harmlose Grippe, die die Frau ins Bett zwingt. Manche
Bibelausleger meinen, es sei mehr: eine handfeste Kränkung vielleicht,
Zorn sogar, Wut, ein richtiger Fieberwahn wird vor allem ihre Seele
geschüttelt haben. Was könnte diese Frau krank gemacht, in Rage
gebracht haben? …

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Predigt vom 1.02.2015 – Lichtmess

Predigt zum 4. Sonntag im Jahreskreis 2015: Lichtmess

„Es gibt eine jenseitige Kraft in uns, die ist nicht totzukriegen.“ Diese
Erfahrung hat der Jesuitenpater Alfred Delp gemacht, der im Alter von 37
Jahren am Lichtmesstag 1945 von den Nazis hingerichtet wurde. Das
sind übermorgen genau 70 Jahre her.
Er war einer der führenden Köpfe der Widerstandsbewegung gegen
Hitler und wurde nach dem 20. Juli 1944 verhaftet.
Als am 11. Januar seine Gerichtsverhandlung vor dem Blutrichter Roland
Freisler stattfand, da hatte er im Gefängnis zuvor ganz heimlich für sich
mit einem alten Stück Brot Eucharistie gefeiert und ein Stück der
geweihten Hostie mit in den Gerichtssaal genommen. Daran hielt er sich
während der ganzen Verhandlung fest. Später schrieb er: „Obwohl ich
durch den Richter rücksichtslos niedergebrüllt wurde, habe ich mich
keinen Augenblick unterlegen gefühlt. Das war jenseitige Kraft.“
Als man ihn am 2. Febr. zur Hinrichtung führte, da sagte er dem ihn
begleitenden evangelischen Pfarrer: „In einer halben Stunde weiß ich
vom Leben mehr als Sie.“
Der Glaube ist in dieser Welt nicht totzukriegen? Diese Botschaft
vermitteln uns Alfred Delp und der bevorstehende Lichtmesstag. …

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Predigt vom 25.01.2015

Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis: Nikolaus Groß

Liebe Schwestern und Brüder,
„Vati, wohin gehst Du?“ Diese Frage eines Kindes fiel am 12. August des
Jahres 1944 in einer Kölner Wohnung in einer ganz besonderen
Situation. Finstere Männer in dunklen Ledermänteln, Gestapobeamte
drangen in diese Wohnung ein und verhafteten einen Vater von sieben
Kindern, den christlichen Gewerkschaftler und Journalisten Nikolaus
Groß. Weil ihn sein christliches Gewissen zutiefst plagte, hatte Nikolaus
Groß nicht aufgehört, die Verbrechen der Nazis anzuklagen. Am letzten
Freitag vor 70 Jahren, am 23. Januar 1945, wurde er in Berlin
Plötzensee hingerichtet. Im Jahre 2001 hat ihn Papst Johannes Paul II
selig gesprochen.
An jenem frühen Morgen, als sie ihn abholten, stand seine vierjährige
Tochter Leni im Flur. Noch einmal nahm er sie auf den Arm und drückte
sie an sein Herz. Im Hinausgehen hörte er diese Frage, Lenis Frage:
„Vati, wohin gehst Du?“ …

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