Predigt vom 19.4.2019 – Karfeitag

2019-04-19_Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,

Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär.

Und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer.“

So dichtet die aus Deutschland vertriebene jüdische Schriftstellerin Else Lasker Schüler in ihrem Jerusalemer Exil in den vierziger Jahren, als sie zerrissen wird vom Heimweh nach Deutschland.

Wenn ich die letzte Zeit betrachte, dann wiederholt sich das:

Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär.“ Weiterlesen

Predigt vom 18.4.2019 – Gründonnerstag

2019-04-18 Gründonnerstag

Joh 13, 1-5

Thema Rituale

Liebe Schwestern und Brüder,

Tut dies so oft ihr es tut zu meinem Gedächtnis. Dieser Satz Jesu, zum ersten Mal gesprochen am Gründonnerstag und seither in jeder Messe ist sein Testament. Das heißt, wir sollen in Verbindung bleiben mit unseren Mitmenschen, aber auch mit Gott. Diese Verbindung kann lebensrettend werden. Ich sprach kürzlich mit einem 18-jährigen Jungen aus Afghanistan. Er erzählte, wie er als 12-jähriger 2013 aus Afghanistan geflohen ist. Weiterlesen

Predigt vom 20.1.2019 – Die Stunde Jesu

2019-01-20_2._So._i._J._2019

Die Stunde Jesu

Schrifttext Joh 2,1-11

Liebe Schwestern und Brüder,

der langjährige Erzbischof von Mailand, Kardinal Martini, erzählte, dass in Italien die Brautleute oft sehr arm sind und sich eine große Hochzeitsfeier in einem Restaurant nicht leisten können. Sie feiern deswegen gerne im Freien, oft auf dem Kirchplatz. Einmal habe es in Strömen geregnet, sagte der Kardinal, und das Hochzeitspaar habe den Pfarrer gebeten, in der Kirche nur einen kleinen Empfang gestalten zu dürfen mit ein bischen Kuchen und einem Schlückchen Wein. Aus dem Schlückchen Wein wurden bald mehrere Gläser. Die Leute sangen fröhliche Lieder, begannen zu tanzen. Die Stimmung stieg, es wurde lauter und lebhafter. Der Pfarrer wurde ganz unruhig ob dieses Trubels und erregte sich: „Das geht doch nicht, so ein Theater in meiner Kirche.“ Der Küster, der in der Nähe war, sagte: „Was regen sie sich denn so auf? Schließlich war doch Jesus auch mal auf der Hochzeit zu Kana und hat bis zum Ende mitgefeiert.“ „Ja“, sagte der Pfarrer“, das stimmt, „aber da war kein Tabernakel mit dem Allerheiligsten darin.“ Weiterlesen

Predigt vom 24.2.2019 – Respektlos

2019_02_24_7.So._i._J. – LK 6,27-38

Thema: Respektlos

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Woche ist Karl Lagerfeld gestorben, der Großunternehmer und Modezar vom Hause Chanel. In einer Biographie über ihn habe ich mal gelesen, seine Lebensdevise sei: „Respekt führt nur in die Pleite, wer erfolgreich sein will, muss über Leichen gehen.“ Ich weiß nicht, inwiefern Lagerfeld das in seinem Unternehmen auch so rücksichtslos umgesetzt hat.  Aber ich halte das für einen gefährlichen Satz.  Wenn Respektlosigkeit und Erfolg die Lebensmaxime sind, was ist dann mit all denen, die auf Rücksichtnahme angewiesen sind, mit den kranken, den behinderten, den alten gebrechlichen und pflegebedürftigen Menschen? Mit denen, die im Produktionsprozess nichts leisten können? Weiterlesen

Predigt vom 13.1.2019 – Taufe

2019-01-13_Taufe_Christi – Schrifttext: Lk 3,15-22

Du gefällst mir

Liebe Schwestern und Brüder,

Vor vielleicht 20 Jahren hatte in der Gemeinde, in der ich damals lebte, eine Familie ihr Kind zur Taufe angemeldet. Bei der Aufnahme der Personalien fragte ich nach der Konfession der Eltern und der Paten.

Die Mutter war aus der Kirche ausgetreten, der Vater auch. Beide Paten stammten aus den neuen Bundeländern und waren konfessionslos. Ich sagte: „Ich kann ihr Kind nicht taufen, weil die christliche Erziehung ja nicht gewährleistet ist.“ Ich packte schon alle Sachen wieder in die Tasche, stand auf und wollte gehen. Da brach die Mutter  in Tränen aus, schlug mit der Hand auf die Tischkante und sagte: „Dieses Kind wird getauft. Wenn Sie es nicht machen, macht es ein anderer, und wenn ich dafür bis zum Nordpol laufe.“ Ich war geschockt, setzte mich wieder hin und fragte die Mutter: „Warum ist Ihnen die Taufe so wichtig?“ Da erzählte die Mutter von der Schwangerschaft, die in manchen Phasen so schwer war, dass sie um die eigene und um die Gesundheit des Kindes fürchtete. Am Ende sagte sie. „Und dass wir jetzt hier sind, das Kind und ich, da muss doch einer von oben die Hände mit im Spiel gehabt haben.“ Weiterlesen

Predigt vom 9.1.2019 -Neujahr

2019-01-01_Neujahr_2019 – Schrifttext: Num 6,22-27

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn der Winter sich schon mit Schnee sehr zurückhält, will ich Ihnen wenigstens eine Geschichte von einer Schneeflocke erzählen.

 Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?“ fragte die Tannenmeise die Wildtaube an einem schönen Wintertag. „Nicht mehr als nichts!“ gab die Taube zur Antwort. „Dann muss ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen“, sagte die Meise. „Ich saß auf  dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es anfing zu schneien. Nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, lautlos und ohne Schwere, wie im Traum. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und Nadeln meines Astes fielen und darauf hängenblieben. Genau 3.741.952 waren es. Als die 3.741.953.  Flocke niederfiel – nichts mehr als ein Nichts wie du sagst-, brach der Ast.“ Damit flog sie davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte sich nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht fehlt ja nur eines Menschen Liebe zum Frieden in der Welt.“ Weiterlesen

Predigt vom 1.11.2018 – Allerheiligen

2018-11-01_Allerheiligen – Mt 5,1-12

Arme Seelen?

Liebe Schwestern und Brüder,

in Siddinghausen haben wir in diesem letzten Jahr an vielen Gräbern gestanden und Abschied genommen von lieben und wertvollen Menschen. Und jedes Beerdigungsritual haben wir abgeschlossen mit der Bitte: „Herr gib unseren Verstorbenen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen.“ Brauchen unsere Verstorben diese Bitte? Sind sie ruhelos, unruhig? In einer Gemeinde habe ich kürzlich erlebt, dass das Rosenkranzgebt wie zu meiner Kinderzeit abgeschlossen wurde mit der Bitte: Und erbarme dich der Armen Seelen im Fegefeuer. Sind unsere Verstorbenen arme Seelen, die nicht zur Ruhe kommen? So, wie man sich das im Mittelalter und noch bis in unsere Zeit vorgestellt hat, dass sich die Verstorbenen auch in vielerlei Gestalt den Lebenden zeigen können. Sie erscheinen wie Geister, schleppen sich durch die Dunkelheit unserer Nächte, begegnen uns im Traum, sind irrende Lichter, manchmal mit Gestöhn  oder Gepolter, Wesen, die unser Gebet bedürfen, damit sie endlich Ruhe finden? Weiterlesen