2018-07-07_14. So.i.J._Heimathaus in Siddinghausen
Schrifttext Mt 6,24 ff
Insektensterben
Liebe Schwestern und Brüder,
der große Dalai Lama hat folgenden denkwürdigen Satz geprägt: „Wenn Du denkst, Du wärest zu klein oder zu schwach, um etwas zu bewirken, dann versuch mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum herumschwirrt.“ Das kennen wir alle, die Mücke im Schlafzimmer. Aber der Dalei Lama meint: Alles ist wichtig. Auch der kleinste Mensch kann Großes bewirken, und die winzigsten Lebewesen tragen zum Gesamthaushalt der Schöpfung bei. Was wären wir ohne den Fleiß der Ameisen, der Würmer, die unentwegt Humus produzieren. Was wären die Vögel ohne die Mücken, die großen Pflanzen ohne die Kleinen. Die Erde braucht nicht nur wunderbare Orchideen, sondern auch Gänseblümchen. Und das Kleine hat oft die größte Widerstandskraft, kämpft am zähestens ums Überleben. Erich Kästner hat schon gefragt: „Wer widersteht den donnernden Zügen, wenn sie heranrauschen. Es sind die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen.“
Alles in der Schöpfung ist miteinander verbunden. Und wenn man immer mehr Glieder aus der Kette herausbricht, dann wird irgendwann der ganze Kreislauf krank. Darauf hat im Mai ein interessantes Projekt eines Penny-Supermarktes in Hannover aufmerksam gemacht. Der Discounter räumte übers Wochenende alle Produkte aus den Regalen heraus, die es ohne die Hilfe von Insekten nicht gäbe. So blieben die Obst- und Gemüseregale weitgehend leer. Auch Kaffee und Kakao gab es nicht mehr. Etliche Fertiggerichte und Pflegeprodukte und viele weitere Artikel, die von Insekten abhängig sind, fehlten. Insgesamt war der Supermarkt zu 60 % leer geräumt. Ein großes Erschrecken zum Weltbienentag am 20. Mai 2018 ging durch die Großstadt. Aber man nimmt das zur Kenntnis, und dann macht einfach weiter wie bisher.
Was muss sich ändern? Unsere Lebenseinstellung muss zurückkehren auf diesen Grundsatz des griechischen Philosophen Aristoteles, der gesagt hat: Alles Leben ist miteinander verbunden. Und darum muss Leben das Leben respektieren. Albert Schweitzer hat dies von seinem Urwaldhospital im afrikanischen Gabun so definiert: Wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will. Ehrfurcht vor dem Leben war darum die Grundmaxime seines Lebens und Handelns. Diese Ehrfurcht hat aber gleichzeitig zu tun mit dem Respekt vor dem Schöpfer und dem Glauben an Gott.
Die Grundfrage ist also: Wie definiere ich als Mensch mein Leben?
Ist mein Leben Gott gewollt und lebe ich diese Gottverbundenheit. Oder gibt es für mich keinen Schöpfer, keinen Gott. Und ist dann mit dem Tod alles aus? Ein Leben ohne Gott?
Das heißt doch: dann ist der Mensch nicht mehr als das oberste Tier. Und nach seinem Tod bleibt von ihm nicht mehr übrig als von einem zertretenen Insekt. Etwas Erde, etwas Staub, eine Handvoll Asche. Für mich ist das eine grauenvolle Vorstellung.
Lebe ich aber mein Leben in Gottesverbundenheit, dann ist mir klar, dass ich doch eines Tages mein Leben verantworten muss vor einem Schöpfer. Vielleicht wird er mich dann fragen: Hattest Du denn kein Vertrauen? Musstest Du denn in manchen Phasen deines Lebens so egoistisch leben, auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur. Hast Du nicht gesehen die Lilien auf dem Felde und die Vögle am Himmel, die ich als euer Vater so wunderbar erhalten habe? Wußtest Du denn nicht, dass diese 80 oder 90 Jahre, die Du auf dem Planeten lebtest, nur eine Winzigkeit sind angesichts der Ewigkeit, diesem Riesenocean von milliardenfacher Zeit, in dem Du für ewig aufgehoben bist?
Liebe Mitchristen, heutzutage definiert man jede Arbeit vom Ende her, vom Endprodukt her. Wenn wir unser Leben vom Ende her sehen, von Gottes Gericht und Gerechtigkeit her, dann kann die Devise doch nur heißen: Weniger ist mehr. Verzicht macht deine Seele reicher als ständiges Habenwollen. Und lerne zu staunen, über die Natur und über deinen Heimatort:
VISION 2018 für Siddinghausen
Zeit fließt in vielen blühenden Jahren immer gleich unterm Himmelsdach hin,
Zeit taucht die schönen Lebensglanztage in schwarze Nächte, wo liegt der Sinn?
Menschen im Fluß, die Ewigkeit naht,
hebt eure Köpfe, steht auf und sagt:
Funken sind auf die uralte Erde wie heller Geist gesprüht.
Alme und Afte sind Teil der Erde länger als Menschen denken und sind.
Bäume, die wachsen, fruchtbar die Erde, rau ins Gesicht weht häufig der Wind.
Menschen der Zeit, die Schöpfung bewahrt,
nach Schätzen der Seele suchet und grabt,
Segen für Pflanzen, Tiere und Menschen ist auf den Weg gesät.
Burglied und Lamberg, Höhen im Lichte, locken die Schritte aufwärts zum Ziel,
Landschaft im Auge, Sehnsucht im Herzen, Reize der Sinne, göttliches Spiel.
Menschen in Ängsten, seht auf zum Glanz,
Lichtaugenblicke fassen euch ganz.
Tropfen der Hoffnung sind auf das Leben wie Morgentau geweht.
Kirche, Gemeinde, schaut in die Ferne, habt die Vision und folgt ihr sogleich:
Bildung und Glaube an diesem Orte in diesem Dorfe, Einheit zugleich.
Menschen, die fragen, kommet hierher,
ist auch das Herz von Sorgen euch schwer.
Lasst euch berühren vom Gott der Liebe, von seiner Nähe, atmet ihn ein.
Text: Ullrich Auffenberg, Melodie aus Schweden