2017-08-13
19. Sonntag im Jahreskreis
Gesegnet statt erfolgreich
Zu Mt 14,23-33
Liebe Schwestern und Brüder,
angesprochen hat mich in dieser Woche ein Gebet, in dem es heißt:
„Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen überlasse ich Dir, Gott, ich
brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein, wenn ich nur ein gesegneter
Mensch bin.“ (Jörg Zink)
Kennen Sie das, liebe Mitchristen, die Furcht zu versagen? Kürzlich erzählte mir Sebastian, ein Mann von inzwischen Mitte 40, seine Lebensgeschichte. Die Eltern hatten den Anspruch,
wenigstens er sollte das Gymnasium besuchen, Abitur machen, dann nach Möglichkeit studieren und einen akademischen Beruf mit gutem Einkommen ergreifen.
Aber Sebastian fühlte sich nicht wohl auf dem Gymnasium. Die Eltern waren enttäuscht. Sebastian empfand sich deshalb als Schwächling. Je mehr dieses zermürbende Gefühl des Versagens an ihm nagte, desto schlechter wurden seine Leistungen. Er landete schließlich auf der Hauptschule und schaffte mit Ach und Krach den Abschluss, der ihm
eine Gärtnerlehre ermöglichte.
Als Gärtner fühlt sich Sebastian jetzt pudelwohl. Er ist eben kein Typ für die Schulbank, sondern einer zum Anpacken.
Sebastian hat sein Leben gefunden, aber das Gefühl, in den Augen seiner Eltern nicht gut genug gewesen zu sein, hat ihn nie verlassen.
„Ich brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein, wenn ich nur ein gesegneter Mensch bin.“ Segen heißt im Lateinischen: Benedicere; wörtlich übersetzt bedeutet das „Gut sprechen.“
Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder heute „Gut sprechen“, dass sie ihnen das Gefühl geben: Du bist o.k. so wie Du bist.
Ich gebe Dir meinen Segen zu deinem Leben. Du musst mir keine großen Leistungsnachweise bringen, damit ich dich mag. Ich liebe dich schon aus dem einzigen Grund, weil Du in meine Familie hinein geboren bist….