2017-11-11- 32. Sonntag im Jahreskreis 2017
Schrifttext: Mt 25,1-13
Thema: Laterne Gewissen
Liebe Schwestern und Brüder,
Novemberzeit ist Laternenzeit. Laternen auf den Gräbern der Toten, Laternenumzüge bei Halloween, St. Martin, Nikolaus.
Aber was suchen wir mit unseren Laternen?
In manchen Städten, so las ich im Internet, gibt es Kindergärten, die lassen Anfang November die Kinder entscheiden, ob sie lieber Halloween oder St. Martin feiern wollen, ob sie um den Kürbis tanzen möchten oder lieber die alte Geschichte spielen, wo der Soldat auf dem Pferd seinen Mantel mit dem frierenden Bettler teilt. Die meisten Kinder entscheiden sich für Halloween, obwohl doch das Fest überhaupt keine Wurzeln in unserem Kulturkreis hat, sondern eher im angelsächsischen, keltischen Raum.
Was ist der Unterschied? Bei Halloweenumzügen tritt man fordernd auf:
Süßes oder Saures. Ich will was für mich haben und gibst Du mir nichts, dann bin ich sauer. St. Martin ist das Fest des Teilens. Halloween ist Anmichnahme, Martin Rücksichtnahme. Im Zusammenhang mit den Paradisepapers schreiben die Zeitungen in dieser Woche, dass wir in Zeiten eines rücksichtslosen Raubtierkapitalismus leben, einer absoluten Gier ohne jede Nächstenliebe. Da bunkern Menschen Hunderte von Milliarden, Billionen sogar in irgendwelchen Steueroasen. Wenn die zur St. Martinsmentalität fähig wären, dann gäbe es von heute auf Morgen keine Armut mehr; dann könnten die Klimaprobleme gelöst sein. Es ist auf Dauer töricht so zu leben. Denn Gier macht einsam. Und am Ende seines Lebens muss doch jeder Rechenschaft vor Gott ablegen, der ihn fragen wird: Was hast Du denn gemacht mit deinem Leben? Will man dann antworten: Ich hatte Riesenerfolge, ein großes Vermögen angelegt. Und Gott wird sagen: Dafür habe ich Dir das Leben aber nicht gegeben. Bei mir zählt nur das Geld, das einer geteilt hat. Kanntest Du denn nicht die Geschichte vom Heiligen Martin nicht?
Das Gleichnis von den törichten und den klugen Jungfrauen heute fordert uns auf: Lasst eure Laternen brennen. Es will sagen: Passt auf euer Leben auf. Schaut, in welche Richtung es läuft. Lasst Gott in eurem Leben brennen. Oder lasst euer Gewissen brennen. In einem Roman heißt es von einem Menschen, der nur an sich selber dachte und vor allem auf Kosten anderer lebte: Er hatte ein Gewissen, doch er benutzte es so gut wie nie. Ist die Rede vom Gewissen aus der Mode gekommen? Ist das nicht ein überholter altmodischer Begriff?
Das ist Gewissen ist wie eine Laterne. Es stellt die ursprünglichen Werte des Christentums ins Licht, z. B. die zehn Gebote oder die vier Kardinaltugenden. Eine der Kardinaltugenden heißt z.B.: Mäßigung. In allem nicht gierig sein, sondern Maß zu halten. Die Devise „Weniger ist mehr“ tut dem Leben so gut. Mäßigung ist der Gegenbegriff zu dem Gebot „Du sollst nicht stehen“! Nun wird jeder von uns sagen: Ich stehle doch nicht, ich breche doch nicht in Häuser ein oder knacke Tresore.
Nicht Maß zu halten kann eine subtile Form von Stehlen sein. Zu viel Auto zu fahren, zu viel Energie zu verbrauchen, ständige Traumschiff- oder Flugzeugreisen, Fleischkonsum ohne Ende schaden dem Klima und stehlen den ärmsten Ländern die Rohstoffressourcen und die Regenwälder.
Novemberzeit Laternenzeit. Das Gewissen ist wie eine brennende oder eine dunkle Laterne, oder um es mit einer Legende der Cherokee-Indianer zu sagen wie der Schwarze oder der Weiße Wolf. Da erklärt der alte Häuptling seinem Enkelsohn. In Dir leben zwei Wölfe. Es ist der schwarze Wolf, der für die Gier in Dir, für die Arroganz, die Schuld, die Vorurteile, die Lügen, den falschen Stolz und das Ego steht.
Der weiße Wolf steht für Teilen, Freude, Friede, Liebe, Hoffnung, Demut, Güte, Zuneigung, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Glaube.
Diese beiden Wölfe sind in Dir immer im Kampf, führte der Häuptling aus. Und, so fragte der Enkel, welcher von beiden wird gewinnen?“ Der Häuptling antwortete, der, den Du fütterst.