Predigt vom 06.05.2018 Ostersonntag

2018-05-06_6._Ostersonntag

Bayrischer Kreuzeserlass

Evangelium: Joh 15, 9-17

Liebe Schwestern und Brüder,

Durch den Erlass der bayrischen Staatsregierung, in allen öffentlichen Gebäuden, Kreuze aufzuhängen, ist das Kreuz als christliches Symbol wieder sehr in die Diskussion gekommen. Das Kreuz, so wird argumentiert, sei Bestandteil der christlich abendländischen Kultur. Aber Jesus, auf den doch das Kreuz zurückgeht, war kein Mensch des Abendlands, sondern des Morgenlands. Er war Orientale, Jude. Und für die Kultur ist er nicht so grausam am Kreuz gestorben, sondern für jeden von uns persönlich, um uns die Angst zu nehmen vor Schuld, Leid und Tod.

Das Kreuz ist aber nicht nur das Leidenssymbol Christi, sondern auch das der absoluten Liebe, Im Kreuz kreuzen sich die Gottesliebe und die Nächstenliebe. Die Gottesliebe finden wir in der Senkrechten des Kreuzes, die Nächsten Liebe in der Horizontalen. Wir selbst sind ein Kreuz, geerdet, gehimmelt, geseitet. Das heutige Evangelium sagt das genauso: Ohne das Bewußtsein von Gott geliebt zu sein, geht Nächstenliebe nicht. Wenn also das Aufhängen von Kreuzen mit sich bringt, dass demnächst in der Politik, der Rechtsprechung und der Wirtschaft Bayerns demnächst mehr Gottesliebe und Nächstenliebe stattfindet, dann wäre es eine phantastische Idee. Wenn es aber nur Wahlkampf ist, dann wär es perfide.

Beim Bürener Wandertag heute stoßen die Wanderer immer wieder auf Wegekreuze. Das sind keine Kulturzeichen. Sie wollen vielmehr erinnern an diesen Zusammenhang von Gottes- und Nächstenliebe. Als ich noch in der Bildungsstätte St. Bonifatius in Elkeringhausen bei Winterberg war, da habe ich den Kurzteilnehmern häufig gesagt: Wenn Sie heute Nachmittag in dieser wunderschönen Landschaft des Sauerlandes spazieren gehen und sehen eine Kreuz, dann nehmen sie doch einfach mal einen Stein und legen ihn zu dem Kreuz und sagen Sie Christus: Nimm mir alle Kümmernisse und Sorgen von meinem Herzen. Vielleicht wird es Ihnen dann etwas leichter ums Herz.

Und noch einen letzten Gedanken zum Thema Kreuz. Das Kreuz ist ohne Auferstehung nicht zu denken. Das zeigt dieses Regenbogenkreuz. Es ist schon etwas lädiert, weil es lange draußen gehangen hat bei der Kirche am Möhnesee. Hinterm Horizont des Todes liegt das Regenbogenland, das Osterland endgültigen Friedens. Das sagt dieses Kreuz.  Auch dazu ein Beispiel, das ich vor einigen Wochen bei einem Seminar in Thüringen von einer jungen Frau gehört habe. Sie erzählte:

„Als mein Bruder gestorben ist, haben meine Schwester, mein Papa und ich an seinem Bett gesessen. Er war lange Zeit sehr unruhig, hat laut gestöhnt und war nur sehr schwer zu beruhigen. Er bekam dann eine Schmerzspritze, wurde äußerlich ruhiger und trotzdem hatte ich das Gefühl, in seinem Innern kämpft er noch. Wir haben uns untereinander unterhalten, sodass er eigentlich immer etwas hören konnte. Und ich habe mit ihm gesprochen. Als ich ihm sagte, dass wir ihn gehen lassen und unsere Mutter schon auf ihn wartet am anderen Ende des Tunnels und er sie dann wiedersieht, geschah etwas sehr Berührendes. Er hob ganz kurz seine Hand, wie zum Gruß und eine Träne floss aus seinem Auge. In diesem Moment hat er sein Leben vollendet und erst jetzt nach über einem Jahr kann ich das so richtig begreifen und verstehen.“

Das ist das Kreuz: Kreuzpunkt von Gottes- und Nächstenliebe im Innersten meiner Seele und Sehnsucht nach dem Regenbogenland. Es ist ein Glaubenssymbol und nicht Kulturgut wie die Schlösser des Bayernkönigs Ludwig. Amen.

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