Predigt vom 19.08.2018 – Handysegnung

2018-08-19-20. So.i.J. – Krautbund- und Handysegnung

Joh 6,51-58

Liebe Schwestern und Brüder,

das Fest Maria Himmelfahrt ist untrennbar mit Blumenpracht, klarer Luft und sauberen Himmel verbunden. Die Hitzewelle dieses Sommers hat uns vor Augen geführt, dass der Mensch dieser Zeit offenbar irreparabel durch sein Konsumverhalten in die Sauberkeit der Schöpfung eingreift, so dass nach Schätzungen von UNICEF inzwischen täglich bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten aussterben, dass Menschen in der Dritten Welt den Klimawandel durch veränderte Dürrzeiten jetzt schon drastisch zu spüren bekommen. Jeder sagt: Es muss sich was ändern. Aber es ändert sich nichts, weil jeder sagt: Als  einzelner kann ich nichts machen.

 

Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen. Die Missionswerke Missio Aachen und MISEREOR haben z.B. die Aktion saubere Handies ausgerufen. Diese Aktion hat zwei Schwerpunkte. Der erste ist die Entsorgung. Wegen der großen Widerstände baut man in Deutschland kaum noch Deponien für Elektroschrott. Also wird er in großen Containern nach Afrika verschifft. Im Jahre 2010 bin ich zusammen mit der aus Weiberg stammenden Schwester Elisabeth Happe auf einer solchen Mülldeponie in Accra, der Hauptstadt Ghanas, gewesen, eine Deponie mitten in der Großstadt so groß wie die ganze Stadt Büren.

Tausende von Kindern suchen da nach Materialien, die sie irgendwo für ein paar Cedis verkaufen und werden dabei totkrank. Missio Aachen vermutet in seiner Schutzengelaktion für diese Kinder, dass in Deutschland über 100 Millionen ausrangierte Handies in den Schubladen liegen. Missio sagt: Schickt uns diese Handies, wir sorgen dafür, dass sie nicht auf der Halde landen, sondern recycelt werden. Manche Kolpinggruppen haben es sich heute zur Aufgabe gemacht, Sammelstellen für ausgediente Smartphones oder Handies einzurichten. Sie können aber ihr Handy auch direkt nach Missio Aachen schicken. Ein Formular dazu ist ganz einfach unter saubere Handies im Internet runterzuladen. (Wenn es Sie interessiert, dann habe ich es auch hier.)

 

Das zweite Problem ist, dass Coltan, der wichtigste Grundstoff für Akkus, zu 90 % im Kongo abgebaut wird. Im Kongo ist Bürgerkrieg. Rebellengruppen bemächtigen sich der wertvollen Coltanbergwerke, lassen da bis zu 40.000 Kinder arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen bis zu 24 Stunden am Tag. Immer wieder stürzen ganze Stollen ein und begraben die Kinder unter sich. Erzbischof Maroy aus dem Ostkongo ruft dringend über Missio dazu auf, Unterschriften zu sammeln, die Missio dann weiter schickt an die Hersteller von Smartphones wie Apple, Microsoft, Samsung und Sony, auch an die Hersteller von  Elektroautos wie Daimler und Volkswagen und fordert sie auf, keine Geschäfte mehr zu machen mit Rebellengruppen.

 

Wenn ich aus Anlass des Vierhochzeitenfestes Krautbunde segne, dann heißt das: Wir wollen die Vielfalt der Schöpfung gut erhalten, sauber bewahren. Gott hilf uns dabei. Ich möchte aber gleichzeitig auch, Handies und Smartphones segnen und Gott bitten: Lass uns verantwortlich damit umgehen.

 

Im Evangelium sagt Jesus heute: ich bin das lebendige Brot, das ich euch zur Speise gebe. Für mich ist das eine Symbolsprache, die bedeutet: wenn ihr den Glauben an mich so in eure Existenz mit einbezieht und aufsaugt wie die tägliche Nahrung und Flüssigkeit, dann bekommt euer Leben eine Gelassenheit. Diese Gelassenheit ermöglicht es euch, nicht mehr auf Kosten anderer zu leben, euch nicht immer wieder den letzten Schrei zu kaufen, nur um wichtig zu sein. Sie ermöglicht euch abzugeben, zu spenden, weniger haben zu wollen, weil ihr vor Gott immer schon wichtig seid.

 

Darum möchte ich jetzt folgendes Gebet über Krautbunde und Handies, Smartphones sprechen:

Gott, viele Pflanzen und Kräuter dieses Jahres hatten auch in Deutschland wenig Chancen groß zu werden, weil es so heiß war. Andere werden achtlos vergiftet, zertreten, vernichtet. Mit Albert Schweitzer bitten wir dich: Lehre uns neu die Ehrfurcht vor dem Leben und dass wir Menschen selber Leben sind inmitten von Leben, das Leben will.

Gleichzeitig sehe ich in den erbärmlichen Städten des Südens Millionen von Müllkindern, die sich auf irgendwelchen Plätzen mit Hunden um Mülltonnen streiten, um ihnen das letzte verfaulte Brot zu entreißen. Sie beten jeden Morgen: Das tägliche Brot, das Brot, das ich jeden Tag zum Leben brauche, gib mir bitte, bitte heute. Während im Wohlstandsland schon sechsjährige beten: Das tägliche Handy gibt mir jetzt, gib mir sofort.

Gott mit dem großen Vater der unterpreviligierten Arbeiter, Jugendlichen und Kinder dieser Welt, mit Adolph Kolping bitten wir dich:  Segne unsere Handies, unsere Smartphones, die ganze Technik in unseren Händen und vor unseren Augen, dass wir sie verantwortungsvoll einsetzen, nicht nur zum eigenen Wohl, sondern zu Wohl aller, denn wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will. Und jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, auch die Kinder im Ostkongo. Amen.

als pdf

als mp3

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.