Predigt vom 23.11.2025 – Christkönig

Wem gehört mein Leben?

Liebe Schwestern und Brüder,

In dieser Woche sind zwei existentielle Fragen höchst aktuell geworden. Sie lauten:

Wem gehört unser Leben, und darf ich über meinen Tod selbst entscheiden? Die Zwillingsschwestern Ellen und Alice Kessler galten einst als die schönsten Frauen der Welt, begeisterten auf den größten Bühnen der Welt unzählige Scharen von Menschen. Im hohen Alter welkt die Schönheit und wie allen Menschen stellte sich auch ihnen die Frage: Wie umgehen mit meiner Endlichkeit, der zunehmenden Gebrechlichkeit. Die Kesslerzwillinge haben entschieden: Wir sind gemeinsam auf die Welt gkommen und wir verlassen sie gemeinsam. Bei der deutschen Gesellschaft für humanes Sterben haben sie wahrscheinlich den Antrag gestellt auf Beihilfe zum Suicid, auf aktive Sterbehilfe. Nach beratung durch Juristen und Ärzte haben sie wahrscheinlich grünes Licht bekommen.

Denn in unserem Lande hat man im Febr. 2020 das Strafrecht geändert  und geschäftsmäßige Beihilfe zum Suicid nicht mehr unter Strafe gestellt. Umfragen weisen aus, dass 81 % der Deutschen der Meinung sind: Mein Leben gehört mir! Sie sind für aktive Sterbehilfe. 

Die Präsidentin des deutschen Caritasverbandes befürchtet, dass das Vorbild der Kesslerzwillinge vermehrt  Menschen im hohen Alter auf den Gedanken zum assistierten Suicid bringen könnte, um anderen nicht zur Last zu fallen und den Angehörigen oft die enorm steigenden Pflegkosten zu ersparen. 

Manchmal frage ich mich: Was täte ich eigentlich, wenn ich als Seelsorger in einem Sterbezimmer dabei wäre, wenn ein Arzt einem Patienten das todbringende Medikament ermöglicht? Ein Schreiben des Vatikan in Rom betont  dazu, dass das Leben nicht uns Menschen gehört, sondern in jeder Faser Gott gehört, unserem Schöpfer. Vor allem das Jhonnesevangelium spricht immer wieder davon, das wir Eigentum Gottes sind. Der Vatikan lehnt deshalb aktive Sterbihilfe ab  und ermahnt uns Seelsorger, in dem Falle die Sterbesakramente nicht zu spenden und das Zimmer zu verlassen. Weil alles andere als Mitwirkung verstanden werden könnte. Da frage ich mich doch, was hätte Jesus denn getan. Hätte er das Zimmer verlassen oder wäre er bei einem Menschen in Not geblieben, auch wenn er gegen Sterbehilfe gewesen wäre?

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Ordensschwester in St. Gallen in der Schweiz darüber, einer Dominikanerin. In der Schweiz wird schon lange durch Unternehmen wie Dignitas  geschäftsmäßige Sterbehilfe praktiziert. Die Schwester erzählte mir, dass eine Frau mit abgrundtiefen psychischen Leiden ihr gesagt habe, sie hätte die Erlaubnis zum selbst-bestimmten Tod bekommen von der dazu zuständigen Behörde, aber sie sei eine sehr gläubige Frau und glaube an ein Leben nach den Tod.  Sie fragte die Ordensschwester, ob  sie sie im Sterbeprozess begleiten würde, also Gebete sprechen und Lieder singen würde. Die Schwester ist nicht rausgegangen, sie ist am Bett sitzen geblieben, hat gebetet, bis die Frau tot war. Ich glaube, so sagt die Schwester, das hätte Jesus doch auch getan. Und ist das nicht im Sinne der Enzyklika des Papstes Franziskus, fratelli tutti, wenn sie  sagt: Geschwisterlichkeit geht über alles, und Menschlichkeit, Barmherzigkeit stehen über den Gesetzen. Das sind Werte, wie sie viele christliche Hospizinitiativen praktizieren.

Ich habe das Sterben eines Freundes miterlebt, der ALS hatte. Mit der Zeit wurde alles weniger. Irgendwann konnte er nicht mehr sprechen, kaum noch schlucken und atmen bis am Ende die künstliche Medizin das alles übernehmen musste. Da war auch der Ruf: Gebt mir ein  todbringendes Medikament, damit ich endlich erlöst werde. Aber da war auch die herzliche Nähe des Pflegepersonals auf der Palliativstation, die Zuwendung der Angehörigen, die gut dosierte Palliativmedizin, und da waren unsere Gebete. Zuletzt ist der Freund friedlich eingeschlafen und wir alle hatten das Gefühl: Das war kein Exitus, kein Weggang, das war eine Übergabe in eine andere Dimension des Lebens hinein, an die der Freund Zeit seines Lebens geglaubt hatte.

Wem gehört mein Leben? Wer bestimmt über meinen Tod? Das Evangelium vom heutigen Christkönigsonntag gibt Antwort.Es zeigt Jesus am Kreuz. Neben ihm zwei Schwerverbrecher, Mörder wahrscheinlich oder Terroristen. In dieser schrecklichsten aller Lebenssituationen sagt einer der Schwerverbrecher zu Jesus: „Meister, denk an mich, wenn Du in dein Paradies kommst.“ Jesus  antwortet nicht, wie man es bei einem solchen Schwerverbrecher erwarten sollte. Er fragt nicht: Was hast Du eigentlich vebrochen? Er sagt auch nicht: Dann musst Du erst einmal beichten oder vor einem Gericht ein Geständnis ablegen. Danach musst du das Urteil erwarten und deine Strafe verbüßen. Danach erst können wir darüber reden, ob du ins Paradies oder in die Hölle kommst. Nein das alles sagt er nicht. Er sagt nur diesen einen Satz: Heute, heute noch bist Du bei mir im Paradies. Vergebung sofort. Heute. Jetzt. Vergebung sogar für ein ganzes verpfuschtes, weggeworfenes Leben. Der Funke einer Sehnsucht nach Vergebung  reicht aus. 

Liebe Mitchristen, Wem gehört mein Leben? Die Antwort Jesu ist: Dein Leben gehört dem Vater im Himmel. Und der lädt dich ein, immer nur zum Leben, und der sorgt dafür, dass kein Leben, auch von den Allererbärmlichsten jemals verloren geht. Mir nimmt dieses Evangelium eine Menge Angst. Heute noch, wirst Du bei mir im Paradiese sein. Keine Angst! Nur Gnade! Amen.


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