Predigt vom 21.10.2018 – Vertrauensverlust

2018-10-21 29. So. im J. – Schrifttext Mk 10, 35-45

Vertrauensverlust der Kirche

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen Wochen wird viel geredet vom Niedergang der Volksparteien, dem Vertrauensverlust der Bundesregierung. Ich frage mich: Erleben wir nicht als Volkskirchen ähnliche Abbrüche, vor allem auch als katholische Kirche. Der zentrale Bestandteil katholischen Glaubens, der Gottesdienstbesuch am Sonntag, ist inzwischen in Deutschland auf unter 10 % gesunken. In meiner Kindheit waren es noch über 50 %. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa macht regelmäßig eine Umfrage mit der Frage: Welche Organisation genießt bei ihnen das meiste Vertrauen? Von 25 genannten Organisationen steht die katholische Kirche an 18. Stelle. Ganz oben stehen die Universitäten, die Polizei, Schulen, der Bundespräsident. Selbst die Bundesregierung steht in dieser Rangfolge des Vertrauens noch an 10. Stelle, die evangelische Kirche an 12, die katholische an 18.? Hier stimmt doch was nicht. Weiterlesen

Predigt vom 14.10.2018 – Und dann

2018-10-14 28. _So._ i._J. – Mk 10, 17-30

Wahrheit meines Lebens

 Liebe Schwestern und Brüder,

zu einem Zen-Meister kam eines Tages ein junger Mann und erzählte ihm mit großer Freude, dass seine Eltern ihm endlich erlaubt hätten, Rechtswissenschaften zu studieren. »Ich werde keine Mühe scheuen, mein Studium erfolgreich abzuschließen.«
Der Meister, der nicht gern viele Worte machte, hörte dem jungen Mann gelassen zu und sagte nur: »Und dann?«
»Dann werde ich ein guter Rechtsanwalt sein«, erwiderte der junge Mann begeistert.
»Und dann?«, fragte der Meister weiter.
»Dann«, sagte der junge Mann, »werde ich viele Prozesse führen, von denen ich natürlich die meisten gewinnen werde, so dass aufgrund meiner Erfolge und meines Ansehens die Mandanten in Scharen zu mir strömen werden.« »Und dann?«, fragte der Meister wieder.
»Dann«, fuhr der junge Mann fort, »werde ich viel Geld verdienen, heiraten, eine Familie gründen, ein großes Haus bauen, einen teuren Wagen kaufen und ein schönes Leben führen.«
Ruhig fragte der Meister wieder: »Und dann?« Weiterlesen

Predigt vom 7.10.2018 – Kinder

2018-10-07_27._ Sonntag im Jahreskreis 2018 – Mt 10, 13-16

Kinder

Liebe Schwestern und Brüder,

„….nach Hause telefonieren…“ Das ist einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte. Er stammt aus einem der erfolgreichsten Filme Hollywoods, dem „Außerirdischen“ von Steven Spielberg, 1982 erschienen. Außerirdische waren auf der Erde gelandet und nahmen in einem Wald bei Los Angeles Pflanzenproben. Als sich ihnen Regierungsagenten nähern, verlassen sie mit ihrem Raumschiff überstürzt die Erde. Ein kleines grünes Wesen, ein Außerirdischer namens E.T., bleibt zurück, weil er sich zu weit vom Raumschiff entfernt hatte. E.T. freundet sich mit einem Jungen namens Elliot an, der ihm die Menschnsprache lehrt. Weil E.T. ständig Heimweh hat, wiederholt er immerzu diesen Satz: „…nach Hause telefonieren…“

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Predigt vom 16.9.2018 – Sterbehilfe

2018-09-16-24.-So. im Jahreskreis: Aktive Sterbehilfe?
Mk 8,27-35

Liebe Schwestern und Brüder,

wer bin ich? Was macht mich aus? Das ist eine Grundfrage des Menschen. Sie brennt auch Jesus auf der Seele. Er stellt sie heute seinen Jüngern.

Wer bin ich? Wer bin ich als Mensch? Diese Frage ist mir in diesem Sommer sehr eindrücklich bei der Walburga-Wallfahrtswoche in Wormbach im Sauerland begegnet. Dort traf ich auf eine Ordensschwester, eine Dominikanerin, aus Zürich in der Schweiz. In der Schweiz gibt es aktive Sterbehilfe und Institute wie Dignitas, zu deutsch würdiges Sterben, bieten sie an. Die Dominikanerin erzählte von einer Frau, die unter schweren Depressionen litt. Ständigen Panik- und Verzweiflungsattacken hatte. Weil sie das Leben nicht mehr aushielt, hat sie bei der zuständigen medizinischen Kommission den Antrag auf aktive Sterbehilfe gestellt. Als sie die Erlaubnis bekommen hatte, bat diese Frau die Schwester, bei ihrem Sterben dabei zu sein. Sie begründete das damit, dass sie an Gott und auch an das ewige Leben glaube. Die Schwester hat eingewilligt und erzählte, dass an dem entsprechenden Tag zwei Mitarbeiter von Dignitas den Sterberaum hergerichtet und die tödliche Infusion angeschlossen  hätten. Den Knopf, der die Infusion in Gang brachte, mußte die Frau bei vollem Bewusstsein selbst drücken. Die Mitarbeiter von Dignitas setzten sich in eine Ecke des Raumes und blieben auf Entfernung. Die Schwester saß direkt am Bett und betete so lange, bis die Frau friedlich eingeschlafen war. Zu mir sagte die Schwester, die Frau wäre ganz einsam gestorben, wenn sie nicht da gewesen wäre. Weiterlesen

