Predigt vom 24.2.2019 – Respektlos

2019_02_24_7.So._i._J. – LK 6,27-38

Thema: Respektlos

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Woche ist Karl Lagerfeld gestorben, der Großunternehmer und Modezar vom Hause Chanel. In einer Biographie über ihn habe ich mal gelesen, seine Lebensdevise sei: „Respekt führt nur in die Pleite, wer erfolgreich sein will, muss über Leichen gehen.“ Ich weiß nicht, inwiefern Lagerfeld das in seinem Unternehmen auch so rücksichtslos umgesetzt hat.  Aber ich halte das für einen gefährlichen Satz.  Wenn Respektlosigkeit und Erfolg die Lebensmaxime sind, was ist dann mit all denen, die auf Rücksichtnahme angewiesen sind, mit den kranken, den behinderten, den alten gebrechlichen und pflegebedürftigen Menschen? Mit denen, die im Produktionsprozess nichts leisten können? Weiterlesen

Predigt vom 13.1.2019 – Taufe

2019-01-13_Taufe_Christi – Schrifttext: Lk 3,15-22

Du gefällst mir

Liebe Schwestern und Brüder,

Vor vielleicht 20 Jahren hatte in der Gemeinde, in der ich damals lebte, eine Familie ihr Kind zur Taufe angemeldet. Bei der Aufnahme der Personalien fragte ich nach der Konfession der Eltern und der Paten.

Die Mutter war aus der Kirche ausgetreten, der Vater auch. Beide Paten stammten aus den neuen Bundeländern und waren konfessionslos. Ich sagte: „Ich kann ihr Kind nicht taufen, weil die christliche Erziehung ja nicht gewährleistet ist.“ Ich packte schon alle Sachen wieder in die Tasche, stand auf und wollte gehen. Da brach die Mutter  in Tränen aus, schlug mit der Hand auf die Tischkante und sagte: „Dieses Kind wird getauft. Wenn Sie es nicht machen, macht es ein anderer, und wenn ich dafür bis zum Nordpol laufe.“ Ich war geschockt, setzte mich wieder hin und fragte die Mutter: „Warum ist Ihnen die Taufe so wichtig?“ Da erzählte die Mutter von der Schwangerschaft, die in manchen Phasen so schwer war, dass sie um die eigene und um die Gesundheit des Kindes fürchtete. Am Ende sagte sie. „Und dass wir jetzt hier sind, das Kind und ich, da muss doch einer von oben die Hände mit im Spiel gehabt haben.“ Weiterlesen

Predigt vom 9.1.2019 -Neujahr

2019-01-01_Neujahr_2019 – Schrifttext: Num 6,22-27

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn der Winter sich schon mit Schnee sehr zurückhält, will ich Ihnen wenigstens eine Geschichte von einer Schneeflocke erzählen.

 Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?“ fragte die Tannenmeise die Wildtaube an einem schönen Wintertag. „Nicht mehr als nichts!“ gab die Taube zur Antwort. „Dann muss ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen“, sagte die Meise. „Ich saß auf  dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es anfing zu schneien. Nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, lautlos und ohne Schwere, wie im Traum. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und Nadeln meines Astes fielen und darauf hängenblieben. Genau 3.741.952 waren es. Als die 3.741.953.  Flocke niederfiel – nichts mehr als ein Nichts wie du sagst-, brach der Ast.“ Damit flog sie davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte sich nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht fehlt ja nur eines Menschen Liebe zum Frieden in der Welt.“ Weiterlesen

Predigt vom 1.11.2018 – Allerheiligen

2018-11-01_Allerheiligen – Mt 5,1-12

Arme Seelen?

