Predigt vom 1.5.2022 Trauer nicht weg-ostern

Trauer nicht weg-ostern-wegtrösten

Joh 21,1-19

Liebe Schwestern und Brüder,

es sind traurige Tage bisher gewesen in diesem Jahr 2022, die uns führen auf Schlachtfelder, wo man selbst Kinder Frauen, Greise, Kranke sinnlos mordet, verhungern oder an Verletzungen ohne medizinische Versorgung sterben läßt.

Die Traurigkeit wird noch stärker, wenn man erlebt, wie ein so positiver Mensch wie Wiltrud Schlüter und so viele andere auch aus diesem Dorf  so plötzlich aus dem Leben gerissen werden, oder nach langem Leiden Abschied nehmen mussten. Weiterlesen

Predigt vom 15.04.2022 – Karfreitag – Der Kreuzschlepper

Der Kreuzschlepper

Johannespassion

Liebe Schwestern und Brüder,

in Wiedenbrück, der Stadt, in der ich 11 Jahre Pfarrer war, gibt es seit über 350 Jahren die Kreuztracht, eine Prozession, die mit einem verkleideten und maskierten Jesusdarsteller als Kreuzträger durch die Stadt zieht.  Kein Mensch weiß, wer der Kreuzträger ist, nur der Vorsteher des Franziskanerklosters und nach Auflösung des Klosters der Pfarrer von St. Ägidius. Es melden sich dazu Menschen, die oft eine schwere Schuld auf sich geladen haben und durch das Kreuz Wiedergutmachung leisten wollen. Das Kreuz ist groß, aber innen hohl. Innen wird es mit Steine gefüllt je nach dem Grad der Schwere, wie der jeweilige Kreuzträger das wünscht. Unterwegs hält die Prozession 7 x an, den sieben Fussfällen Jesu entsprechend. Als Pfarrer von St. Ägidius bin ich all die Jahre unmittelbar hinter dem Kreuzträger gegangen und sah, wie der maskierte Jesusdarsteller oft schwer zu schleppen hatte, die Füße zitterten und kaum noch Kraft war, sich auf den Beinen zu halten und nach den Fussfällen wieder aufzustehen. Und ich dachte: Das ist kein Träger, das ist ein mühsamer Kreuzschlepper. Weiterlesen

Predigt vom 14.04.2022 Gründonnerstag Fusswaschung

Fusswaschung

Joh 13,1-2

Liebe Schwestern und Brüder,

in der letzten Woche hatte ich von Montag bis Freitag im Bergkloster Bestwig ein Seminar, in dem wir Mitarbeitende in stationären Hospizen und in ambulanten Hospizdiensten in Seelsorge ausbilden. In einer Seminararbeit ging es um Rituale am Sterbebett. Eine Mitarbeiterin erzählte, dass sie eines Morgens in das Zimmer eines Gastes, eines alten Mannes kam. Dieser bat sie, ihm die Füße zu massieren und ihm ein Fussbad zu machen. Die Mitarbeiterin folgte diesem Wunsch und massierte ganz langsam und vorsichtig die Füsse und wusch sie. Sie erzählte, wie dabei in ihr selbst eine bisher nicht gekannte Ruhe und Innigkeit aufstieg. Als sie wenige Stunden später wieder in das Zimmer kam, war der Mann gestorben.

Wir haben in diesem Seminar darüber nachgedacht, warum dieser Mann diesen Wunsch hatte. Weiterlesen

Predigt vom 27.03.2022 – Vergebung

Lk 15,1-3.11-32

Vergebung

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Philosophin Hannah Arendt hat einmal festgestellt, dass sie das Christentum um die Möglichkeit der Vergebung beneidet und sie stellt die These auf: Vergebung ist der Kern der Freiheit. Man kann von einem Fehler und den Folgen, etwas Falsches zu tun, befreit werden, wenn andere den Fehler verzeihen. Könnten wir einander nicht verzeihen, d.h. uns gegenseitig von den Folgen unserer Taten wieder entbinden, so beschränkte sich unsere Fähigkeit zu handeln gewisserweise auf eine einzige Tat, deren Folgen uns bis an unser Lebensende in wahrsten Sinne des Wortes verfolgen würde. Weiterlesen

Predigt vom 20.3.2022 – Mariupol

2022-03-20_3._Fa._So

Mariupol

Liebe Schwestern und Brüder,

Mariupol heisst die Stadt, in der die Menschen in diesen Tagen unendlich leiden. Mariupol, zu deutsch Marias Stadt. Die Menschen befinden sich seit Wochen in Kellern, oft ohne Brot und Wasser. Vielleicht flehen sie die Patronin ihrer Stadt an „Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schutz daraus…“ Beschütze uns vor den russischen Bomben. Oh Maria hilf.
Das Gebet gibt innere Kraft, aber es kommt niemand, der wie im mythischen-magischen Glaubensbild – vom Himmel fährt und die Bomben und Raketen abwehrt. Weiterlesen

Predigt vom 31.12.2021 – Silvester

2021-12-31-Silvester

Liebe Schwestern und Brüder,
„Der du die Zeit in Händen hast, Herr nimm auch dieses Jahres Last und
wandle sie in Segen.“ So haben wir gerade im Lied gesungen.

Die Last, die uns in diesem vergehenden Jahr alle belastet hat, war
wieder das Coronavirus. Dabei waren doch vor einem Jahr gerade die
Impfmöglichkeit entdeckt worden und hatte uns alle die Hoffnung
gegeben: Na ja im Sommer sind wir mit dem Virus durch. Puste Kuchen.
„Leben ist das, was passiert, während du gerade dabei bis andere Pläne
zu machen.“ Hat John Lennon gedichtet. Delta, Omikron hatte keiner auf
dem Plan zur Jahreswende 2020,21.
Hat sich für uns diese Viruslast in Segen verwandelt, wie das Lied
beschwört? Oder nicht doch eher in Frust, Resignation, in die Spaltung
nach Impfgegnern und Impfbefürwortern, in die unselige Aggressivität
der Querdenker? Weiterlesen