Predigt vom 9.9.2018 – Hören und fühlen

2018-09-09-23. Sonntag im Jahreskreis : Hören und Fühlen
Mk 7,31-37

Liebe Schwestern und Brüder,

„wer nicht hören will, muss fühlen.“ Als Kinder haben vielleicht viele von uns diesen Satz mehrfach am Tag gehört, von ihren Eltern, von den Lehrern? War das Inhalt einer schwarzen Pädagogik nach dem Vorbild von Struwwelpeter, die nicht selten mit körperlichen Strafen arbeitete? Oder stand dahinter die Erkenntnis, dass der Mensch viel stärker über das Gefühl als über das Hören und die verstandesmäßige Erkenntnis lernt. Und dieses Gefühl ist vorwiegend ein seelisches Fühlen. Wenn man z.B. bei uns Zuhause den Teller nicht leer aß, das Schulbrot wegwarf oder im Tornister verschimmeln ließ, dann musste man fühlen, dass das nicht in Ordnung war und durfte z.B. abends nicht am Abendmessen teilnehmen und musste hungrig ins Bett gehen. Ich seh mich noch des Nachts in die Küche schleichen und heimlich ein Stück Brot aus dem Schapp holen. Aber schlimmer als der körperliche Hunger war die seelische Beschämung, dieses Gefühl, ausgegrenzt zu sein. Weiterlesen

Predigt vom 19.08.2018 – Handysegnung

2018-08-19-20. So.i.J. – Krautbund- und Handysegnung

Joh 6,51-58

Liebe Schwestern und Brüder,

das Fest Maria Himmelfahrt ist untrennbar mit Blumenpracht, klarer Luft und sauberen Himmel verbunden. Die Hitzewelle dieses Sommers hat uns vor Augen geführt, dass der Mensch dieser Zeit offenbar irreparabel durch sein Konsumverhalten in die Sauberkeit der Schöpfung eingreift, so dass nach Schätzungen von UNICEF inzwischen täglich bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten aussterben, dass Menschen in der Dritten Welt den Klimawandel durch veränderte Dürrzeiten jetzt schon drastisch zu spüren bekommen. Jeder sagt: Es muss sich was ändern. Aber es ändert sich nichts, weil jeder sagt: Als  einzelner kann ich nichts machen.

 

Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen. Die Missionswerke Missio Aachen und MISEREOR haben z.B. die Aktion saubere Handies ausgerufen. Weiterlesen

Predigt vom 12.08.2018 – Glück gehabt

2018-08-12-19-So._i._J. in Dörenhagen, zum 50. Todestag meines Vaters

Zu Joh 6,41-51 : Glück gehabt?

 

Liebe Schwestern und Brüder,

bald ist Mariä Himmelfahrt. Vor zwei Jahren kam ich einmal vom Friedhof hier in Dörenhagen und blieb vor dem Kriegerdenkmal stehen. Da entdeckte ich, dass zu Mariä Himmelfahrt 1942, also am 15. August, mein Onkel Heinrich Auffenberg  in Russland gefallen ist. Sieben Jahre später, auch an einem 15. August 1949 bin ich geboren. Das berührte mich eigentümlich. Es fiel mir auf, zu Mariä Himmelfahrt 1942 war auch der Bruder meines Onkels, also mein Vater, in Russland an der Front, und er war dort auch 1941, 1943 und 1944. Hätte es damals nicht den Onkel, sondern den Vater getroffen, dann stände ich jetzt nicht hier. An welch seidenen Faden hing denn damals das Leben, und das über Jahre täglich? Wäre eine Kugel nur etwas weiter rechts oder links eingeschlagen, ich wäre nicht hier. Hätten die Landminen bei Spähtruppunternehmen nicht nur das Pferd, sondern auch den Reiter zerrissen, ich wäre nicht hier. Und wäre er nicht – schon wegen des schwarzen Todes, dem Fleckfieber, im Sterbezimmer liegend – in letzter Sekunde dem Tod von der Schippe gesprungen, ich wäre nicht hier. Vielleicht hunderte, tausende Male am Abgrund gestanden in den sechs Jahren des Krieges! Weiterlesen