Predigt vom 9.11.2025 – Ge-Denk Tag der Deutschen

Liebe Schwestern und Brüder,

 Erinnern Sie sich noch an jenen 9. November 1989, wie die Menschen sich in die Arme fielen, die Trabis durch Absperrungen fuhren, Verwandte sich wiedersahen und Westdeutschland den Ostdeutschen wie ein Paradies vorkam. 

Mir fiel in jener Nacht der Psalm 126 aus der Bibel ein, der geschrieben wurde, als die Israeliten im 6. Jahrhundert vor Christus nach über 60- jähriger Gefangenschaft in Babylon als ein kleiner Haufen zurückkehrten nach Jerusalem. Da heißt es:

Als der Herr das Los der Gefangenschaft Israels wendete,

da waren wir alle wie Träumende.

Da war unser Mund voll Lachen

und unsere Zunge voll Jubel.

Da sagte man unter den andern Völkern:

„Der Herr hat an ihnen Großes getan.“

Und 1989? Weiterlesen

Predigt vom 28.10.2025 – Dank

Lk 17,11-19

Liebe Schwestern und Brüder,

„Nicht dafür!“ Das sind zwei Worte, die gut tun und manchmal hört man sie mehrmals die Woche. Im letzten Jahr war ich mal von Schwindelanfällen geplagt und fragte an dem Ort, wo ich da wohnte,  eine Nachbarin, ob sie mich zum Arzt fahren könnte. Sie wartete die gaze Zeit der Behandlung im Wartezimmer. Als wir wieder zurückkamen, dankte ich ihr und bekam prompt die Antwort: „Nicht dafür.“

Diese Redewendung und solche wie „Keine Ursache“, „Nicht der Rede wert“ oder „Ist doch selbstverständlich“ stehen für Bescheidenheit. Doch manchmal verrät ein lächelnder Gesichtsausdruck, wie gut dieses kleine Wort DANKE tut. Ist es wirklich so selbstverständlich, für andere da zu sein, zu helfen, wo Hilfe gerade nötig ist? Oder bekommt man nicht auf Bitten häufig die Antwort: „Habe im Moment leider keine Zeit. Ein anderes Mal…?“ Alle, die bisweilen so schnell eine Bitte ablehnen, wissen oft nicht, was sie verpassen, wenn sie auf das Wort „Danke“ verzichten. Weiterlesen

Predigt vom 7.9.2025 – Berufung

Liebe Schwestern und Brüder,

Ruth Pfau, die 2017 im Alter von 88 Jahren verstorben ist, war eine deutsche Ordensschwester und Lepraärztin, die im hohen Maße dazu beigetragen hat, dass Lepra heute weitgehend unter Kontrolle ist. In Pakistan erhielt sie den Titel einer Nationalheldin, weil sie dort mit ihrem Team das Lepra-Problem bekämpft und nahezu vollständig beseitigt hat.

In den Ländern Asiens hat Ruth Pfau einen ähnlichen Ruf wie Mutter Teresa. Sie ist praktisch die deutsche Mutter Teresa.  Weiterlesen

Predigt vom 10.8.2025 – Wo Euer Schatz ist

19.-So.-i.-J.

Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz

Liebe Schwestern und Brüder,

„Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz.“ Woran hängen wir unser Herz?

Diese Frage stellt das heutige Evangelium. Unter dem Leitwort „Passion im August“ wird heute das Martyrium von 2 Menschen verstanden, die ihr Herz gegeben haben für diese Welt, Maximilian Kolbe in Auschwitz ermordet am 14. August 1941 und Edith Stein am 9. August 1942. Edith Stein, ihr Fest hatten wir gestern. Sie wurde 1891 als Kind einer jüdischen Familie in Breslau geboren. Der hoch intelligenten Frau gelang es, Philosophie zu studieren und als erste Frau in Deutschland einen Doktortitel an einer philosophischen Fakultät abzulegen zum Thema Einfühlung, Empathie. Aber sie fühlte sich in diesen Jahren innerlich leer, fand keinen Sinn im Leben, geriet in tiefe Depression mit Selbstmordgedanken. Da fiel ihr 1921 das Werk der Theresa von Avila „Abenteuer der Seele“ in die Hände. Sie verschlang es in einer Nacht und wußte am anderen Morgen: Das ist es, das ist mein Leben, tief auf dem Grund der Seele Gott zu begegnen. Sie trat der katholischen Kirche bei, ließ sich taufen und firmen, ging zur Erstkommunion. Dieser mystische Weg führte sie schließlich in das Karmelkloster Maria Frieden in Köln. Sie wurde zu einer der wichtigsten geistlichen Schriftstellerinnen unserer Kirche. Als Jüdin musste sie zusammen mit ihrer Schwester Rosa, die auch Karmeliterin geworden war, nach Holland fliehen in das Kloster Echt. Nachdem die Nazis in Holland einmarschiert waren, wurde sie am 2. August 1942 verhaftet und mit ihrer Schwester Rosa über Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo beide am 9. August vergast wurden. Auf dem Transport wurde Edith Stein von einem SS-Beamten, der offensichtlich katholisch war, erkannt. Er bot ihr an, sie frei zu lassen. Da sagte Edith Stein den Satz: „Jetzt ist mein Platz wieder an der Seite meines jüdischen Volkes.“ Weiterlesen

