Predigt vom 28.3.2021 Palmsonntag – Eselspredigt

2021-03-28_Palmsonntag
Eselspredigt
Schrifttext Mk 11,1-10

Heute predigt der Esel:
„Gestatten, mein Name ist Esel. Ich gebe zu, mein Ruf ist nicht sehr gut. Ständig höre ich Sätze wie diese: Du bist vielleicht ein Esel! Was ist denn das jetzt wieder für eine Eselei. Warum bist Du nur so stur wie ein Esel. Du dummer Esel! Viele dieser Worte verletzen mich ganz schön.
Natürlich bin ich kein Pferd, das stolz seinen Kopf in den Nacken wirft. Ich schaue lieber bescheiden zur Erde. Ich bin auch kein Kamel, das würdig durch die Wüste schreitet. Ich mache nur ganz kleine Schritte, bin sehr anspruchlosl.

Darum mögen mich die einfachen Leute. Ja, ich bin das Reittier der ganz kleinen und einfachen Leute. Meine Hufe finden auch auf Wegen mit spitzen Steinen Halt; ich kann Gebirge erklimmen. Darum war ich kürzlich an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei im Einsatz; da habe ich nächtelang ganze Familien über die völlig unwegsam Grenze getragen und erst im Irak, da bin ich mit Frauen und kleinsten Kindern oben hinauf ins Sinchargebirge und habe sie in ihre Verstecke gebracht. Die Leute sagen, ich bin stur. Nein, ich bin nicht stur. Ich bin einfach nur sensibel. Und wenn ich eine Gefahr wittere, dann gehe ich nicht weiter. Was glaubt ihr, wie viele Menschen ich damit schon gerettet habe.
Aber, wisst Ihr, meinen ganz großen Auftritt, den hatte ich vor langer langer Zeit, als ich Maria mit dem Jesuskind durch 40 Kilometer Wüste von Nazareth nach Betlehem gebracht habe. Wenn ich da nicht manchmal stur, also sensibel gewesen wäre, dann wären die Heilige Familie ganz unheilig von wilden Tieren und Räubern überfallen worden.
Und später, ja das war der absolute Höhepunkt, da durfte ich dabei sein und habe immer nur vor mich hin gesungen:
„Ich bin ein Esel, klein und schwach, und habe in der Heilgen Nacht im Stall von Betlehem gewacht, und manchmal still IA gemacht.“
Aber dann kam Herodes, dieser Diktator, der Schlächter von Betlehem, und wollte Kinder ermorden. Das war lange vor Syrien meine erste Flucht mit der heiligen Flüchtlingsfamilie.
Aber es sollte noch toller kommen für mich, das unbedeutende graue Wesen. Da kamen doch vor den Toren von Jerusalem Jünger von diesem Jesus und flüsterten mir ins Ohr: Dich, den schwachen Esel hat Gott erwählt, dass er Christusträger, Gottesträger ist. Ich habe gefragt: Wieso ich; es gibt doch so viele stolze Rösser im Pferdestall des Herodes. Sie haben gesagt: „Der Messias will nicht hoch über den Menschen schweben. Er will auf Augenhöhe sein mit den Menschen.“ Und dann bin ich mit ihm eingezogen in diese Riesenstadt Jerusalem, Und ich muss zugeben, ein bischen stolz war ich schon, dabei zu sein und habe ab und zu nach rechts und links geblinzelt, ob das auch alle merken.
Und Jesus hat mir damals ins Ohr geflüstert: „Danke, dass Du mich trägst, denn ich gehöre auch zu den einfachen Leuten. Wenn doch die Würdenträger auch in Eurer Kirche endlich mal herabstiegen von ihren hohen Rössern und auf Augenhöhe sich begeben zu den Menschen, dann würden die Menschen der Kirche wieder mehr glauben und für sich das Urvertrauen in der Pandemiezeit neu entdecken. Danke, dass Du IA sagst, Ja sagst zu mir und Deinem Leben als Lastenträger. Und manchmal wünsche ich den Menschen so zu sein wie ihr Esel, die JA sagen zu Gott und ihrem Schicksal und mich nicht auf ihren Schultern, aber doch in ihrem Herzen tragen.“


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Ein Gedanke zu „Predigt vom 28.3.2021 Palmsonntag – Eselspredigt

  1. Lieber Ulli,
    deine Worte tun immer wieder so gut und berühren das Herz 🙂
    Dann weiß man doch wieder was wichtig ist egal was in der Kirche passiert. Schön das du deine Predigten immer veröffentlichst und man so teilhaben kann. Das ist eine tolle Sache, besonders in dieser Zeit!
    Vielen Dank dafür und liebe Grüße
    Elke Köster

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