Liebe Schwestern und Brüder,

in Siddinghausen haben wir in diesem letzten Jahr an vielen Gräbern gestanden und Abschied genommen von lieben und wertvollen Menschen. Und jedes Beerdigungsritual haben wir abgeschlossen mit der Bitte: „Herr gib unseren Verstorbenen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen.“ Brauchen unsere Verstorben diese Bitte? Sind sie ruhelos, unruhig? In einer Gemeinde habe ich kürzlich erlebt, dass das Rosenkranzgebt wie zu meiner Kinderzeit abgeschlossen wurde mit der Bitte: Und erbarme dich der Armen Seelen im Fegefeuer. Sind unsere Verstorbenen arme Seelen, die nicht zur Ruhe kommen? So, wie man sich das im Mittelalter und noch bis in unsere Zeit vorgestellt hat, dass sich die Verstorbenen auch in vielerlei Gestalt den Lebenden zeigen können. Sie erscheinen wie Geister, schleppen sich durch die Dunkelheit unserer Nächte, begegnen uns im Traum, sind irrende Lichter, manchmal mit Gestöhn  oder Gepolter, Wesen, die unser Gebet bedürfen, damit sie endlich Ruhe finden? Weiterlesen

Predigt vom 21.10.2018 – Vertrauensverlust

2018-10-21 29. So. im J. – Schrifttext Mk 10, 35-45

Vertrauensverlust der Kirche

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen Wochen wird viel geredet vom Niedergang der Volksparteien, dem Vertrauensverlust der Bundesregierung. Ich frage mich: Erleben wir nicht als Volkskirchen ähnliche Abbrüche, vor allem auch als katholische Kirche. Der zentrale Bestandteil katholischen Glaubens, der Gottesdienstbesuch am Sonntag, ist inzwischen in Deutschland auf unter 10 % gesunken. In meiner Kindheit waren es noch über 50 %. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa macht regelmäßig eine Umfrage mit der Frage: Welche Organisation genießt bei ihnen das meiste Vertrauen? Von 25 genannten Organisationen steht die katholische Kirche an 18. Stelle. Ganz oben stehen die Universitäten, die Polizei, Schulen, der Bundespräsident. Selbst die Bundesregierung steht in dieser Rangfolge des Vertrauens noch an 10. Stelle, die evangelische Kirche an 12, die katholische an 18.? Hier stimmt doch was nicht. Weiterlesen

Predigt vom 14.10.2018 – Und dann

2018-10-14 28. _So._ i._J. – Mk 10, 17-30

Wahrheit meines Lebens

 Liebe Schwestern und Brüder,

zu einem Zen-Meister kam eines Tages ein junger Mann und erzählte ihm mit großer Freude, dass seine Eltern ihm endlich erlaubt hätten, Rechtswissenschaften zu studieren. »Ich werde keine Mühe scheuen, mein Studium erfolgreich abzuschließen.«
Der Meister, der nicht gern viele Worte machte, hörte dem jungen Mann gelassen zu und sagte nur: »Und dann?«
»Dann werde ich ein guter Rechtsanwalt sein«, erwiderte der junge Mann begeistert.
»Und dann?«, fragte der Meister weiter.
»Dann«, sagte der junge Mann, »werde ich viele Prozesse führen, von denen ich natürlich die meisten gewinnen werde, so dass aufgrund meiner Erfolge und meines Ansehens die Mandanten in Scharen zu mir strömen werden.« »Und dann?«, fragte der Meister wieder.
»Dann«, fuhr der junge Mann fort, »werde ich viel Geld verdienen, heiraten, eine Familie gründen, ein großes Haus bauen, einen teuren Wagen kaufen und ein schönes Leben führen.«
Ruhig fragte der Meister wieder: »Und dann?« Weiterlesen

Predigt vom 7.10.2018 – Kinder

2018-10-07_27._ Sonntag im Jahreskreis 2018 – Mt 10, 13-16

Kinder

Liebe Schwestern und Brüder,

„….nach Hause telefonieren…“ Das ist einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte. Er stammt aus einem der erfolgreichsten Filme Hollywoods, dem „Außerirdischen“ von Steven Spielberg, 1982 erschienen. Außerirdische waren auf der Erde gelandet und nahmen in einem Wald bei Los Angeles Pflanzenproben. Als sich ihnen Regierungsagenten nähern, verlassen sie mit ihrem Raumschiff überstürzt die Erde. Ein kleines grünes Wesen, ein Außerirdischer namens E.T., bleibt zurück, weil er sich zu weit vom Raumschiff entfernt hatte. E.T. freundet sich mit einem Jungen namens Elliot an, der ihm die Menschnsprache lehrt. Weil E.T. ständig Heimweh hat, wiederholt er immerzu diesen Satz: „…nach Hause telefonieren…“

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