Predigt vom 18.09.2022 – Kreuzerhöhung

2022-09-18-Kreuzerhöhung

Predigt zum Fest Kreuzerhöhung Klus Eddesen bei Borgholz

Berg der Kreuze in Litauen – Joh, 3,13-17

Liebe Schwestern und Brüder,

dass man die Sehnsucht nach Himmel, Horizont, Weite, nach Ewigkeit und Gott nicht einfach wegbaggern, wegbulldozern oder mit der Artillerie wegschießen kann, dafür steht der sog. Berg der Kreuze in Litauen, ein Hügel mit Tausenden und Abertausenden von Kreuzen. Wahrscheinlich schon im 19. Jahrhundert hatten in den polnisch-baltisch-russischen Kriegen Menschen, die nicht wussten, wo die Gräber ihrer gefallenen Angehörigen waren, auf einem bestimmten Hügel für sie Gedächtnis-kreuze aufgestellt. Große Bedeutung erfuhr dieser Berg der Kreuze während der Sowjetzeit, als Stalin von 1945 bis 1953 über 100.000 litauische Bürger in Straflager nach Sibirien deportieren ließ. Als nach der Stalinzeit, überlebende Häftlinge zurückkamen, stellten sie für ihre Kameraden, die nicht überlebt hatten, auf dem Berg der Kreuze Gedenkkreuze auf. Viele andere litauische Bürger schlossen sich mit eigenen Gedenkkreuzen an, so dass da plötzlich der ganze Hügel von Kreuzen übersät war. Weiterlesen

Predigt vom 21.08.2022 – Zwei Wege

2022-08-21-21.So.i.J.

Zwei Wege Lk 13,22-30

Liebe Schwestern und Brüder,

nicht den breiten bequemen Weg zu wählen, sondern durch die enge Tür zu gehen und schwierige Pfade auszuprobieren, das bringt eigentliches Leben, am Ende Glück und Zufriedenheit. Oder wie es ein Dichterwort sagt: „Zwei Wege boten sich mir da, ich wählte den der weniger betreten war, das änderte meine Leben.“ (Walt Whitman) Weiterlesen

Predigt vom 10.7.2022 – Liebesgebot

Schrifttexte Dtn 30,10-14 – Lk 10,25-37

Doppelgebot der Liebe

Liebe Schwestern und Brüder,

Ein Kind besuchte jeden Tag einen Steinmetz, der aus einem großen Stein-Block eine Skulptur schaffen wollte. Das Kind fragte den Steinmetz: Was machst Du da? Der antwortete: Das ist mein Geheimnis. Am nächsten Tag kam der Junge wieder und sah, dass der Stein schon sehr bearbeitet war und fragte den Künstler: Warum machst du  den Felsen denn kaputt? Ich mache ihn nicht kaputt, ich entlocke ihm nur sein Geheimnis, antwortete der. So ging das viele Tage und Wochen weiter. Am Ende war die Skulptur fertig, und in der Werkstatt stand die Figur eines Löwen. Da kam das Kind wieder und fragte den Künstler: „Woher wusstest Du denn, das da ein Löwe drin steckte.“ Und der Bildhauer erklärte: Ich habe mich einfach in den Stein hineinversetzt, ich habe mit ihm gearbeitet und ihn lieben gelernt und irgendwann entdeckt: Dieser Stein ist ein Löwe. Weiterlesen

Predigt vom 26.6.2022 – Auf mich zu

Auf mich zu

Lk 9, 51-62

Liebe Schwestern und Brüder,

In China gibt es einen gefährlichen Strom. An einer bestimmten Stelle kamen die Schiffe immer wieder zum Kentern und verloren ihre wertvolle Ladung. Fachleute haben die Strömung erforscht und an einer genau berechneten Stelle im Strom einen Felsen aufgestellt. Darauf haben Sie die Worte „Auf mich zu!“ geschrieben. Zunächst sieht es so aus, als ob der Fels nur im Wege steht. Aber jeder Bootsfahrer, der sein Schiff auf den Felsen zu lenkt, kommt heil durch die Strömung und Untiefen hindurch. Der Felsen gibt Orientierung und hilft ihm, die gefährlichen Stellen zu vermeiden.

Heute leben wir in Zeiten, die turbulent sind, in denen wir ins Schwimmen geraten. Weiterlesen

Predigt vom 12.6.2022 – Dreifaltigkeit

Geist der Wahrheit

Schrifttext Joh 16, 12-15

Liebe Schwestern und Brüder,

Was hat es auf sich mit dem Geist der Wahrheit, von dem Johannes hier spricht?

Eine evangelische Pfarrerin (Morgenandacht) erzählte, dass sie in ihrem Gemeindehaus einen Sprachkurs leitet, an dem Afghanen, Syrer, Chinesen, Iraker, Rumänen, Bulgaren, Jesiden und noch Menschen anderer Nationen teilnehmen. Eines Tages machte sie mit dieser Gruppe einen Bummel durch die Einkaufszone ihrer Stadt. Als sie an der Kirche vorbeikamen, wollte die Gruppe hinein. Die Pfarrerin erklärte die einzelnen Elemente der Kirche. Irgendwann versammelten sich alle um den Taufstein. Eine Muslima lehnte sich auf den Beckenrand und sprach ganz ruhig den Satz zur Pfarrerin: „Es gibt doch nur eine Wahrheit.“

Aber wo liegt die Wahrheit? Meinte die Frau, sie liegt im Islam?
Dann wird es mir schlecht, wenn ich gleichzeitig realisiere, dass Dschihadistische Gruppen vor sieben Tagen, am Pfingstsonntag bei einem katholischen Gottesdienst Dutzende von friedlichen Kindern, Frauen und Männern brutal niedergeschossen haben. Nein, nein, sagte die Pfarrerin, das meinte die Muslima nicht. Sie meinte vielmehr die eine Wahrheit jenseits unserer menschlichen Interpretationen und religiösen wie konfessionellen Fixierungen.
Und die Pfarrerin sagt: Ich glaube das auch, dass es nur einen Gott gibt. Weiterlesen

Predigt vom 29.05.2022 – Katholikentag – Leben teilen

Katholikentag – Leben teilen

Joh 17, 20-26

Liebe Schwestern und Brüder,

„In der Situation, in der  wir jetzt sind, betrügen wir viele Menschen um eine Brücke zu Gott, und das ist das, woran ich leide“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, im Rahmen einer Diskussion auf dem Katholikentag in Stuttgart. „Ich schöpfe daraus die Kraft, alles zu tun, was in meiner Macht steht, es zu verändern.“

Das ist ein Satz „wir betrügen die Menschen um eine Brücke zu Gott.“ Warum? Weil wir uns zu sehr zerstreiten zwischen konservativ und progressiv, synodalen Prozess, Reformen oder „alles soll bleiben wie es ist“, Frauen ins Amt oder Männerkirche für ewig, Lähmung und Vertuschung im Missbrauchsskandal. Bei alle diesen Themen der Selbstbeschäftigung, meint Bätzig, verlieren wir unsere eigentliche Aufgabe aus dem Blick, nämlich den Menschen eine Brücke zu Gott zu bauen. Weiterlesen