Predigt vom 20.7.2025 – Mitgefühl statt Selbstsucht

16.So.i.J. –

Lukas 10,38-42

Liebe Schwestern und Brüder,

der 20. Juli ist einer der großen Gedenktage der deutschen Geschichte. Am heutigen Tag vor 81 Jahren unternahmen Männer um den Grafen Stauffenberg den letzten großen Versuch, unser Land von der Tyrannei zu befreien. Er scheiterte, konnte die Katastrophe nicht mehr verhindern. Der Kern des deutschen Widerstands war der Kreisauer Kreis, benannt nach einem Gut in Schlesien. Der Gutsherr von Kreisau, Helmut James Graf von Moltke, war einer der führenden Köpfe des Widerstands. Als er vor dem Blutrichter Roland Freisler stand, sagte er: Ich stehe hier nicht als Protestant, nicht als Großgrundbesitzer, nicht als Adeliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher … sondern als Christ und als gar nichts anderes stehe ich hier vor Gericht“. Weiterlesen

Predigt vom 29.06.2025 Peter und Paul

Jesus v. Nazareth – unsere Identität

Mt 16, 13-19

Liebe Schwestern und Brüder,

ich hätte bei diesem Wochenende die Teilnehmerinnen der Werkhütte gern gefragt: Wie würden Sie die beiden Figuren Petrus und Paulus in Holz oder in Stein gestalten? In Körbecke am Möhnesee sind in dem barocken Hochaltar aus dem 18. Jdt. Petrus und Paulus die dominierenden Gestalten: Petrus steht da, felsenfest, wuchtig gestaltet mit seinem Schlüssel in der Hand, als wollte er sagen: An mir kommt nichts vorbei. Paulus ist dagegen schwungvoll, dynamisch gestaltet, Bewegung ist sein Merkmal.

Als Katholiken glauben wir seit Jahrhunderten, dass Petrus der Felsen der Hierarchie ist, auf dem allein die Kirche aufgebaut ist. Jetzt haben wir einen neuen Nachfolger Petri, Leo XIV. Noch ist nicht ausgemacht, in welche Richtung das Schiff Petri sich bewegt, mehr in die beharrende, konservative oder in die dynamische vorwärtstreibende Richtung. Damals in Jerusalem auf dem ersten Konzil kam es zu dem großen Showdown, zwischen Petrus, der die neue Bewegung der Christen auf Judäa und Israel beschränken wollte, und Paulus, der sie hinaus drängen wollte in die ganze Welt. Paulus hat sich durchgesetzt. Wenn nicht, dann säßen wir heute nicht hier. Weiterlesen

Predigt vom 18.6.2025 Fronleichnam

Niederknien?

Lk 9, 11-17

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Fronleichnamsfest verbinde ich seit Kindheitstagen in unserem Dorf festlich geschmückte Straßen, Hauseingänge, Altäre, Blumenteppiche und den sakramentalen Segen in die vier Himmelsrichtungen. Segen für alles, was lebt: im Osten, Süden, Westen und Norden. Vor der Gegenwart Christi im Altarsakrament knieten wir nieder, d.h. wir machten uns klein, damit Christus in der Monstranz groß wurde, gemeint war die Monstranz unseres Herzens.

Niederknien ist eine besonders intime Ausdrucksform unseres Glaubens, eine intensive, innige Form der Christusbegegnung. Weiterlesen