Predigt vom 2.10.2021 – Erntedank

2021-10-02_27._So._J._Erntedank
Mk 10,10-16

Vor 36 Jahren zu Erntedank 1985 habe ich folgendes Gedicht von W.
Michler zitiert:

Wortwechsel
werbe-wochen
wecken wünsche
wieder wachsen
wegwerf-wälle
während wohlstand
weiter wächst,
weichen wälder,
welken wiesen,
wehen winde
wüsten-wege.
Wolken-wirbel,
wasser-warnung,
wetter-wende,
wandelwetter
wann wohl werden
wirk-lichkeiten
wege weisen?
wieder worte?
wider-worte!
Wacher werden,
wege wechseln.
wer?
wir! Weiterlesen

Predigt vom 5.9.2021 – Fühlen

2021-09-05-23.S_i._J._Fühlen
Wer nicht hören will muss fühlen
Mk 7,31-37

Liebe Schwestern und Brüder,
„wer nicht hören will, muss fühlen.“ Als Kinder haben vielleicht viele von
uns diesen Satz mehrfach am Tag gehört, von ihren Eltern, von den
Lehrern? War das Inhalt einer schwarzen Pädagogik nach dem Vorbild
von Struwwelpeter, die nicht selten mit körperlichen Strafen arbeitete?
Oder stand dahinter die Erkenntnis, dass der Mensch viel stärker über
das Gefühl als über das Hören und die verstandesmäßige Erkenntnis
lernt. Weiterlesen

Predigt vom 15.8.2021- Mariä Himmelfahrt

Predigt zu Mariä Himmelfahrt 2021
Thema: Mariä Himmelfahrt

Liebe Schwestern und Brüder,
gegen Ende des 1. Weltkriegs, also zu der Zeit, als auch die Visionen
der drei Seherkinder von Fatima die Welt erfassten, entstand in Europa
eine neue Philosophie, die sich einfach auf Grund der Tatsache, dass
man gerade in vier Jahren Millionen von Menschen sinnlos und
erbärmlich hingeschlachtet hatte, sich fragte: Was ist der Mensch? Was
kann man wissen, was kann man sagen von seiner Existenz? Woher
kommt er, wohin geht er? Ludwig Wittgenstein, das Genie dieser
Philosophie der Sprache, stellte den Satz auf: Wovon man nicht
sprechen kann, davon soll man schweigen. Und wie kann man von
einem Gott sprechen, den man nicht sieht und phänomenologisch nicht
aufweisen kann, und der, wenn es ihn dann gäbe all dieses grenzenlose
Leid zugelassen hat. Also lieber schweigen. Weiterlesen

Predigt vom 1.8.2021 – Brot des Trostes

2021-08-01-18._So._i._J.- Brot des Trostes

Schrifttext: Joh. 6,24-35

Brot des Trostes

Liebe Schwestern und Brüder,

bei den olympischen Spielen in Tokio ist Deutschland nicht gerade mit Medaillen gesegnet. Eine der wenigen Goldmedaillen holte am letzten Dienstag die Wildwasserkanutin Ricarda Funk, eine ganz besondere Medaille. Ricarda Funk ist zu Hause im Ahrtal; da wo vor zwei Wochen sintflutartige Unwetter viele Menschen um ihre Existenz gebracht haben. Der Vater der Kanutin gab im tiefsten Schlamm stehend ein Interview und sagte darin: „In unsere Welt, die nur noch aus Geröll, Schutt, Dreck und Schlamm besteht, fällt mit dieser Goldmedaille ein Sonnenstrahl der Hoffnung.“  Wie ist das gemeint? Weiterlesen

Predigt vom 4.7.2021 – Weckruf COVID 19

2021-07-04_14. So. I.J.

Weckruf Covid 19

Liebe Schwestern und Brüder,

im Sommer vor 117 Jahren gab es in Siddinghausen eine furchtbare Katastrophe, die manche Familie in die Armut stieß. Im Jahre 1904 gingen schwere Hagelunwetter über Dorf und Felder nieder und zerstörten fast die gesamte Ernte. Man war in jenen Zeiten noch verhaftet in den Traditionen des Mittelalters, da man glaubte, solche Notlagen wären ein Hinweis auf eine Strafe Gottes. Um Gott gnädig zu bestimmen, versprach man solche Prozessionen, Andachten und vieles mehr. Weiterlesen

Predigt vom 13.06.2021 – Beziehung und Erziehung

2021-06-13_11._So._i._J

Von der Beziehung in die Erziehung

Schrifttext Mk 4, 26-34

Liebe Schwestern und Brüder,

Reich Gottes ist eine Wirklichkeit im Menschen, die wachsen will, Gott will in uns wachsen. Darum spricht Gott vom Reich Gottes in Gleichnissen des Wachsens, Woran merken wir das, dass Gott in uns wächst? Daran, dass unser Selbstwertgefühl wächst. Was aber ist, wenn Menschen dazu nie eine Chance haben?

Ich möchte Ihnen dazu erzählen von Inger Hermann, einer Religions-lehrerin an drei Förderschulen in Stuttgart, die dort mit Kindern aus schwer belasteten Familien arbeitet, Kinder, die ständig geprügelt und oft missbraucht werden. Selbst geschlagen, schlagen diese Kinder andere, selbst geprügelt prügeln sie andere. Die verletzte Seele verwandelt sich in Aggression. Denn in jeder Faust steckt ein wimmerndes Herz, das nie Trost und Liebe erfuhr. Weiterlesen