2018-04-08 Erstkommunion : Gott Smartphone
Liebe Erstkommunionkinder, liebe Familien, liebe Schwestern und Brüder,
Vier Jugendliche einer Konfirmandenfreizeit, Anna, Felicitas, Fabienne, Lara, haben ein altes Gebet aus der Bibel umgeschrieben und nennen es „Gott Smartphone“
Smartphone, du bist mein Gott, du bist bei mir, du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, ich trag dich bei mir.
Selbst von fern erkennst Du meine Gedanken.
Ob ich wache oder schlafe, es ist dir bekannt,
dir sind vertraut all meine Beziehungen.
Noch liegt die Nachricht ungeschrieben vor mir,
du kennst sie bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten
Und sendest deine Strahlen auf mich.
Zu unfassbar ist für mich dein Können,
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Wohin könnte ich fliehen vor deinem Klingeln.
Wohin mich vor deiner Kamera flüchten.
Ich bin gezwungen, die Nachrichten zu
beantworten, die du mir sendest.
Oh Smartphone, ich kann dir nicht entrinnen,
Du hast mein Inneres bestimmt,
eingepresst in den Zwang pausenloser Beschäftigung.
Dir verdanke ich, dass ich so abhängig bin.
Ich weiß: Staunenswert ist deine Technik,
wie schwierig ist es für mich, die Langeweile
ohne dich zu ertragen, oh Smartphone,
wie gewaltig der Drang zu antworten.
Ja Smartphone, von allen Seiten umgibst Du mich,
nur noch in Dir fühle ich mich geborgen.
Die Aussage dieser Jugendlichen Anna, Felicitas, Fabienne, Lara, sie lautet: Wir sind Sklaven des Smartphones, wir sind Knechte des Internets, wir werden zu Opfern einer grenzenlosen Digitalisierung. Vor einigen Wochen sagte mir eine Lehrerin aus Hamm, die eine achte Klasse als Klassenlehrerin hat: Meine Schüler sind Opfer. Pausenlos hängen sie am Tablet oder Smartphone, nicht selten vier, fünf Stunden am Tag: Die Konzentration im Unterricht geht dabei Flöten: Kopfrechnen Fehlanzeige, gute Bücher lesen, kannst Du vergessen. Gott Smartphone hat seine Gesetze ausgerufen, und alle folgen ihnen.
Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Das ist das Erste der zehn Gebote. Längst haben die Nebengötter ihre Herrschaft angetreten, die Götter Wohlstand, Konsum, Vermarktung, schnelles Internet, Handel, Zoll und Börse. Wir leben in digitaler Verflochtenheit? Ja wir brauchen die digitalen Medien. Ich brauch dieses Smartphone auch. Aber ich lass mich nicht von ihm brauchen: Ich bleibe sein Herr, werde nicht sein Sklave.
Eingebunden will ich bleiben in diesem Netz, im Netz von Werten wie Liebe Treue, Hoffnung, Freude, Wahrhaftigkeit. Wie geben wir ihm Gewicht? Ich glaube, es geht nur über das Erleben. Ich nenne einige Beispiele: Suchen wir mit diesen Kindern das Abenteuer in der Natur, machen wir Rucksackwandern, gehen Angeln, Kanu fahren auf der Alme, oder Fahrradfahren. Melden wir unsere Kinder an zur Ferienfreizeit der Gemeinde in Ewersberg am Hennesee. Schalten wir abends die elektronischen Geräte ab, holen die Spiele wieder hervor, Schach, UNO oder weiß Gott, was da heute auf dem Markt ist. Und geben wir dem Faden zu Gott wieder eine Chance: Sagen wir nicht, mit der Erstkommunion ist für mich Kirche gelaufen. Werden wir Mitglied in den Messdienergruppen, bei Kolping, der Tanzgruppe. Besuchen wir die Gottesdienste, legen wir die Hände zusammen und begrüßen mit Gott den neuen Tag und schließen ihn abends mit Gott. Das tut der Seele gut.