Predigt vom 28.10.2025 – Dank

Lk 17,11-19

Liebe Schwestern und Brüder,

„Nicht dafür!“ Das sind zwei Worte, die gut tun und manchmal hört man sie mehrmals die Woche. Im letzten Jahr war ich mal von Schwindelanfällen geplagt und fragte an dem Ort, wo ich da wohnte,  eine Nachbarin, ob sie mich zum Arzt fahren könnte. Sie wartete die gaze Zeit der Behandlung im Wartezimmer. Als wir wieder zurückkamen, dankte ich ihr und bekam prompt die Antwort: „Nicht dafür.“

Diese Redewendung und solche wie „Keine Ursache“, „Nicht der Rede wert“ oder „Ist doch selbstverständlich“ stehen für Bescheidenheit. Doch manchmal verrät ein lächelnder Gesichtsausdruck, wie gut dieses kleine Wort DANKE tut. Ist es wirklich so selbstverständlich, für andere da zu sein, zu helfen, wo Hilfe gerade nötig ist? Oder bekommt man nicht auf Bitten häufig die Antwort: „Habe im Moment leider keine Zeit. Ein anderes Mal…?“ Alle, die bisweilen so schnell eine Bitte ablehnen, wissen oft nicht, was sie verpassen, wenn sie auf das Wort „Danke“ verzichten.

Eine junge Frau, die aus Somalia mit den Bootsflüchtlingen gekommen war, sagte: „Das Wort Danke ist Nahrung für die Seele. Es ist ein großes Privileg, im Leben geben zu können und dann das Wort DANKE zu hören. Wir, die wir unsere Heimat verlassen mussten, haben dieses Wort hier nie gehört: Danke. Im Gegenteil wir müssen immer nur betteln im Leben, betteln um Lebensmittel, um ein wenig mehr Lebensraum, betteln um eine Ausbildung, um die Hilfe auf den Ämtern…. So oft steigt in uns das Gefühl auf, überflüssig, nur Belastung zu sein. Wie schön wäre es aber zu hören: Ihr seid erwünscht, danke, dass Ihr da seid.“                                                       

In der fernöstlichen Religion des Hinduismus gibt es ein Glaubensprinzip, das heißt „Glück aus Dir selbst“ . Wir Menschen haben in uns von vornherein einen Vorrat an Glück mit auf die Welt bekommen. Wenn wir Danke sagen können, dann schöpfen wir aus dem Glück aus uns selbst, dann berühren wir einander, dann entsteht gutes Leben. Leider geht es aber unter uns Menschen eher zu wie in der heutigen Geschichte von den zehn Aussätzigen. Lepra, Aussatz ist ene fürchterliche Krankheit. Sie verursacht nicht nur schreckliche Schmerzen, sie verunstaltet den Körper und isoliert durch die hohe Ansteckungsgefahr den Kranken von jeder menschlichen Gemeinschaft. Diese Aussätzigen sehnen sich so sehr danach, geheilt zu werden, wieder dazu zu gehören zum normalen alltäglichen Leben. Aber kaum sind sie geheilt, schon ist alles vergessen, vergessen vor allem derjenige, der gut zu ihnen war. Das tut selbst Jesus weh.Wie oft höre ich Menschen, die Gutes tun, sagen: Dank darfst Du nicht erwarten. Wer nicht danken kann, verpasst sein Glück, sagt der Hinduismus. Denn Dank rührt tief in deiner Seele am Glücksempfinden.

Mahatma Gandhi, der große Begründer der indischen Demokratie, hat mit dem Prinzip der Dankbarkeit Politik gemacht. Dass ich bin, verdanke ich nicht mir selbst, sondern anderen, den Eltern, den Mitmenschen am Ende der alles umfassenden Seele Gottes. „Ich bin, weil Du bist.“ So hieß sein Gesetz des Tats wam asi. Deshalb hätte Gandhi nie wie die MAGA-Bewegung in Amerika sagen können: Mein Land zuerst, Ich zuerst, unsere Wirtschaft zuerst, mein Erfolg zuerst. Nein zuerst sage ich Danke, dass Du bist, der Mensch an meiner Seite, der Gott, der mein Leben gewollt hat, Danke sage ich, dass ich in Paderborn leben darf und nicht im Iran fürchten muss, dass ich als Christ verhaftet werde.

Danke zu sagen, ist schön, weil es „das Glück aus Dir selbst“ berührt.

Deshalb möchte ich schließen mit einem Dankgebet:

Danke schön, Gott, 

Dass du mich ansiehst und ich bei dir Ansehen habe,

dass wir einander achten und den Vorrat unseres Glücks teilen,

Danke dafür und für so viel mehr,

Für den Regen und die Herbstblätter, die auf meine Jacke fallen,

das Klimpern des Kindes auf dem Klavier und die Elbphilharmonie,

für das Frühstück am Morgen und den Schlaf in der Nacht,

den Freund am Telefon und die Nachtschwester auf der Station,

Danke

Für den Wechsel der Jahreszeiten und die Luft, die wir atmen,

die Kunst der Ärzt*innen und die Empathie der Pädagogen,

die Automechaniker, Elektriker und Softwarespezialisten,

für die Bauern, Müller, Bäcker, Gastwirte und Wegepflasterer,

die Frauen und Männer auf der Feuerwache und den RTWs,

das fröhliche Spiel der Kinder und die Weisheit der Alten,

die Rücksicht der Autofahrer und den Gruß der Fußgänger,

Danke

Für die Müllabfuhr, die Straßenkehrer und die vielen Handwerker, 

die Maulwürfe im Garten und die Sonnenblumen auf den Feldern,

Danke 

Für die Freiwilligen in den Katastrophenregionen und die Hilfstransporte,

die überstandene Krankheit und die Fähigkeit zu trösten,

die Blicke der Augen, die berühren und guttun,

die nicht verwachsenen Ohren und die hörenden Herzen,

Danke 

Für meinen Anfang und mein Ende und all die Jahre dazwischen.

Nicht Da-Für sagst DU? Genau Da-Für antworte ich!


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