Predigt vom 22.07.2018 – Papstfilm

2018-07-22-18.So.-i.J. – Zu Joh 6, 24-35

Papst-Film

Liebe Schwestern und Brüder,

„Die Menschen sind wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Was dieser Satz Jesu bedeuten kann, las ich einmal bei Antoine de Saint-Exupéry. Exupéry war leidenschaftlicher Flieger. Sein tödlicher Absturz in der Wüste Sahara mit 44 Jahren blieb Jahrzehnte ungeklärt. Neueste Forschungen haben ergeben, dass ihn ein deutscher Düsenjägerpilot abgeschossen hat. Exupéry hat das nach der Bibel meist gedruckte Buch der Literaturgeschichte geschrieben, das Buch vom „Kleinen Prinzen“. Bis jetzt hat es eine Auflage von 140 Millionen Exemplaren erreicht. Die  zentrale Botschaft dieses Buches: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ In seinen anderen Büchern wie „Wind, Sand und Sterne“ oder die „Stadt in der Wüste“ kommt ein großes religiöses Ringen zum Ausdruck.

 

Die Religion muss die Menschen ergreifen, sie darf sie nicht unterwerfen. So lautet das Credo von Eupèry. Darum konnte er sich nie mit einer der christlichen Kirchen identifizieren, weil sie seiner Meinung nach zu trocken sind. Ihre Katechesen, Rituale und Liturgien waren ihm viel zu blutleer. Und in vertrockneten Seelen kann sich die Liebe Gottes nicht verbreiten. Für Exupéry ereignet sich Gott mitten im Herzen eines Menschen. Denn Gott ist die Liebe. Als solcher ist er das notwendige Bindemittel zwischen den Menschen.

 

Die Menschen tun ihm leid, denn sie sind wie Schafe ohne Hirten. Exupéry bezieht diesen Satz Jesu fast wörtlich auf die Männer und Frauen, mit denen er auf seinen Flugreisen in der Wüste unterwegs ist: „Sie stehen des Abends an Theke. Sie hätten einen Gott so bitter nötig. Denn ihre Gespräche drehen sich auch nach dem fünften Glas Bier immer nur um Sex, Urlaub, Kleidung, Fußball und Geldverdienen. Sie reden von Robotern und leben selber wie die Roboter. Man kann doch nicht mehr leben nur von Eisschränken, Radio, Politik, Börsen und Kreuzworträtseln, man kann es doch nicht  mehr.

 

Heute müßte man sagen: Man kann doch nicht mehr nur leben von Smartphone, Tablets, Microsoft, Apple, Computern und Fernsehfilmen. Menschen, die nur vom Konsum leben, tun Jesus leid. Denn sie sind wie Schafe ohne Hirten, also wie Lebewesen ohne jede geistige Orientierung. Haben diese Menschen in unserem Wohlstandsland einen Gott so bitter nötig, wie Exupéry meint? Haben sie Hunger nach Gott?

 

In der letzten Woche wurden die neuesten Mitgliedszahlen der Kirchen veröffentlicht. Beide große Kirchen haben 2017 660.000 Mitglieder verloren. Nur  noch 54 % der deutschen Bevölkerung ist christlich. Nach der Wende um 1990 waren das noch beinahe 70 %. Wenn die Christenheit in den nächsten Jahren unter 50  sinkt, dann kann man von einem christlichen Deutschland nicht mehr reden. Zumal, die, die  formal in der Kirche bleiben,  zu über 90 % ihren Glauben nicht mehr praktizieren. Schlicht gesagt: Der Glaube ist ihnen egal. Zeitschriften, die das kommentieren, wundern sich und fragen: „Wie kann das sein, gerade zu Zeiten von  Papst Franziskus, der doch überall so sympathisch rüberkommt?“ Während unsere Sonntagsgottesdienste mit rasender Geschwindigkeit leerer werden, läuft zurzeit  der Film von Wim Wenders über Papst Franziskus schon mehrere Wochen in allen großen Kinos Deutschlands. Und viele strömen dahin: Katholiken, Protestanten, aber auch Atheisten, Muslime und Agnostiker.

Wie kommt das? Wim Wenders hat den Film ganz geschickt geschnitten. Es ist so, als wenn Franziskus den Kinobesucher ganz persönlich anspricht und ihn fragt: Wer bist Du, Mensch? Was macht Dir Sorgen, bekümmert dich? Du kannst kein ordentliches Leben führen ohne Gott. Such ab und zu die Stille auf. Sprich mit ihm, der einzig großen Wahrheit Deines Lebens? Die Botschaft des Filmes: Dieser Papst lebt, was er glaubt. Und Du Mensch bist ihm ganz persönlich wichtig, weil Du für Gott an erster Stelle stehst. Aber Du musst diesen Glauben an Gott pflegen, dieses Bindeglied der Liebe.

 

Im Kleinen Prinzen drückt  Exupéry diesen Gedanken im Bild von der Rose aus. Der Fuchs sagt zum Prinzen: Wenn Du diese Rose nicht pflegst, dir keine Zeit für sie nimmst, sie nicht unter den Glassturz stellst, sie befreist von Ungeziefer, dann kann deine Rose nicht wachsen und blühen, dann geht sie ein.

 

Ist die Rose, dieses Bindeglied der Liebe, ist Gott in den Herzen der meisten Menschen schon verwelkt, eingegangen? Wenn in einem Kino, in dem ein Papst im Film 90 Minuten lang nur vom Glauben redet, es so still wird, dass Du eine Stecknadel fallen hören kannst, und manche Kinobesucher anschließend Tränen in den Augen haben, dann muss es auch in diesen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Gott geben.

 

Die Menschen, die da abends an der Theke stehen, hätten einen Gott so bitter nötig, sagt Exupéry. Was kann ich, was können Sie dazu beitragen, dass Menschen in meiner, in Ihrer Umgebung merken, dass sie einen Gott brauchen? Sie, ich, wir können nur versuchen, unseren Glauben zu leben, mit der Zeit und mit der Freude, die in uns steckt. Das strahlt aus. Und das ist auch das Geheimnis von Papst Franziskus. Trotz größter Probleme, verliert er seine innere Freude nicht, weil er im Kontakt bleibt mit sich selbst und mit Gott. Amen.

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